Der Fluggesellschaft Air Berlin droht kurz nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens das Geld auszugehen. Die verfügbaren Mittel reichten voraussichtlich nicht aus, um die sogenannten Masseverbindlichkeiten – abgesehen von den Kosten des Verfahrens – zu decken, teilte Sachwalter Lucas Flöther mit. Zu diesen Masseverbindlichkeiten zählen unter anderem alle finanziellen Verpflichtungen, die Air Berlin nach dem Insolvenzantrag Mitte August eingegangen ist. Darunter ist auch der 150 Millionen Euro schwere Überbrückungskredit der Bundesregierung. Das Bundeswirtschaftsministerium und Air Berlin zeigten sich aber zuversichtlich, dass die Summe letztlich voll an den Staat zurückfließen werde.

Ein insolventes Unternehmen kann in den meisten Fällen nicht alle Forderungen der Gläubiger bedienen, meist reicht das Geld jedoch für die Masseverbindlichkeiten. Damit sind hauptsächlich die Schulden gemeint, die nach der Insolvenzanmeldung entstehen, wie beispielsweise die Kosten des Insolvenzverfahren an sich, Lohnkosten oder – wie im Fall von Air Berlin – der Kredit über 150 Millionen Euro von der Bundesregierung. 

Die Masseverbindlichkeiten werden in der Insolvenz vorrangig und direkt aus der Vermögensmasse bezahlt. Das soll dafür sorgen, dass Kunden und Lieferanten sich nicht sofort nach der Insolvenz zurückziehen. Kann ein Unternehmen diese Verbindlichkeiten nicht bezahlen, zeigt der Insolvenzverwalter eine "Masseunzulänglichkeit" an, in der Branche auch "Insolvenz in der Insolvenz" genannt.

Die Bundesregierung hatte Air Berlin im August einen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro gewährt, damit das Unternehmen den Flugbetrieb bis Ende November weiterführen kann. Das Geld sollte vor allem aus den Verkaufserlösen zurückbezahlt werden, die auf 250 Millionen Euro beziffert wurden. Ob und wie viel die Käufer Lufthansa und Easyjet davon bereits bezahlt haben, ist nicht bekannt. Die Kartellbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen. Lufthansa hat den Deal bei der EU-Kommission angemeldet und rechnet mit einer Entscheidung im Dezember.

Der Kredit war umstritten, Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte die Staatshilfe beispielsweise als indirekte illegale Hilfe für die Lufthansa kritisiert. Die EU-Kommission hatte den Kredit daraufhin gebilligt, allerdings unter Voraussetzungen: Der Kredit sollte nur in Tranchen ausbezahlt werden, außerdem müsse die Bundesregierung sicherstellen, dass der Kredit vollständig zurückgezahlt oder ein Abwicklungsplan vorgelegt werde.