Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sieht einen möglichen Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt kritisch. Norbert Portz, Städtebauexperte des Kommunalverbands, sagte der Welt am Sonntag, ein Zusammenschluss sei eine Riesengefahr. "Damit droht ein großer Brocken aus dem Mosaik des Innenstadtbilds herauszubrechen", sagte Portz. 

Der Karstadt-Eigentümer René Benko hatte dem kanadischen Kaufhof-Mutterkonzern HBC Anfang November ein Übernahmeangebot von schätzungsweise drei Milliarden Euro gemacht. HBC sprach in einer Börsenmitteilung von einem nicht bindenden Angebot, dessen Finanzierung nicht belegt sei.

Die Übernahme von Kaufhof durch Karstadt würde den Schlusspunkt in der Konsolidierung der deutschen Warenhauslandschaft setzten. Wo einst Karstadt, Kaufhof, Hertie und Horten um die Kundengunst kämpften, bliebe nur noch ein Anbieter übrig. Er hätte möglicherweise bessere Chancen, sich gegen die Konkurrenz aus dem Internet, gegen moderne Einkaufscenter und Ketten wie H&M und Primark zu behaupten. "Es ist das Beste, was die schwächelnden Kaufhäuser noch machen können", sagte der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Doppelstandorte könnten wegfallen

Aus Sicht der Beschäftigten und Innenstädte ist ein mögliches Zusammengehen problematischer. Die Berufsgewerkschaft DHV, die zwei von drei Gewerkschaftsvertretern im Kaufhof-Aufsichtsrat stellt, lehnt eine Übernahme ab. "Aus unserer Sicht spricht gegen einen Zusammenschluss der Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen", sagte der für Kaufhof zuständige DHV-Geschäftsführer Alexander Henf der Wirtschaftswoche.

Für den Fall eines Zusammenschlusses ist für Jörg Funder, Professor am Institut für Internationales Handelsmanagement in Worms, jedes zweite der knapp 180 Häuser von Kaufhof und Karstadt vom Aus bedroht. Joachim Stumpf von der Handelsberatung BBE geht davon aus, dass etwa jedes dritte der derzeit noch rund 180 deutschen Warenhäuser früher oder später in der derzeitigen Form vor dem Aus steht.

Würden Kaufhof und Karstadt zusammengelegt, wären wohl eine Konzernzentrale und die damit verbundenen Arbeitsplätze überflüssig. Und auch bei den Kaufhäusern könnte es Schließungen geben – insbesondere dann, wenn in einer Stadt die Karstadt- und Kaufhof-Filialen in Sichtweite voneinander liegen. Neue attraktive Nutzer für die Immobilien zu finden, sei schwierig bis unmöglich, sagt der Städtebauexperte Norbert Porz. "Und es nützt auch nichts, wenn Billigläden einziehen."

Kaufhof leidet unter Umsatzrückgängen

Übernahmegerüchte gibt es schon länger. Unter anderem Benkos Signa-Holding hat sich in den vergangenen Jahren für eine Deutsche Warenhaus AG stark gemacht. Vor rund zwei Jahren unterlag Signa im Bieterrennen um den milliardenschweren Kaufhof-Erwerb aber gegen den kanadischen Handelskonzern. Doch HBC steckt wie die unter Verlusten und rückläufigen Umsätzen leidende deutsche Tochter Kaufhof schon länger in der Krise, zuletzt gab es Diskussionen über einen Sanierungstarifvertrag für die Mitarbeiter

Kürzlich hatten sich die Kanadier – kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft – von Konzernchef Jerry Storch getrennt. Zudem bekam die deutsche Tochter vor gut einer Woche einen neuen Chef. Der frühere Metro-Manager Roland Neuwald soll Galeria Kaufhof künftig leiten. Erste Aktionäre haben deshalb bereits gefordert, das Signa-Angebot ernsthaft zu prüfen. Dass nach dem Bekanntwerden der Offerte der Kurs der HBC-Aktie um neun Prozent in die Höhe schnellte, könnte dieser Forderung Nachdruck verleihen.