Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen, Ferdinand Piëch, hat das VW-Präsidium 2014 über einen Untreue-Verdacht gegen zahlreiche Vorstandsmitglieder informiert, heißt es in einem Bericht der Bild am Sonntag. Die Zeitung beruft sich dabei auf vier voneinander unabhängige Quellen. Demnach hatte Piëch eine juristische Einschätzung zu den privat genutzten Privilegien der Vorstandsmitglieder eingeholt.

Laut dem Bericht der Zeitung beließ es das Präsidium – darunter Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Berthold Huber von der IG Metall – dabei, den Schaden nur zurückzufordern. Die Vorstandsmitglieder erstatteten eine Millionensumme und es erfolgte keine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Auch arbeitsrechtliche Schritte habe es keine gegeben.

Seit Mai diesen Jahres geht die Staatsanwaltschaft Braunschweig dem Vorwurf nach, der Betriebsrat von Volkswagen habe zu hohe Aufwandsentschädigungen erhalten. Dabei geht es unter anderem um mutmaßlich zu hohe Bezüge für Betriebsratschef Bernd Osterloh. Ermittelt wird außerdem gegen den VW-Konzernvorstand für Personal, Karlheinz Blessing, seinen Vorgänger Horst Neumann sowie gegen Martin Rosik, Personalchef der Marke VW, und dessen Vorgänger Jochen Schumm. Eine Anzeige soll der Auslöser für die Ermittlungen gewesen sein.

Der Volkswagen-Konzern und auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil widersprachen dieser Darstellung auf Anfrage der Bild am Sonntag. Ein VW-Sprecher erklärte: "Die Nebenleistungen wurden zu jedem Zeitpunkt entsprechend dem jeweils gültigen Nebenleistungskatalog in Anspruch genommen und nach den geltenden Vorschriften korrekt behandelt." Einer Sprecherin der niedersächsischen Regierung zufolge habe es "nach der sicheren ­Erinnerung des Ministerpräsidenten" keinen Hinweis auf einen Untreuevorwurf gegeben.

Der Deutschen Presse-Agentur sagte Stephan Weil am Sonntag: "Es hat in den damaligen Präsidiumssitzungen keine Hinweise auf strafbare Handlungen gegeben, da sind sich fünf von sechs der damaligen Präsidiumsmitglieder sicher, nur ein ehemaliges Mitglied möchte sich offenbar anders erinnern." Er fügte hinzu: "Hätte es damals irgendwelche Hinweise auf strafbare Handlungen gegeben, wäre ich als Jurist natürlich hoch alarmiert gewesen und hätte eine detaillierte juristische Überprüfung verlangt."