Angesichts von Vorwürfen der Preistreiberei hat Brigitte Zypries die Lufthansa verteidigt. Es gebe viel ungerechtfertigte Kritik an dem Unternehmen, manchmal sogar eine Art "Lufthansa-Bashing", sagte die geschäftsführende Wirtschaftsministerin. Sie sprach von einer "verdrehten Diskussion". Niemand habe ein Interesse daran, dass 80 Flugzeuge lange Zeit am Boden stehen und nicht fliegen dürften. Das verknappe das Angebot und verteuere die Preise. Solange die Kartellprüfungen noch liefen, dürften die Flieger aber nicht genutzt werden. "Da kann die Lufthansa nichts dafür."

Nach der Pleite von Air Berlin und der vereinbarten Übernahme von großen Teilen durch Lufthansa, hatten sich viele Kunden über erhöhte Ticketpreise beschwert. Lufthansa begründete die höheren Preise mit einer gestiegenen Nachfrage. Das Bundeskartellamt kündigte daraufhin an, die Preispolitik zu überprüfen.

Ohne Air Berlin sind derzeit deutlich weniger Flugzeuge auf innerdeutschen Linien unterwegs als zuvor. Bevor Lufthansa viele Air-Berlin-Flugzeuge übernehmen und damit das Angebot wieder vergrößern könnte, muss die EU-Kommission den Plänen zustimmen. Die Behörde prüft bis zum 21. Dezember, ob Wettbewerbsverzerrungen oder Nachteile für Verbraucher entstehen könnten. Sollte sich die EU-Kommission für eine vertiefte Prüfung des Kartellantrags entscheiden, würde das den Prozess um weitere 90 Arbeitstage verlängern.

Zypries hofft auf zügige Entscheidung der EU-Kommission

"Die EU-Kartellbehörde prüft natürlich unabhängig", sagte Zypries. Im Sinne der Beschäftigten wünsche man sich aber, dass dies möglichst zügig vonstattengehe und am Ende eine gute und wettbewerbssichernde Lösung stehe. Sie hoffe, dass es am 21. Dezember eine Entscheidung gebe.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte 1.000 neue innerdeutsche Flüge pro Monat angekündigt, sobald die EU-Wettbewerbsbehörde die Übernahmepläne genehmigt hat. Dann würden sich auch die Preise wieder stabilisieren.

Der deutsche Marktführer will mit den Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210 Millionen Euro einen erheblichen Teil des Flugbetriebs von Air Berlin mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Der Lufthansa-Konzern hatte im EU-Kartellverfahren Zugeständnisse gemacht, um die Air-Berlin-Tochter Niki übernehmen zu dürfen. So hatte die Lufthansa angekündigt, auf Start- und Landerechte zu verzichten.