Der vor wenigen Tagen festgenommene Ex-Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz hat offenbar eine Schlüsselrolle im Abgasskandal gespielt. Das geht einem Bericht der Bild am Sonntag zufolge aus internen Dokumenten hervor. Demnach soll der ehemalige Manager den Einsatz einer Software angewiesen haben, die erkennt, ob ein Auto sich auf einem Prüfstand befindet, und den Abgasausstoß entsprechend anpassen kann.  

Laut eines vertraulichen Sitzungsprotokolls aus dem VW-Konzern vom 10. Mai 2011 diskutierten Teilnehmer unter Leitung von Hatz über eine kritische Felduntersuchung der US-Umweltbehörde EPA. Dem Papier zufolge hielt die EPA fünf Fahrzeuge in ihrem Emissionsverhalten für auffällig. Ohne wirksame Maßnahmen hätten diese Fahrzeuge vom Markt genommen werden müssen.

Bisherige Ermittlungen kamen zu dem Schluss, dass Volkswagen ab 2008 eine Software für die Motorsteuerung eingesetzt hat, die dazu führte, dass Abgase auf dem Prüfstand besser gereinigt wurden als auf der Straße. Dieses sogenannte Robustheitspaket wurde über die Jahre weiterentwickelt.

"Emission Possible"

Das Protokoll, auf das sich die Bild am Sonntag bezieht, hält fest: "Die Notwendigkeit für robustere Emissionskonzepte … wird zukünftig deutlich zunehmen." Es werde empfohlen, den noch in Entwicklung befindlichen "Rollenmodus" umzusetzen. Im Rollenmodus wird das Auto auf die Bedingungen vom Teststand eingestellt. 

Audi-Ingenieure fertigten dem Bericht zufolge wenige Wochen nach der Sitzung eine Präsentation mit dem Titel "Emission Possible" an. Darin beschrieben die Techniker, wie eine "Rollensituation" noch zuverlässiger erkannt werden könne – und präsentieren genau die illegale Abschaltvorrichtung, die US-Ermittler später entdeckten.

Hatz war im Zuge der Ermittlungen zur VW-Abgasaffäre in München festgenommen worden. Er befindet sich in Untersuchungshaft. Auf Anfrage der Bild am Sonntag wollte sich ein VW-Sprecher aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht äußern. Ein Anwalt von Hatz hatte in der Vergangenheit wiederholt gesagt, dass es keine Hinweise auf ein Fehlverhalten seines Mandanten gebe.