Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Rechte von Flugreisenden auf Entschädigung bei großer Verspätung weiter gestärkt. Einem Urteil zufolge müssen Airlines in solchen Fällen auch dann zahlen, wenn sie statt eines eigenen Flugzeugs eine Maschine einsetzen, die von einer anderen Gesellschaft samt Besatzung gemietet wurde (Az.X ZR 102/16 und X ZR 106/16).

Im Ausgangsfall hatten Reisende von der Fluggesellschaft Air Maroc Ausgleichszahlungen gefordert, weil ihr Flug von Düsseldorf nach Marokko sieben Stunden Verspätung hatte. Air Maroc weigerte sich aber zu zahlen und verwies darauf, im Rahmen einer sogenannten Wet-Lease-Vereinbarung ein Flugzeug der spanischen Swiftair samt Besatzung gemietet zu haben. Swiftair sei deshalb das ausführende Unternehmen gewesen.

Dieser Argumentation folgte der BGH nicht und entschied anders als die Vorinstanzen, dass Air Maroc die Ausgleichszahlungen zu leisten hat. Die Kunden hätten unter dem IATA-Code der Air Maroc gebucht. Deshalb gelte die Airline auch als ausführendes Luftfahrtunternehmen, unabhängig davon, ob der Flug mit einem eigenen Flugzeug, mit einem gemieteten oder in sonstiger Form durchgeführt werde, heißt es in dem Urteil.

Die Entscheidung ist auch im Fall der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin für zahlreiche Reisende von Eurowings von Bedeutung: Die Lufthansa-Tochter hat im Rahmen einer Wet-Lease-Kooperation Flugzeuge von Air Berlin einschließlich des gesamten Flugbetriebs mit Crews und Wartung angemietet und bedient mit der Air-Berlin-Tochter Niki etwa die Strecke nach Mallorca. Vom sogenannten wilden Streik bei Air Berlin waren daher in den vergangenen Tagen auch zahlreiche Flüge von Eurowings betroffen.