Im Fall der insolventen Fluglinie Air Berlin hat sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) klar gegen eine Übernahme durch Ryanair ausgesprochen. "Ryanair ist ein arbeitnehmerfeindliches Unternehmen. Das Geschäftsmodell ist frühkapitalistisch", sagte Müller dem Tagesspiegel.

Zugleich warb Müller dafür, der Lufthansa den Zuschlag zu geben. "Ich glaube, es ist für alle Beteiligten unstrittig, dass bei mehreren seriösen Bewerbern die Lufthansa für Verlässlichkeit steht, auch weil sie ihr Geschäft am Luftverkehrsstandort Berlin ausgeweitet hat." Berlin wolle möglichst viele Verbindungen anbieten. "Dafür steht die Lufthansa."

Nach Angaben von Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) verhandelt Air Berlin derzeit mit Lufthansa, Ryanair und der britischen Billiglinie Easyjet. Die Bundesregierung ist nach eigenen Angaben nicht an den Verhandlungen beteiligt. Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte zuvor behauptet, es handle sich um ein "abgekartetes Spiel"; die deutsche Regierung unterstütze die Lufthansa beim Versuch, Air Berlin zu übernehmen.

Die Entscheidung über einen oder mehrere Käufer sollen bereits Mitte September fallen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. Demnach können interessierte Unternehmen bis zum 13. September Gebote abgeben und ihre Konzepte vorstellen. Bereits am 15. September solle der Gläubigerausschuss darüber beraten und womöglich entscheiden.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hatte vergangene Woche mitgeteilt, bis Ende September eine Lösung anzustreben. Ein Unternehmenssprecher wollte zum genauen Zeitplan keine Angaben machen. Die Verhandlungen laufen unter Zeitdruck, weil Air Berlin den Betrieb vor allem wegen eines staatlichen Überbrückungskredits von 150 Millionen Euro aufrechterhalten kann.