Die Zukunft von Air Berlin ist etwas klarer: Die insolvente Fluglinie wird voraussichtlich zu großen Teilen an die Lufthansa verkauft, sie will 81 Flugzeuge übernehmen und will etwa 3.000 Air-Berlin-Mitarbeiter neu einstellen. Voraussetzung ist, dass Mit Easyjet wird weiter verhandelt. Die wichtigsten Antworten zum Ende von Air Berlin

Was wird aus dem Flugplan?

Air Berlin hat in den vergangenen Wochen trotz des Übergangskredits der Bundesregierung über 150 Millionen Euro immer wieder Flüge gestrichen. Bereits seit Ende September war zudem klar, dass am 15. Oktober keine Langstreckenverbindungen mehr bedient werden. Am 28. Oktober wird schließlich auch der Flugverkehr auf der Kurzstrecke komplett eingestellt werden. Insgesamt sind davon etwa 200.000 Kunden betroffen. Dann wird Air Berlin keine Flüge mehr unter eigenem Code anbieten, sondern nur noch als Dienstleister für den oder die Käufer agieren, bis die EU-Wettbewerbshüter den Verkauf geprüft haben.

Was passiert mit bereits gebuchten Tickets?

Auf den Zeitpunkt kommt es an: Wurden die Verbindungen vor dem 15. August gebucht, besteht keine Chance auf eine Erstattung. An dem Tag meldete Air Berlin Insolvenz an. Betroffene können ihre Ansprüche jedoch beim Insolvenzverwalter geltend machen. Wahrscheinlich ist aber, dass es keine oder allenfalls geringe Entschädigungen geben wird. Bedient werden zunächst die Forderungen der Großgläubiger.

Tickets, die nach diesem Termin gekauft werden, sollen dagegen erstattet werden, sofern sie von einer Stornierung betroffen sind. Von den etwa 100.000 Buchungen auf der Kurzstrecke trifft dies laut Air Berlin allerdings nur auf etwa 10.000 Tickets zu. Betroffene können die Forderung über die Webseite von Air Berlin stellen.

Besonders betroffen sind Kunden, deren Air-Berlin-Hinflug noch ausgeführt wird, deren Rückflug aber ausfällt. Diese müssen sich auf eigene Kosten um einen One-Way-Rückflug bemühen. Die Lufthansa hat angekündigt, auf betroffenen Verbindungen eigene Flüge zu "fairen Preisen" anbieten zu wollen – sofern man Kapazitäten habe. Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es gehe. Details seien noch nicht ausgearbeitet.

Verbraucherschützer fordern von der Lufthansa, bereits bezahlte Air-Berlin-Tickets ohne Aufpreis zu akzeptieren. "Rechtlich ist die Lufthansa wegen des Insolvenzverfahrens dazu wohl nicht verpflichtet, aber es wäre eine sehr freundliche und kulante Geste",  sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV) Müller dem Tagesspiegel.

Was gilt für Pauschalreisen?

Wurde ein Air-Berlin-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht, müssen die Anbieter wegen des ausgestellten Sicherungsscheins für einen Ersatzflug sorgen oder die Kosten erstatten. In diesem Fall sollte man sich  direkt an das Unternehmen wenden, über das die Reise gebucht wurde. Unternehmen sind in der Regel für einen solchen Fall versichert.

Dies gilt allerdings nicht, wenn nur der Flug über ein Reisebüro gebucht wurde. Dann tritt der Anbieter nur als Vermittler auf. Geprüft werden muss in einem solchen Fall aber, ob das Reisebüro nicht ganze Flugkontingente erworben hat. Dann wäre es mehr als ein bloßer Vermittler.

Was macht die Lufthansa?

Der Konzern hat angekündigt, dass man noch mindestens ein halbes Jahr improvisieren müsse, bis ein reibungsloser Flugplan gewährleistet werden könne. "Wir werden das hinbekommen", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Piloten würden aus dem Urlaub geholt, auch würden weiter Flugzeuge organisiert, um in Deutschland alle Passagiere aufnehmen zu können.

Auch auf der Langstrecke will die Lufthansa die ausfallenden Verbindungen rasch ersetzen. So soll etwa die Strecke Berlin-New York angeboten und möglicherweise um eine zweite Langstrecke ergänzt werden.

Werden die Ticketpreise steigen?

Die Lufthansa beteuert, dass sie ihre neue Marktmacht nicht ausnutzen wird. Vielmehr werde man sich auf vielen Verbindungen mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen, sagte Konzernchef Spohr. Zudem werde der Wettbewerb in Europa und weltweit zunehmen. "Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus."

Sollte sich diese Ankündigung nicht bewahrheiten, könnte die Übernahme auch Auswirkungen auf den restlichen Fernverkehr in Deutschland haben. Steigende Flugpreise könnten sich auch auf das Preisgefüge bei der Bahn und bei Fernbusanbietern auswirken, die in den vergangenen Jahren immer stärker unter dem Druck von günstigen, aber ökologisch fragwürdigen Niedrigpreisen für Kurzstreckenflüge stehen.

Der Luftverkehrsberater Gerald Wissel erwartet in jedem Fall eine vertiefte kartellrechtliche Überprüfung durch die EU-Kommission. Dabei würden die Marktverhältnisse auf einzelnen Strecken überprüft. Es könne dann gut sein, dass Lufthansa Start- und Landerechte (Slots) auf einzelnen Verbindungen freigeben müsse und diese dann an Konkurrenten verteilt würden.