Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin kann aus eigenen Mitteln den Flugbetrieb nur noch bis Monatsende aufrechterhalten. "Ein eigenwirtschaftlicher Flugverkehr im eröffneten Insolvenzverfahren ist nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich", teilte das Unternehmen mit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter werde weitergeführt. An beiden Marken ist die Lufthansa interessiert.

Air Berlin ist seit Mitte August pleite. Der Konzern verhandelt noch bis zum 12. Oktober mit Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet exklusiv über den Kauf von Teilen der Fluggesellschaft. Nach Abschluss der Kaufverträge müsse Air Berlin aus insolvenzrechtlichen Vorgaben "die eigene Geschäftstätigkeit Zug um Zug beenden".

Am Montag begannen Verhandlungen über einen Sozialplan für Mitarbeiter, denen die Kündigung droht. Die Geschäftsleitung stellte Jobangebote im Intranet zusammen. Zudem waren am Standort Berlin vom 10. und 13. Oktober Jobmessen geplant. Auch die Stadt Berlin hatte angekündigt, Air-Berlin-Mitarbeitern Stellen anzubieten – etwa in der Verwaltung.

Die dürften für die Piloten der Airline eher nicht in Frage kommen. Nach Einschätzung der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit haben sich bislang erst sehr wenige Piloten der insolventen Airline einzeln bei anderen Fluggesellschaften beworben. "Wir schätzen, dass von den 1.250 Kollegen vielleicht 20 bis 50 diesen Schritt gegangen sind", sagte VC-Sprecher Markus Wahl.

Pilotengewerkschaft steckt Ziele für Sozialplan ab

Der Betriebsrat wolle bei den Sozialplanverhandlungen weiterhin kollektive Übergangsregeln erreichen, um soziale Gesichtspunkte zu berücksichtigen, sagte der Gewerkschafter. Nur so könne eine "Rosinenpickerei" der aufnehmenden Gesellschaften verhindert werden, die ansonsten besonders alte, teure oder aufmüpfige Piloten nicht einstellen würden. Die VC wolle beispielsweise erreichen, dass Familienväter und -mütter gegenüber Singles bevorzugt würden.

Die Sozialplanverhandlungen kämen aus seiner Sicht "zwar reichlich spät", seien aber dennoch zu begrüßen, sagte Wahl. "Natürlich ist die VC auch zu kurzfristigen Gesprächen bereit." Darüber hinaus müssten mit den aufnehmenden Gesellschaften – nach Lage der Dinge wahrscheinlich die Eurowings und Easyjet – Gespräche über die Eingliederung der Air-Berlin-Piloten geführt werden. Hier gehe es um die Anerkennung der dienstlichen Erfahrung ebenso wie um die Funktionen als Kapitän oder Co-Pilot.


Mit der Easyjet sei man bislang über ein einleitendes Gespräch nicht hinausgekommen, und auch bei der Eurowings hat die VC den angestrebten "Tarifvertrag Wachstum" noch nicht abgeschlossen. Die Lufthansa-Tochter wirbt derzeit um neue Piloten und Flugbegleiter – ausdrücklich auch aus den Reihen der Air Berlin.

Die bisher zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft mit mehr als 8.000 Beschäftigten hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten, sprang der Bund mit einem 150-Millionen-Euro-Kredit ein. Bis zum 12. Oktober soll feststehen, wer große Teile des Flugbetriebs übernehmen kann.