Die britische Fluggesellschaft Easyjet kauft Teile des insolventen Unternehmens Air Berlin. Die Vereinbarung sieht die Übernahme von 25 Flugzeugen vor, die bislang zur Air-Berlin-Flotte gehörten, wie Easyjet mitteilte. Damit steigt die britische Fluggesellschaft in den Flugbetrieb in Tegel ein, bisher war das Unternehmen nur in Schönefeld aktiv.

Die Maschinen vom Typ A320 waren geleast, Easyjet will nach eigenen Angaben ebenfalls Leasingverträge abschließen. Für das Geschäft, das im Dezember in Kraft treten soll, wird Air Berlin 40 Millionen Euro erhalten. Außerdem will der britische Billigflieger Mitarbeitern des Flugpersonals des insolventen Unternehmens Arbeitsplätze anbieten. Bis zu 1.000 Piloten und Flugbegleitern sollen Stellen bei Easyjet angeboten werden. Die neuen Mitarbeiter würden "in den kommenden Monaten eingestellt", auf der Grundlage von mit der Gewerkschaft ver.di ausgehandelten Tarifverträgen, teilte Easyjet mit.

Zuvor hatte Lufthansa bekannt gegeben, große Teile von Air Berlin zu übernehmen. Die größte deutsche Fluglinie hatte sich 81 Maschinen des insolventen Unternehmens gesichert.

Letzter Flug von Air Berlin

Nach fast vier Jahrzehnten verschwindet Air Berlin vom Flugplan. Die insolvente Airline verabschiedete sich vor ihrer letzten geplanten Landung von ihren Kunden. "Air Berlin bedankt sich an diesem traurigen Tag bei allen Mitarbeitern, Partnern und Passagieren, die uns über die vielen Jahre ihr Herz und ihre Treue geschenkt haben", teilte das Unternehmen mit. Am späten Donnerstagabend startete von München der Flug AB 6210 nach Berlin-Tegel – der offiziell letzte Flug von Air Berlin.

Air Berlin hatte einem Unternehmenssprecher zufolge zuletzt im Durchschnitt noch 250 Verbindungen täglich im Programm. Vor dem Insolvenzantrag Mitte August seien es täglich etwa 450 gewesen. Nun stellt die Fluggesellschaft ihren eigenen Flugbetrieb unter AB-Flugnummern ein. Innerhalb weniger Wochen könne man aber voraussichtlich alle freien Slots für weitere Flüge vergeben, sagte der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg, Engelbert Lütke Daldrup. Für Langstreckenverbindungen von und nach Berlin werde es aber erst einmal schwieriger.

Air Berlin - Ehrenrunde sorgt für Diskussionen Auf seinem letzten Langstreckenflug war ein Air-Berlin-Pilot am Montag in Düsseldorf noch mal durchgestartet. Das Luftfahrtbundesamt prüft den Fall. © Foto: Reuters TV

Der langjährige Air-Berlin-Chef Joachim Hunold bedauerte das Ende für das von ihm aufgebaute Unternehmen. "Es ist eine tiefe Traurigkeit in mir", sagte Hunold vor dem letzten Flug der Fluglinie. "Ein Lebenswerk geht zu Ende." Er war auf dem Weg von München nach Berlin mit an Bord, das sei "Ehrensache".

Air Berlin hatte schon in der 20-jährigen Amtszeit Hunolds bis 2011 hohe Schulden angehäuft. Seine Nachfolger konnten die Zahlungsunfähigkeit schließlich nicht mehr abwenden. Mitte August musste das Unternehmen nach mehreren Sanierungsversuchen Insolvenz anmelden. Jeder Manager mache Fehler, sagte Hunold. Er mache sich keine Sorgen um die Zukunft der Air-Berlin-Mitarbeiter, weil sie bei der Fluggesellschaft gelernt hätten, zu kämpfen.

4.000 Mitarbeitern droht die Kündigung

Seit ihrem Erstflug 1979 hat die Airline nach eigenen Angaben mehr als eine halbe Milliarde Passagiere befördert. Air Berlin war nach Lufthansa die zweitgrößte deutsche Fluglinie. Nun wird der Konzern zerschlagen. Die Lufthansa will die beiden Töchter Niki und LGW sowie weitere 20 Jets übernehmen, sofern die Kartellbehörden zustimmen. Niki und LGW sind nicht insolvent und fliegen weiter. Über die Übernahme weiterer Unternehmensteile wird unter anderem mit der britischen Fluggesellschaft Easyjet und dem Ferienflieger Condor verhandelt.

Bis zu 4.000 Mitarbeitern von Air Berlin droht die Kündigung. Gespräche zu einer Übergangslösung mittels einer großen Transfergesellschaft für alle Beschäftigten scheiterten in dieser Woche. Die Gesellschaft sollte die Air-Berlin-Beschäftigten zunächst vor der Arbeitslosigkeit bewahren und den Übergang in neue Jobs erleichtern. Dafür wären bis zu 50 Millionen Euro benötigt worden, Air Berlin wollte selbst zehn Millionen Euro einzahlen.

Air Berlin gehe davon aus, dass die Fluggesellschaft 70 bis 80 Prozent der Arbeitsplätze überleiten könne, sagte der Generalbevollmächtigte im Insolvenzverfahren bei Air Berlin, Frank Kebekus, im ZDF-Morgenmagazin. Er hoffe, bei den Verhandlungen in den kommenden Tagen Vollzug melden zu können. Trotz der ungewissen Zukunft vieler Beschäftigter sehe er auch für die nicht übernommenen Mitarbeiter gute Chancen.

3.000 Mitarbeiter sollen zu Eurowings

Bis zu 3.000 Mitarbeiter sollen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings unterkommen. Davon sollen rund 1.700 Mitarbeiter mit Niki und LGW direkt übernommen werden, auf die anderen 1.300 Stellen können sich Interessenten bewerben. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit kritisierte, statt eines geregelten Übergangs gebe es für viele Mitarbeiter nur die Möglichkeit, sich erneut "auf ihre eigenen Jobs, aber zu schlechteren Konditionen" zu bewerben. Das sei nicht nachvollziehbar.

Mit Eurowings einigte sich die Gewerkschaft am Freitag gleichzeitig auf einen Tarifvertrag über die Einstellungsbedingungen für die Einzelbewerber. Ähnliche Verträge hatten bereits die Gewerkschaften ver.di und Ufo für das Kabinenpersonal unterzeichnet. Die Verträge regeln nur die Standards bei individuellen Einstellungen und sind nicht mit einem regulären Betriebsübergang zu verwechseln.