Ein verlängerter Arm des Kremls? Auf keinen Fall! Wenn Altkanzler Gerhard Schröder über seinen baldigen Arbeitgeber Rosneft spricht, dann klingt es, als sei dies ein Konzern wie jeder andere. Schließlich halte der Energieriese BP fast 20 Prozent an dem russischen Ölförderer, dessen Reserven zu den größten weltweit gehören. Und der Aufsichtsrat, in dem Schröder höchstwahrscheinlich Ende des Monats den Vorsitz übernehmen wird, sei nicht russisch dominiert. Wozu also die Aufregung? Schröders Freund und Vizekanzler Sigmar Gabriel freute sich sogar öffentlich darüber, dass sein SPD-Parteikollege "auch ein bisschen was zu sagen" haben wird.

Dabei dürfte auch Schröder der zweifelhafte Aufstieg von Rosneft von einem halbtoten staatlichen Betrieb zum Global Player nicht entgangen sein. Es sei "jenseits von Gut und Böse", zürnte einst Michail Chodorkowskis Anwalt über ein Treffen des damaligen Bundeskanzlers Schröders mit Russlands Präsident Wladimir Putin im Dezember 2004 in Deutschland. Nur wenige Tage zuvor hatte der russische Staat Chodorkowskis enteigneten Milliarden-Konzern Yukos an eine Briefkastenfirma versteigert, während Chodorkowski hinter Gittern saß.

Der Yukos-Chef galt damals als mächtigster Kritiker Putins. Entsprechend groß war die weltweite Empörung. Nicht jedoch beim damaligen Bundeskanzler Schröder. "Jeder Versuch, dies zur Frage der deutsch-russischen Beziehungen zu machen, wird scheitern", sagte der SPD-Politiker damals. Kurz darauf schluckte der staatliche Nobody Rosneft den Konkurrenten Yukos und wurde über Nacht zum größten Ölkonzern des Landes. Die Yukos-Affäre war nur der Auftakt in Wladimir Putins Plan, Russlands Ölförderung wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen.

Fast dreizehn Jahre sind seitdem vergangen. Chodorkowski, der fast zehn Jahre im Gefängnis verbracht hat, lebt mittlerweile im Londoner Exil, während Rosneft-Chef Igor Setschin als zweitmächtigster Mann im Staate gilt.

Knapp 20 Milliarden Euro jährlich überweist Rosneft an den russischen Fiskus und gilt damit als größter Steuerzahler im Land. Gemessen am föderalen Haushalt, aus dem etwa Ausgaben für Sicherheit und Armee getätigt werden, beträgt Rosnefts Anteil etwa zehn Prozent. Mittlerweile hat der Konzern in dieser Hinsicht sogar Gazprom überflügelt. Zusätzlich bekommt der Staat über seine Holding Rosneftegaz, wo die russischen 50 Prozent der Aktien geparkt sind, Dividenden ausgezahlt. Im vergangenen Jahr waren es knapp 500 Millionen Euro.