Die Produktionswerke des Solarunternehmens SolarWorld dürfen mit neuen Eigentümern und einer reduzierten Belegschaft weiterarbeiten. Eine Gläubigerversammlung in Bonn stimmte mit großer Mehrheit dem Verkauf und der Übertragung von Vermögensteilen an die SolarWorld Industries GmbH zu, wie das Amtsgericht Bonn mitteilte. 

Die Belegschaft soll auf 475 Beschäftige reduziert werden. 1.200 Stellen fallen weg. Einschließlich der Zentrale in Bonn startet die neue Gesellschaft mit 515 Mitarbeitern.

Betrieben wird das Geschäft künftig von der neu gegründeten SolarWorld Industries GmbH. Die Führung des Unternehmens übernimmt der SolarWorld-Gründer Frank Asbeck. Eine Tochter der Qatar Foundation, die bisher mit 29 Prozent Großaktionär und einer der größten Gläubiger von SolarWorld war, ist weiterhin für die Finanzierung zuständig. Auch das Bundeskartellamt habe die Entscheidung genehmigt, teilte Asbeck mit.

Mitte Mai hatte das Unternehmen nach sechs Jahren Verlust Insolvenz angemeldet. Der Druck der Konkurrenz unter anderem aus China war SolarWorld zu stark gewesen.

Für 1.200 SolarWorld-Beschäftigte, für die es an den beiden Standorten im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt keine Arbeit mehr gibt, wird eine Transfergesellschaft gegründet. Sie soll bis Februar des kommenden Jahres Mitarbeiter qualifizieren und in neue Jobs vermitteln.

In der SolarWorld-Zentrale in Bonn waren bereits 150 Mitarbeiter unwiderruflich freigestellt worden. Dort bleibt vorerst nur eine Abwicklungsmannschaft. Ohne die Zustimmung der Gläubigerversammlung hätten fast alle SolarWorld-Beschäftigten freigestellt und später entlassen werden müssen. "Ich freue mich, dass es nach zähen Verhandlungen gelungen ist, wieder eine Zukunft für die SolarWorld-Fertigungen zu entwickeln", sagte Asbeck.

Insolvenzverwalter Horst Piepenburg hatte zuvor für die Entscheidung geworben: "Angesichts der komplexen Bedingungen der Solarindustrie ist das für die Gläubiger wirtschaftlich vernünftig und für die Standorte und Mitarbeiter die verantwortungsvollste Lösung." Die Gläubiger hätten sich mit ihrer Zustimmung die Chance gesichert, wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen, sagte ein Piepenburg-Sprecher.

Mit dem Geschäft übernimmt die neue Gesellschaft fast alle Anlagen, Vorräte und die Anteile an den Gesellschaften des Solarkonzerns mit Ausnahme der US-Gesellschaft. Sie soll voraussichtlich zugunsten der Konkursmasse verkauft werden. Der Erhalt von Teilen des Unternehmens sei wichtig für die deutsche Solarforschung, weil sie sonst ihre Anwendungsmöglichkeiten verloren hätte, sagte der Leiter des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme, Andreas Bett. "Ohne eigene Fertigung wären wir in ein paar Jahren abhängig von China."