Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat krankgeschriebene Piloten, die sich wieder fit fühlen, zur Rückkehr an den Arbeitsplatz aufgefordert. Das geht aus einer internen Mitteilung aus dem Intranet des Unternehmens hervor, die der ZEIT vorliegt: "Viele Arbeitnehmer denken, dass es verboten ist, während der Krankschreibung an den Arbeitsplatz zurückzukommen und zu arbeiten. Ein Mythos... Ein Mitarbeiter kann also auch vor Ablauf der Krankschreibung wieder arbeiten gehen – und er sollte das sogar, soweit mit seinem persönlichen Befinden vereinbar, wenn er vorzeitig wieder arbeitsfähig ist." Unterschrieben ist das Schreiben mit: "Viele Grüße, Ihr Flugbetrieb."

Ein langjähriger Air-Berlin-Pilot kritisierte die Aufforderung: "Diese Art, mit dem Personal umzugehen, ist neu", so der Air-Berlin-Pilot, dessen Name der ZEIT bekannt ist, der aber aus rechtlichen Gründen um Anonymität gebeten hat. "Das Motiv unseres Arbeitgebers war wohl, Mitarbeiter, die sich aus Frust krankschreiben lassen, zu ermuntern, schnellstmöglich wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Aber pauschal zu sagen: 'Leute kommt vorzeitig aus der Krankschreibung zurück, wenn Ihr Euch gut fühlt!’', das halte ich für gefährlich. Der Arbeitgeber ist sogar haftbar, wenn dann etwas passiert."

In der vergangenen Woche hatten sich mehr als 200 Piloten beinahe zeitgleich krankschreiben lassen. Der hohe Krankenstand war als Protest gewertet worden, viele Flüge wurden gestrichen. Air Berlin bestätigt den Inhalt der Mitteilung gegenüber der ZEIT. Das Unternehmen fordere aber "keinen auf, krank zur Arbeit zu kommen, sondern nur, wenn er wieder gesund ist".

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nannte die Krankmeldungen der Piloten ein "riskantes Manöver". Auch Dobrindt hatte eine Rückkehr angeblich erkrankter Piloten an den Arbeitsplatz gefordert.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Seitdem laufen Gespräche über eine mögliche Übernahme der Flotte und des Unternehmens. Die Bieterfrist ist in der vergangenen Woche abgelaufen. Um den Flugbetrieb vorerst aufrechtzuerhalten, stellte die Bundesregierung einen Kredit über 150 Millionen Euro zur Verfügung. Zuletzt strich Air Berlin dennoch zahlreiche Langstreckenflüge, nachdem die Zahl der Flugbuchungen erheblich zurückgegangen war. Die Airline kündigte zudem an, ab 25. September ihr  Karibik-Flugprogramm zu beenden und die Streichung von USA-Flügen vorzuziehen.