Die Nominierung von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder für einen Posten im Direktorium des russischen Ölkonzerns Rosneft wird in Deutschland kritisiert. "Er erniedrigt sich endgültig zu einem bezahlten Diener der Politik Putins", sagte der Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrej Melnyk, bezeichnete es als moralisch verwerflich, "dass ein ehemaliger Bundeskanzler und führendes SPD-Mitglied vom Kremlchef instrumentalisiert wird". Das Engagement wäre ein "absolut falsches Signal", das die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft sowie der Bundesregierung "total untergraben würde", sagte er wegen der deutschen Vermittlerrolle im Ukraine-Konflikt.

Laut einem Dekret der russischen Regierung wurde der 73-jährige frühere Bundeskanzler der SPD für das Amt eines unabhängigen Direktors in dem halbstaatlichen Unternehmen nominiert. Das Direktorium (Board of Directors) bestand bislang aus neun Mitgliedern, künftig sollen es demnach elf sein. Die Mitglieder werden von der Aktionärsversammlung gewählt. Die Unternehmensführung obliegt allerdings einem Management Board, dessen Vorsitzender dem Direktorium angehört. Der Mitteilung zufolge könnte Schröder Ende September in das Gremium berufen werden.

Rosneft steht nach der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 auf der Sanktionsliste der EU. Die Strafmaßnahmen verbieten es dem Unternehmen mit Sitz in Moskau, Spezialtechnik und Dienstleistungen zur Ölförderung zu liefern. Zudem dürfen europäische Banken keine Geldgeschäfte von mehr als 30 Tagen Laufzeit mit Rosneft machen. Der Konzern war mit einer Klage gegen die Sanktionen gescheitert. Der Europäische Gerichtshof hatte sie ebenfalls für rechtmäßig erklärt.

Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker sagte: "Sollte es Rosnefts neue Strategie sein, nach dem Scheitern seiner juristischen Mittel gegen die EU-Sanktionen auf Schröders Kontakte zu setzen, um sich der Sanktionen zu entledigen, so wäre dies höchst problematisch und eine Staatsaffäre". Rosneft-Chef Igor Setschin hatte im Mai erklärt, in den kommenden fünf Jahren rund 600 Millionen Euro in Deutschland investieren zu wollen, unter anderem in die Modernisierung von Raffinerien.

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und entwickelte in dieser Zeit eine Freundschaft mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Seit 2005 ist Schröder Vorsitzender des Aktionärsausschusses beim Betreiber der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream, die durch die Ostsee nach Deutschland führt. Hinter der Gesellschaft steht ein von dem russischen Energieunternehmen Gazprom geführtes Firmenkonsortium.