Die Billigfluganbieter Ryanair hat Interesse am Kauf der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin angemeldet. "Wir wären sehr froh, ein Gebot für die gesamte Air Berlin abzugeben", sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary. Ryanair habe bislang aber keinen Zugang zum Datenraum mit Wirtschaftsdaten von Air Berlin. Deshalb sei laut O’Leary noch unklar, wie viel Geld für eine Restrukturierung notwendig wäre oder wie viel Geld die Airline verliere, und warum. Im Handelsblatt sagte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann, der Datenraum sei bereits seit rund drei Monaten allen Interessenten zugänglich. Demnach haben sich mehr als zehn Unternehmen bereits informiert. Ein Sprecher von Air Berlin teilte außerdem mit, die Fluggesellschaft sei offen für Partnerschaften, und zwar mit allen Interessenten. "Herr O’Leary ist herzlich eingeladen, uns bei der Rettung von Arbeitsplätzen zu helfen," sagte er.

Laut einer Sprecherin von Ryanair habe von der Öffnung des Datenraumes im Mai niemand etwas mitbekommen, das sei überholt. Immerhin habe Air Berlin erst im August Insolvenz angemeldet. O'Leary beschrieb die Verhandlungen der Air Berlin mit der Lufthansa als ein "abgekartetes Spiel", durch das der deutsche Marktführer Lufthansa gestärkt werden solle. "Was wird übrig bleiben, wenn die Lufthansa ihre Diskussionen abgeschlossen hat?", fragte er. Er brauche Informationen über Leasing- und Tarifverträge sowie über die Vereinbarungen mit den Flughäfen, ehe er den Sanierungsbedarf ermitteln könne. Dem Ryanair-Chef zufolge würde Ryanair im Fall einer Übernahme die Airbus-Maschinen von Air Berlin behalten, obwohl der Billigflieger bisher ausschließlich Flugzeuge von Boeing einsetzt.

Ryanair will O’Learys Worten nach als Marktführer an der Konsolidierung der Luftfahrtbranche mitwirken. Die Billigflugairline ist hinsichtlich Passagierzahlen die größte Fluggesellschaft Europas. Im Juli hatte Ryanair mitgeteilt, ein "unverbindliches" Angebot zum Kauf der angeschlagenen italienischen Fluglinie Alitalia abgegeben zu haben. In fünf Jahren werde es  voraussichtlich nur noch rund fünf große Fluggesellschaften in Europa geben, so O’Leary. Neben Ryanair und Lufthansa nannte er Air France-KLM, die IAG, zu der unter anderem British Airways und Iberia gehören, und womöglich Easyjet.

Die irische Billigfluglinie hatte in der vergangenen Woche gegen die Staatshilfen für Air Berlin Kartellbeschwerde eingelegt. Der Insolvenzantrag sei "ganz eindeutig" mit dem Ziel arrangiert worden, dass die deutsche Lufthansa eine schuldenfreie Air Berlin übernehmen könne, sagte Ryanair-Sprecher Robin Kiely. Dies verstoße gegen deutsche und EU-Wettbewerbsregeln. Ryanair fordere deshalb das Bundeskartellamt und die EU-Kommission auf, umgehend Schritte zu unternehmen. Das Kartellamt hat inzwischen eine intensive Prüfung angekündigt. 

Insolvenz - Kredit für Air Berlin soll für drei Monate reichen Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat die Hilfe der Bundesregierung für Air Berlin verteidigt. Ohne den Kredit hätte das Unternehmen den Betrieb einstellen müssen. © Foto: Federico Gambarini/dpa