Neues Hindernis für die von Bayer geplante Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto: Die EU-Kommission hat Vorbehalte gegen die geplante 66 Milliarden Dollar teure Fusion und will sie deshalb vertieft prüfen. Man sei besorgt, dass der Zusammenschluss der beiden Agrarkonzerne den Wettbewerb in einigen Geschäftszweigen schwächen könnte, sagte die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager. Die Kommission hat nun bis Januar 2018 Zeit, um eine Entscheidung zu fällen. Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern will die Übernahme eigentlich bis Ende dieses Jahres abschließen.

"Saatgut und Pestizide sind für Landwirte und letztlich auch für die Verbraucher von entscheidender Bedeutung", begründete Vestager die Prüfung. Die Kommission habe Bedenken, dass die Übernahme zu höheren Preisen, einer geringeren Qualität, weniger Auswahl und geringerer Innovation führen könnte. Die Kommission müsse auf diesen Märkten einen wirksamen Wettbewerb sicherstellen.

Bayer teilte mit, der Konzern habe "aufgrund der Größe und des Umfangs der geplanten Übernahme" von Monsanto eine nähere Untersuchung erwartet. Das Unternehmen sei von den Vorteilen des geplanten Zusammenschlusses für die Landwirte und Kunden überzeugt und werde die EU-Kommission bei der Untersuchung wie unterstützen. Gleichzeitig bekräftigte Bayer das Ziel, die Genehmigung der Kommission bis Ende 2017 zu erhalten.

Bayer hatte den Antrag auf Genehmigung der Monsanto-Übernahme Ende Juni bei der EU-Wettbewerbsbehörde eingereicht. Anfang August war die Prüffrist bereits verlängert worden. Neben den USA gilt die Prüfung in Brüssel als die größte Hürde für das Milliardengeschäft. Jedoch sind auch die Stellungnahmen zahlreicher anderer Kartellbehörden relevant.

Fusioniertes Unternehmen wäre weltgrößter Agrarchemiekonzern

Umweltschützer und Kritiker fordern auch wegen der großen Marktmacht ein Verbot des Zusammenschlusses. "Kommissarin Vestager hat gezögert, die Fusion zu stoppen, die einem Jumbo-Unternehmen die Kontrolle über unser Essen geben würde", äußerte sich die Aktivistengruppe Avaaz. "In den nächsten 90 Tagen kann sie ihren Mut beweisen, das öffentliche Interesse vor die Gier einer Firma zu stellen."

Das neue Unternehmen wäre der weltgrößte Anbieter in der Agrarchemie. Mit dem Volumen von 66 Milliarden Dollar (rund 56 Milliarden Euro) wäre es außerdem der bislang größte Zukauf eines deutschen Unternehmens im Ausland. Monsanto ist vor allem als Hersteller von Unkrautvernichtern mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat bekannt.

Der Sektor für Agrarchemie durchläuft derzeit eine starke Konsolidierung: ChemChina übernahm im Mai das schweizerische Chemieunternehmen Syngenta, im Juni stimmten die US-Behörden dem Zusammenschluss der beiden US-Chemieriesen Dow Chemical und DuPont zu. Umwelt- und Entwicklungsverbände warnen, die Fusionen würden zu einer starken Monopolisierung führen: Nur noch drei Konzerne würden 70 Prozent des weltweiten Pestizidmarktes und mehr als 60 Prozent des kommerziellen Saatguts kontrollieren.