Der Billigfluggesellschaft Ryanair ist wegen seiner vielen Flugstreichungen in die Kritik geraten. Die EU-Kommission mahnte die Iren, die europäischen Verbraucherrechte der Passagiere zu achten. Diese hätten bei der Absage eines Flugs eine Reihe von Ansprüchen, erinnerte ein Kommissionssprecher in Brüssel die Airline an ihre Verpflichtungen.

Ryanair hatte in der vergangenen Woche angekündigt, täglich bis zu 50 ihrer mehr als 2.500 Flüge zu streichen. Bis Ende Oktober wären das insgesamt rund 2.000 Verbindungen. Offizielle Begründung des Unternehmens: Man wolle die eigene Pünktlichkeit verbessern und müsse Urlaubsansprüche der Crews berücksichtigen. 

Doch gibt es Zweifel, ob die Begründung des Unternehmens tatsächlich stimmt. Statt einer verfehlten Personalplanung machen Insider eine verfehlte Personalpolitik und massenhafte Kündigungen von Piloten für die Flugstreichungen verantwortlich. "Ryanair-Mitarbeiter sagen uns, es werden Flüge gestrichen, weil Piloten das Weite suchen", sagte ein Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) der Mitteldeutschen Zeitung. Demnach hat Ryanair eine hohe personelle Fluktuation, weil sie niedrigere Gehälter zahlt als die Wettbewerber. "Viele Piloten versuchen, zu anderen Gesellschaften zu wechseln", sagte der Sprecher der Gewerkschaft. Ryanair habe daher angefangen, auch Piloten aus Südamerika anzuwerben.

Ryanair-Chef Michael O'Leary weiß nach eigenen Angaben um die Gefahren für das Image seines Unternehmens. Bei einem Statement in London verneinte er jedoch einen Personalengpass, auch wenn Konkurrenten um seine Piloten buhlen würden. Mit einem "Loyalitätsbonus" will das Unternehmen die Piloten bei sich behalten.

Ryanair-Chef bedauert das "heillose Durcheinander"

Als Reaktion auf die Kritik aus Brüssel kündigte das Unternehmen mehr Transparenz an: Am Dienstag will die Airline eine Liste mit allen gestrichenen Verbindungen bis Ende Oktober veröffentlichen. Bislang hatte Ryanair auf seiner Internetseite nur diejenigen Flüge genannt, die bis Mittwochabend nicht abheben. Kunden beschwerten sich daraufhin in sozialen Netzwerken darüber, dass sie nicht wüssten, ob sie auch zurückkämen, wenn ihr Hinflug stattfindet.

O'Leary entschuldigte sich nun für das "heillose Durcheinander". Seinen Angaben nach seien derzeit zwei Prozent der Passagiere von den Ausfällen betroffen.

Nach einschlägigen EU-Regeln aus dem Jahr 2004 müssen Fluglinien ihre Kunden mindestens zwei Wochen vor Abflug über eine Streichung informieren. Ist die Frist kürzer, müssen sie den Passagieren eine neue Verbindung anbieten. Je weniger Zeit bis zum gebuchten Abflug bleibt, desto weniger Spielraum hat die Airline: Werden Kunden weniger als sieben Tage vorher unterrichtet, darf der Ersatzflug nicht mehr als eine Stunde früher abgehen und nicht mehr als zwei Stunden später ankommen als die ursprünglich gebuchte Verbindung.

Schafft die Fluglinie das nicht, muss sie den Kunden entschädigen, wie die EU-Kommission klarstellte. Man erwarte, dass sich Ryanair daran halte, sagte der Sprecher. Für die Durchsetzung der Rechte zuständig seien aber nationale Behörden, in Deutschland das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig.