Die Fluggesellschaft Germania zieht wegen der Bürgschaft der Bundesregierung für Air Berlin vor Gericht. Germania habe beim Landgericht Berlin ein Eilverfahren eingeleitet, teilte das Gericht mit. Germania will erreichen, dass der vom Bund gewährte Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro untersagt wird, solange die EU dem Vorgehen nicht zugestimmt hat.

Die EU-Kommission teilte nur kurze Zeit später mit, man sei "zuversichtlich, dass Lösungen innerhalb des Rahmens der EU-Gesetze gefunden werden können". Auch im Bundeswirtschaftsministerium geht man davon aus, dass die "notwendigen Schritte für die Auszahlung des Air-Berlin-Kredits wie geplant fortgesetzt" werden, wie es in einer Mitteilung hieß.

Germania argumentiert, die Bürgschaft entspreche nicht den marktüblichen Bedingungen. Außerdem bevorzuge die Bundesregierung die Lufthansa einseitig bei den Übernahmegesprächen. Mit dieser Fluggesellschaft solle ein "deutscher Champion" geschaffen werden. Diese Worte hatte kürzlich unter anderem Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gebraucht, als er sich für die Übernahme "wesentlicher Teile" von Air Berlin durch die Lufthansa aussprach.

Die Fluggesellschaft Germania existiert seit 30 Jahren und fliegt nur internationale Ziele an. Die unabhängige Airline ist wesentlich kleiner als Air Berlin und fliegt jährlich mehr als drei Millionen Passagiere. Am Flughafen Berlin-Schönefeld teilt sich Germania einen Wartungshangar mit Air Berlin.

Der Antrag der Germania richtet sich gegen das Verkehrsministerium, das Wirtschaftsministerium und das Finanzministerium. Die mündliche Verhandlung über den Antrag ist am 15. September. Für den Fall, dass bereits Bürgschaften gestellt wurden, beantragte Germania, diese rückabzuwickeln und bis zur Genehmigung durch die EU-Kommission abzuwarten.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Um den Weiterbetrieb bis zu einer Verkaufslösung sicherzustellen, gewährte die Bundesregierung der insolventen Fluggesellschaften einen Kredit der staatlichen KfW-Bank in Höhe von 150 Millionen Euro. Air Berlin verhandelt nach eigenen Angaben mit der Lufthansa und drei weiteren Unternehmen über einen Verkauf. Als Interessenten für Teile der Fluggesellschaft gelten neben der Lufthansa die britische easyJet, der Ferienflieger Condor und Ryanair. Angebote für die insolvente Airline können noch bis Mitte September abgegeben werden.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der Betriebsrat von Air Berlin und die Gewerkschaft ver.di sind sich einig, dass bei den Übernahmeverhandlungen möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben müssten. In einer gemeinsamen Pressekonferenz sagte Müller, unabhängig vom jeweiligen Interessenten sei es wichtig, das Personal in der Hauptstadt weiter zu beschäftigen. Das gelte nicht nur für die Crews, sondern auch das Bodenpersonal. Außerdem sei es wichtig, dass die Arbeitnehmer zu guten Bedingungen übernommen würden.

Müller hatte im Tagesspiegel deutlich formuliert, dass er gegen eine Übernahme durch den Billiganbieter Ryanair sei. Die Fluglinie sei "ein arbeitnehmerfeindliches Unternehmen. Das Geschäftsmodell ist frühkapitalistisch", sagte Müller. Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte, man strebe eine schnelle Lösung an. Christine Behle von der Gewerkschaft ver.di kritisierte: "Niemand redet ernsthaft über die Beschäftigten." Die derzeitige Debatte drehe sich hauptsächlich um Flugzeuge und Slots – die Zeitfenster, in denen eine Airline Start- und Landerechte an Flughäfen hat. Behle sagte, die Arbeitnehmer der insolventen Airline würden in der Debatte zu kurz kommen. 

Ryanair nur an Teilen der Air Berlin interessiert

Noch in der vergangenen Woche hatte Ryanair-Chef Michael O'Leary erklärt, er ziehe eine komplette Übernahme von Air Berlin in Betracht. Er kritisierte, eine Zerschlagung von Air Berlin sei in einem "abgekarteten Spiel" eingefädelt worden, damit sich die Lufthansa einen großen Teil der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft einverleiben könne.

Nun sagte Marketingchef Kenny Jacobs, Ryanair sei nur an Teilen der insolventen Fluglinie interessiert. "Wir interessieren uns für einige Vermögenswerte von Air Berlin, hauptsächlich die Routen, die wir betreiben könnten", sagte Jacobs in Dublin. O'Leary hat allerdings noch keinen Termin bei Air Berlin ausgemacht. Er hatte sich beschwert, dass er bisher noch nicht eingeladen worden sei.

Des Weiteren denkt Niki Lauda, Namensgeber und Gründer des Ferienfliegers Niki, über einen Rückkauf nach. Bevor er über ein Gebot entscheidet, will Lauda aber Einblick in die Bücher von Niki nehmen, wie er dem österreichischen Kurier sagte. Lauda kritisierte, bei einem erfolgreichen Kauf durch die Lufthansa hätte die deutsche Airline einen viel zu hohen Marktanteil von 90 Prozent in Österreich und 80 Prozent in Deutschland. Ein weiteres Gespräch wird es außerdem am Mittwoch mit dem Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl geben, der Air Berlin als Ganzes übernehmen will.