Trotz Quotenvereinbarungen und freiwilligen Selbstverpflichtungen sind Frauen an der Spitze von Unternehmen in der deutschen Privatwirtschaft noch immer unterrepräsentiert. So gab es im vergangenen Jahr lediglich 26 Prozent weibliche Führungskräfte in der obersten Leitungsebene – nur zwei Prozent mehr als 2004. Dies ergab eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), für die in einer repräsentativen Umfrage rund 16.000 Betriebe befragt wurden.

Frauen an der Spitze kleinerer Betriebe

"Betriebe engagieren sich zwar zunehmend im Bereich personalpolitischer Maßnahmen zur Gleichstellung von Männern und Frauen", heißt es in der Studie. "Die gezielte Förderung von Frauen, insbesondere zur Vorbereitung auf Führungsaufgaben, ist aber nach wie vor selten zu finden." Fünf Prozent der Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten verfügen demnach über Mentoringprogramme, Frauenförderpläne oder Zielvereinbarungen zur Erhöhung des Anteils.

Zumindest in einigen Bereichen konnten solche Programme fruchten: So erhöhte sich der Anteil von Frauen auf der zweiten Führungsebene zwischen 2004 und 2016 von 33 auf 40 Prozent. Auch kleinere Betriebe werden nach IAB-Angaben häufiger von Frauen geführt als große: In Großbetrieben mit mindestens 500 Beschäftigten lag deren Anteil in der ersten Führungsebene bei 13 Prozent, in Firmen mit zehn bis 49 Beschäftigten waren es 24 Prozent und in Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern 28 Prozent.

Überraschendes aus dem Öffentlichen Sektor

Am häufigsten sind Chefinnen laut der IAB-Studie in Dienstleistungsbereichen wie Gesundheit, Erziehung und Unterricht zu finden – allerdings meist ebenfalls nur auf der zweiten Führungsebene. Dort liegt der Frauenanteil bei 71 Prozent. Chefärztinnen, Krankenhausleiterinnen, Schulrektorinnen findet man dagegen deutlich seltener. Auf der obersten Führungsebene beträgt der Frauenanteil lediglich 46 Prozent.

Große Unterschiede fanden die Forscher auch zwischen Ost- und Westdeutschland. Dabei gilt generell, dass der Anteil von Frauen im Osten höher ist als im Westen. So finden sich auf der ersten und zweiten Führungsebene ostdeutscher Unternehmen 30 beziehungsweise 47 Prozent, im Westen 25 beziehungsweise 39 weibliche Vorgesetzte. Zum Vergleich: Der Beschäftigtenanteil von Frauen beträgt in Ostdeutschland 48 Prozent, in Westdeutschland 43 Prozent.

Eine Überraschung für die Forschenden war der öffentliche Sektor. Obwohl dort bereits seit vielen Jahren die Quote greift, ist der Frauenanteil sogar noch gesunken: von 38 Prozent im Jahr 2012 auf 34 Prozent im vergangenen Jahr.