Die Pilotengewerkschaft Cockpit geht juristisch gegen die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin vor. Sie will einem Bericht zufolge verhindern, dass das im Frühjahr von der Air Berlin übernommene Dortmunder Tochterunternehmen Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) genutzt werde, um 13 Airbus-Jets inklusive der eingestellten Piloten an den Lufthansa-Ableger Eurowings weiterzugeben. Laut einem Bericht der Rheinischen Post werfen die Piloten Air Berlin vor, mit dem Verfahren gegen einen 2013 abgeschlossenen Tarifvertrag zu "Geschäftsfeldabgrenzung und Beschäftigungssicherung" zu verstoßen. Eine entsprechende Klage werde vorbereitet, sagte ein Sprecher der Pilotenvereinigung der Zeitung. 

In dem Papier sei festgelegt, dass fast alle Flüge mit mehr als 78 Passagiersitzen von Piloten von Air Berlin und nicht über Verbundairlines wie die LGW durchgeführt werden, zitiert die Zeitung aus dem Dokument. Die Grenze von 78 Passagiersitzen wurde gewählt, weil die LGW eine Reihe von Turboprop-Maschinen betreibt, die unter diese Grenze fallen. 

Unter den deutschen Billigfliegern zahlt Eurowings die niedrigsten Pilotengehälter, wie bereits im September Die Welt unter Berufung auf eine interne Studie der Pilotenvereinigung berichtete. Demnach könnten die Air-Berlin-Piloten nach einem Wechsel von ihrem insolventen Arbeitgeber zur Lufthansa-Tochter Eurowings mehr als 40 Prozent weniger verdienen als zuvor.

Das Unternehmen Air Berlin teilte mit, die Klage habe keine Erfolgschance. Der Tarifvertrag sei gegenstandslos, weil Air Berlin aufgrund der Insolvenz den Flugverkehr eingestellt habe. Darum sei es ein gutes Recht der LGW als eigenständiger Fluggesellschaft mit eigenem Tarifvertrag, nun Crews für die 13 Airbus-Maschinen anzuheuern, die Air Berlin auf die LGW übertragen habe.

Air Berlin - Mitarbeiter und Passagiere nehmen beim letzten Flug Abschied Am späten Freitagabend landete die letzte Maschine der insolventen Fluglinie Air Berlin auf dem Flughafen Tegel. Am Boden hatten sich ehemalige Mitarbeiter, Gewerkschafter und Flughafenpersonal versammelt. © Foto: dpa

Ob Mitarbeiterlöhne gezahlt werden, bleibe fraglich

Gut eine Woche nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens für Air Berlin ist unklar, ob alle Mitarbeiter ihre Gehälter ausgezahlt bekommen. "Ob wir die Ansprüche am Ende des Verfahrens ganz oder teilweise bedienen können, lässt sich noch nicht sicher sagen", sagte der Sachverwalter der Air-Berlin-Gläubiger, Lucas Flöther, der Süddeutschen Zeitung. Das könne den Mitarbeitern nicht garantiert werden. 

Air Berlin war nach Lufthansa seit dem Jahr 2003 die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft. Mit 1,5 Milliarden Euro verschuldet, musste das Unternehmen Mitte August Insolvenz anmelden. Der Flugbetrieb konnte dank eines 150 Millionen Euro umfassenden Überbrückungskredites des Bundes bis Ende Oktober aufrechterhalten werden. Das Darlehen läuft zum Jahresende aus.