Altkanzler - Gerhard Schröder wird Rosneft-Aufsichtsratschef Auf Vorschlag der russischen Regierung wird Altkanzler Gehard Schröder den Aufsichtsrat des Ölkonzerns Rosneft leiten. Er wolle die deutschen Beziehungen zu Russland verbessern, sagte er nach seiner Wahl zum Aufsichtsratschef. © Foto: Peter Kovalev/TASS/dpa

Altbundeskanzler Gerhard Schröder ist zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates beim größten russischen Ölkonzern Rosneft gewählt worden. In dieser Funktion sehe er es als seine Aufgabe, Kompromisse zu suchen, wenn es unterschiedliche Interessen der Teilhaber geben sollte, sagte Schröder in St. Petersburg. Dort hatte ihn eine Aktionärsversammlung in den Aufsichtsrat gewählt.

Die Wahl Schröders auf der Aktionärsversammlung galt bereits vor der Abstimmung als sicher, weil er von der russischen Regierung nominiert worden war. Der russische Staat ist der Mehrheitsaktionär von Rosneft.Im Ausland ist der Konzern umstritten; wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland steht das Unternehmen auf der EU-Sanktionsliste.

Schröder sagte nach seiner Wahl vor Journalisten, er gehöre nicht zu den Verfechtern von Sanktionen gegen Russland. Wenn es Fortschritte zur Beilegung des Krieges in der Ostukraine gebe, sollten die Strafmaßnahmen gelockert werden, zitierte ihn die Agentur Interfax. Er trete die Aufgabe bei Rosneft gerne an werde seine "Erfahrung zum Wohl des Konzerns einsetzen", so Schröder.

Als Aufsichtsrat bei Rosneft wird Schröder künftig formal die Aufsicht über den Vorstandschef Igor Setschin führen, der wie Schröder ein enger Weggefährte des russischen Präsidenten Wladimir Putins ist und als einer der mächtigsten Männer Russlands gilt. Setschin hat Rosneft mit umstrittenen Methoden zum größten Ölkonzern des Landes gemacht. Kritiker bemängeln, der Kreml nutze Rosneft und Gazprom als Druckmittel in seiner Außenpolitik.

Die Personalie hatte Schröder wie auch der SPD im Bundestagswahlkampf Kritik eingebracht. Der SPD-Parteichef und Kanzlerkandidat Martin Schulz distanzierte sich vom Altkanzler. Schröder selbst argumentierte mehrfach, das Engagement sei seine Privatsache. Er könne auf dem Posten aber dazu beitragen, das gespannte Verhältnis zwischen Deutschland und Russland zu verbessern.

Auch aus anderen Parteien kamen Vorwürfe an dem Engagement Schröders. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Schröders Vorgehen als "nicht in Ordnung" bezeichnet. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sagte im ZDF: "Dass er sich dafür hergibt, ist zutiefst kritikwürdig." Es sei "ganz unglaublich", dass Schröder sein früheres Amt nun bei einem russischen Unternehmen "versilbert". Rosneft sei ein "zentraler Baustein im Machtsystem" von Russlands Präsident Wladimir Putin.

Schröder war schon als Kanzler mit Putin befreundet. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundeskanzleramt 2005 heuerte er beim staatlichen russischen Gaskonzern Gazprom an. Für diesen führte er den Aktionärsausschuss der Ostsee-Gasleitung Nord Stream 1, beim Projekt Nord Stream 2 leitet er seit 2016 den Verwaltungsrat.

In Russland wird die Wahl Schröders positiv gesehen. "Meines Erachtens ist Schröders Kandidatur ein sehr bedeutsames Ereignis und für den Markt positiv", sagte der russische Energieminister Alexander Nowak der Welt. Der Altkanzler trete ein "für eine konsequente Wiederherstellung und Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und Europa beziehungsweise Russland und Deutschland".