Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung haben bei Volkswagen die Büros von Vorstand und Betriebsrat durchsucht. Betroffen seien die Büros von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, Finanzvorstand Frank Witter und Personalvorstand Karlheinz Blessing gewesen, teilte ein VW-Sprecher mit. Es seien Akten und Computer beschlagnahmt worden. Hintergrund seien angeblich überhöhte Zahlungen an Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Auch das Büro Osterlohs sei durchsucht worden. Im Mai war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig "ein Verfahren wegen des Anfangsverdachts der Untreue im Zusammenhang mit der Aufwandsentschädigung für Betriebsratstätigkeit" bei VW gestartet hatte. Dabei wird gegen Blessing, seinen Vorgänger Horst Neumann sowie gegen Martin Rosik, Personalchef der Marke VW, und dessen Vorgänger Jochen Schumm ermittelt. Osterloh selbst ist nach früheren Informationen nicht Ziel der Ermittlungen. Nach eigenen Angaben hat er Bezüge von bis zu 750.000 Euro im Jahr erhalten.

Eine Person mit Kenntnis des Vorgangs sagte, die Steuerfahnder gingen mit der Durchsuchung erneut dem Verdacht der Steuerhinterziehung nach. Denn bei einer zu hohen Vergütung für den Betriebsratschef könnte VW zu hohe Betriebsausgaben angesetzt und damit zu wenig Steuern gezahlt haben.

Der VW-Betriebsrat hatte im Mai mitgeteilt, er halte das Vorgehen des Konzerns für rechtens. Die Vergütung Osterlohs entspreche dem Betriebsverfassungsgesetz. Schon vor Monaten habe ein externer Sachverständiger die Bestimmung der Bezüge von Betriebsratschef Bernd Osterloh überprüft. Die Eingruppierung Osterlohs sei demnach korrekt erfolgt. Osterloh werde vergleichbar zu Bereichsleitern vergütet. "Hätte er zuletzt das Angebot, Personalvorstand des Konzerns zu werden, angenommen, wäre seine Vergütung heute um ein Vielfaches höher", sagte ein Sprecher des Betriebsrats. Stattdessen habe sich Osterloh dafür entschieden, sich weiterhin für die Belegschaft einzusetzen.

Die Höhe der Vergütung von Betriebsräten richtet sich gemäß dem Betriebsverfassungsgesetz nach ihren Aufstiegschancen. Das lässt den Unternehmen einen großen Spielraum. Osterloh, ein ehemaliger VW-Bandarbeiter, hatte in den vergangenen Jahren immer wieder abgelehnt, in das Management des Konzerns zu wechseln. Er hat einen Sitz im Präsidium des Aufsichtsrats und kann bei größeren Veränderungen sein Veto einlegen. Damit gilt er als einer der einflussreichsten Akteure bei Volkswagen.