Die Supermarktkette Real will Produkte mit Bezug zum Nationalsozialismus aus seinem Onlineshop löschen. "Das Team des Real-Onlineshops arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, weitere potenzielle Artikel dieser Art von Drittanbietern zu identifizieren, um diese ebenfalls aus dem Angebot zu entfernen", teilte Unternehmenssprecher Markus Jablonski mit. Das Unternehmen bitte die Kunden um Entschuldigung.

Twitter-Nutzer hatten zuvor Hinweise auf Wehrmachtsdevotionalien und andere Artikel mit verharmlosenden Bezug zum Nationalsozialismus veröffentlicht, die bei Real angeboten wurden. Darunter war unter anderem ein Totenkopf-Aufnäher mit Stahlhelm. Teilte man den Produktlink in sozialen Netzwerken, erschien eine verherrlichende Vorschaubeschreibung, in der es hieß: "Auch nach dem Tod kämpft dieser Schädel noch für die Ideale des 'Dritten Reichs', wobei er immer noch einen Helm der Wehrmacht in den Farben von Deutschland trägt. Mit diesem Aufnäher können Sie deutlich machen, dass Ihnen einige Ideen aus dieser Zeit auch heute noch gefallen."

Viele Nutzer empörten sich über den Verkauf der Produkte und warfen dem Unternehmen vor, das Angebot nicht gut genug zu überprüfen. Der bayerische Grünen-Lokalpolitiker Sebastian Hansen kündigte eine Strafanzeige an. "Ich erwarte von Real, dass sie keine Wehrmachtsmemorabilia verkaufen oder ihren Marketplace dafür zur Verfügung stellen", sagte er. Solche Produkte förderten den gesellschaftlichen Rechtsruck und führten zur Verherrlichung der Verbrechen der Wehrmacht.

"Trotz bereits umfangreicher vorhandener Sicherheitsmaßnahmen, mussten wir jedoch zu unserem großen Bedauern feststellen, dass sich im Angebot Dritter auch Artikel befinden, die die Vorgänge in der Zeit des Nationalsozialismus verherrlichen und als Fanartikel angeboten werden", teilte die Supermarktkette dazu mit. Real distanziere sich vom Angebot und Verkauf der Waren und habe sie aus dem Angebot des Onlineshops entfernt.

Bekannte Probleme mit Produkten von Drittanbietern

Der Aufnäher, eine Nachbildung eines Afrikakorps-Tropenhelms mit schwarz-weiß-roter Flagge des Deutschen Reichs sowie ein Wehrmachtsgürtel und ein Feldkochbuch sind mittlerweile nicht mehr erhältlich. Online ist aber noch ein Kalender "Zweiter Weltkrieg 2018", der mit "kaum bekannten Farbfotos" der Wehrmacht beworben wird, sowie unter anderem ein Buch, dass den Völkermord an den Herero in Namibia durch die deutsche Kolonialmacht im damaligen Deutsch-Südwestafrika zwischen 1904 und 1908 als Lüge widerlegen will. Das Auswärtige Amt bezeichnet die Verbrechen seit 2015 als Völkermord.

Alle Artikel wurden nicht von Real selbst vertrieben, sondern von Drittanbietern. Der überwiegende Teil von aktuell rund 12 Millionen Produkten im Onlineshop werde von solchen Marktplatzhändlern angeboten, sagte ein Unternehmenssprecher. Ähnliche Systeme mit Plattformen für kleinere Drittanbieter gibt es bei Amazon oder eBay. Auch dort werden ähnliche oder die gleichen Produkte mit Bezug zur Wehrmacht und NS-Zeit verkauft.

Laut den Richtlinien für Versandpartner verbietet Real den Verkauf von Propagandamaterial, Produkten mit Kennzeichen verbotener und verfassungswidriger Organisationen sowie gewaltverherrlichendes, volksverhetzendes, diskriminierendes Material. Um verbotene Produkte herauszufiltern, nutze das Unternehmen eine schwarze Liste mit bestimmen Wörtern und Wortverbindungen, sagte Sprecher Jablonski. Ob diese Suchwörter möglicherweise angepasst werden müssten, werde nun geklärt. Außerdem überprüften Mitarbeiter stichprobenartig Händler und Produkte und entschieden über eine Löschung von Fall zu Fall.