Carsten Spohr mag heute wie ein Sieger aussehen. Und natürlich ließ es sich der Lufthansa-Chef nicht nehmen, als Erstes den erfolgreichen Deal mit Air Berlin zu verkünden: Insgesamt 81 Flieger und 3.000 Mitarbeiter werden von der insolventen Fluglinie zur Lufthansa wechseln. Und es sagt viel über die Machtverhältnisse in den Verhandlungen aus, wenn ausgerechnet der Käufer Lufthansa den Deal bestätigt – und nicht Air Berlin, deren Insolvenzverwalter oder die Regierung, die mit einem 150-Millionen-Euro-Kredit eingesprungen ist.  

"Wir werden heute einen echten Meilenstein sehen in der Geschichte von Lufthansa und Air Berlin", sagte Konzernchef Spohr. Das Problem ist jedoch: Er feiert einen Scheinsieg. Denn der lange angebahnte Aufkauf wird vor allem Verlierer schaffen – bei den Fluggästen, den Mitarbeitern und auch der Lufthansa selbst.

Zunächst das Offensichtliche: Für die deutschen Kunden wird der Deal vor allem steigende Ticketpreise bedeuten. Denn durch den Wegfall des einzigen Konkurrenten auf vielen innerdeutschen Strecken wird die Lufthansa zum Quasi-Monopolisten. Wer bald von München nach Köln fliegen will, wird nur scheinbar eine Wahl haben: Eurowings oder Lufthansa? Beide gehören zum selben Konzern.

Marktanteil Lufthansa: 96 Prozent

Insofern ist es schlicht gelogen, wenn Lufthansa-Chef Spohr – noch vor der offiziellen Bekanntgabe der Übernahme – ankündigt, auf solchen Strecken werde kein Monopol entstehen. Schließlich werde man sich ja selbst Konkurrenz machen: Wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, kämen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu. Das ist in etwa so, als würde die Deutsche Bahn ihre Konkurrenzlosigkeit mit dem Hinweis rechtfertigen, ihre Gäste könnten ja auf vielen Strecken zwischen ICE und IC wählen. 

Laut Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beträgt der Anteil der Lufthansa an innerdeutschen Flügen 72 Prozent. Eine Rechnung des DLR zeigt: Eine komplette Übernahme von Air Berlin würde die Marktmacht der Lufthansa auf 96 Prozent ausbauen. Und daran werden auch die bis zu 30 Flieger aus dem Air-Berlin-Erbe wenig ändern, um die Konkurrent EasyJet noch feilscht – sie werden wohl vor allem auf internationalen Strecken eingesetzt.

Die Preise müssen durch Steuern steigen – nicht durch Monopole

Im Prinzip ist es zwar eine richtige Entwicklung, wenn die Preise auf dem Ryanair-geschädigten Flugmarkt wieder steigen. Dumping-Angebote von 9,99 Euro für eine Verbindung von Köln nach Berlin lassen sich angesichts der enormen CO2-Ausstöße der Flieger nicht vernünftig rechtfertigen. Es gibt kein Grundrecht auf Billigfliegen. Allerdings sollte die Regierung den notwendigen Preisanstieg nicht durch eine Re-Etablierung des Lufthansa-Monopols forcieren – sondern durch höhere Steuern, etwa auf Kerosin. Im Gegensatz zu Benzin verdient der Staat hierbei nämlich bislang keinen Cent.

Auch die 3.000 Mitarbeiter, die nach der Übernahme ihren Job behalten sollen, können wahrscheinlich kaum erkennen, wieso Lufthansa-Chef Spohr von einem Meilenstein in der Geschichte von Air Berlin spricht. Denn der viel zitierte Wortlaut, wonach die Lufthansa Air Berlin übernehmen will, ist nur halb wahr: Eigentlich wird Eurowings den Großteil der Flieger und damit des Personals bekommen.