Worum geht es bei dem Streik?

Der Warnstreik am Freitagmorgen war die erste solche Aktion in der über 30-jährigen Geschichte der Fluglinie Ryanair. Initiiert hat ihn die Vereinigung Cockpit. Kern des Konflikts: Ryanair hat sich bislang geweigert, Gewerkschaften ins Unternehmen zu lassen. Deshalb gibt es bei dem Konzern auch keine Tarifverträge, die Gehälter und Arbeitsbedingungen einheitlich regeln würden.

Das Geschäftsmodell der Billigfluglinie basiert auf möglichst niedrigen Kosten – Ryanair wird deshalb schon seit Jahren vorgeworfen, seinen Gewinn auf dem Rücken der Arbeitnehmer zu erwirtschaften. Ryanair hat zwar immer behauptet, dass seine Angestellten besser bezahlt würden als die der Konkurrenz. Aber ein Großteil seiner Mitarbeiter ist gar nicht direkt bei dem Unternehmen angestellt.

Wer versuchte, sich zu organisieren oder Kontakt zu Gewerkschaften aufzunehmen, riskierte offenbar lange Zeit den Rauswurf. Um den Angestellten die Vernetzung zu ermöglichen, startete die International Transport Workers' Federation (ITF) deshalb im Jahr 2004 die Kampagne Ryan be fair.

Nun zeigt der jahrelange Druck der Gewerkschaften erste Wirkung. In Irland werden sich Anfang Januar  Vertreter von Ryanair und der Gewerkschaft Impact Trade Union treffen. In Deutschland bot das Unternehmen der Vereinigung Cockpit Gespräche ebenfalls im Januar an – weigerte sich aber dann, die von der deutschen Pilotengewerkschaft benannten Vertreter als Verhandlungspartner zu akzeptieren. Deshalb kam es zum Warnstreik.

Zwar hoben durch den Streik nur wenige Flieger verspätet ab. Die Vereinigung Cockpit war aber trotzdem zufrieden mit der Aktion: Die Gewerkschaft habe Ryanair zeigen wollen, dass die Piloten auch bereit sind, jetzt für ihre Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

Wo finden Passagiere Infos?

Informationen darüber, ob Flüge verspätet sind, gibt es auf der Website von Ryanair. Am Abreisetag können Passagiere dort den Status ihres Flugs checken – sortiert nach Abflugort oder Flugnummer. Für den Fall, dass jemand besonders schnell Hilfe braucht, empfiehlt das Unternehmen seinen Live-Chat im Netz, der werktags von 7 bis 21 Uhr, samstags von 9 bis 18 Uhr und an Sonntagen von 10 bis 18 Uhr besetzt sein soll. Auskunft geben im Internet auch die Flughäfen selbst, etwa die erste deutsche Ryanair-Zentrale Frankfurt-Hahn.

Was verlangen die Piloten?

Sie wollen, dass Ryanair endlich mit den Gewerkschaften über Gehälter und Arbeitsbedingungen verhandelt. Das fordert übrigens auch das Kabinenpersonal. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat Ryanair bereits Ende Oktober zu Tarifverhandlungen aufgefordert, "um sie zu einem fairen Wettbewerber zu machen, der zumindest Mindeststandards und grundlegende Arbeitnehmerrechte einhält".

Um überhaupt für Ryanair fliegen zu dürfen, müssen viele Piloten eine Art Ich-AG gründen und Verträge mit Verleihunternehmen abschließen. Die Zeitarbeitsunternehmen verleihen die Flugkapitäne dann weiter an Ryanair. Wegen dieses Modells ermittelt in Deutschland die Staatsanwaltschaft. Sie vermutet Sozialversicherungsbetrug.

Beim Kabinenpersonal sieht es ähnlich aus. Ver.di berichtete schon vor Jahren von unbezahlten Bereitschaftsdiensten, geringen Stundenlöhnen, die nur für die Zeit in der Luft gezahlt würden – nicht aber für Dienst am Boden oder im Fall von Verspätungen –, und Einsätzen in Leiharbeit statt der versprochenen Festanstellung. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gebe es nicht; die Stewardessen müssten ihre kurze Ausbildung selbst bezahlen.