ICE und TGV - Siemens und Alstom wollen Zuggeschäfte zusammenlegen ICE-Hersteller Siemens und der französische Konzern Alstom wollen im Mobilitätsgeschäft zusammenarbeiten. Das gemeinsame Unternehmen soll sich so besser gegen die Konkurrenz aus China behaupten. © Foto: Maya Vidon/dpa

Siemens und Alstom wollen im Mobilitätsgeschäft zusammenarbeiten. Dazu unterzeichneten der ICE-Hersteller aus Deutschland und der französische Konkurrent eine Absichtserklärung für eine "Fusion unter Gleichen", wie es in einer gemeinsamen Mitteilung der Konzerne heißt.

Die Hauptzentrale des neuen Unternehmens soll sich im Großraum Paris befinden, die Zentrale für Mobilitätslösungen in Deutschland. Frankreich soll zudem die Zentrale für Schienenfahrzeuge beheimaten. Zum Vorstandsvorsitzenden sei Henri Poupart-Lafarge, der Chef von Alstom, bestimmt worden. Siemens werde etwas mehr als 50 Prozent der Konzernaktien halten.

Siemens-Chef Joe Kaeser nannte den Zusammenschluss "ein starkes Signal": "Wir setzen die europäische Idee in die Tat um und schaffen gemeinsam mit unseren Freunden bei Alstom auf lange Sicht einen neuen europäischen Champion der Eisenbahnindustrie." Der Wettbewerbsdruck ist vor allem durch chinesische Konkurrenten groß. 2015 schlossen sich die beiden größten Zughersteller Chinas zusammen. Das dabei entstandene Unternehmen CRRC ist der größte Schienenfahrzeughersteller der Welt. Siemens und Alstom erklärten, die Transaktion vereine "zwei innovative Unternehmen der Bahnindustrie mit einzigartigem Kundenmehrwert".

Mit dem neu formierten Unternehmen zielen Siemens und Alstom auf einen Umsatz von mehr als 15 Milliarden Euro. Außerdem soll der Zusammenschluss – spätestens nach vier Jahren – für Einsparungen in Höhe von 470 Millionen Euro pro Jahr sorgen. Bei den beiden Konzernen sind weltweit rund 60.000 Mitarbeiter beschäftigt. Siemens und Alstom einigten sich mit Arbeitnehmervertretern auch auf Standortgarantieren und einen Kündigungsverzicht für vier Jahre.

Vertreter der IG Metall reagierten positiv auf den geplanten Zusammenschluss. IG-Metall-Vorstandsmitglied und Siemens-Aufsichtsrat Jürgen Kerner sprach von einer Chance und nannte die Fusion einen Schritt in Richtung einer neu aufgestellten europäischen Bahnindustrie. Auch Perspektiven für die Mitarbeiter seien entscheidend, sagte Kerner: "Wir erwarten vom neuen Unternehmen und dem Mehrheitseigentümer Siemens ein zukunftsweisendes Konzept für die Standorte in Europa, das diese langfristig ausrichtet und durch neue Produkte und Investitionen in eine sichere Zukunft führt."