In den Aufsichtsräten der rund hundert Unternehmen, die seit 2016 an die Frauenquote gebunden sind, ist der Frauenanteil auf durchschnittlich 30 Prozent gestiegen. Zu diesem Schluss kommt das sogenannte Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Es zeige sich, dass viele Firmen über das geforderte Minimum hinausgingen.

Anders sehe es in den Vorständen deutscher Unternehmen aus: Dort herrsche in dieser Hinsicht beinahe Stillstand. Das DIW analysierte die Struktur von mehr als 500 Unternehmen und stellte fest, dass in den 200 umsatzstärksten Firmen der Frauenanteil an der Spitze bei etwas mehr als acht Prozent verblieben ist. Nur bei den dreißig Dax-Unternehmen stieg er demnach um zwei Punkte auf 13 Prozent.

Die Frauenquote für Aufsichtsräte greife, "wie in anderen europäischen Ländern auch", sagte Elke Holst vom DIW. Wie sich an der Entwicklung in den Vorständen zeige, gehöre aber auch zur Wahrheit dazu, "dass ohne Druck und drohende Sanktionen offensichtlich fast nichts vorangeht". Für die Vorstände gibt es bislang keine verbindliche Quotenregelung. Unternehmen und Politik müssten nun zusammenarbeiten, um die Rahmenbedingungen für Frauen zu verbessern und ihnen Karrierechancen zu ermöglichen.

Aufholbedarf gibt es nach Ansicht des DIW besonders im Finanzsektor: Der Frauenanteil in den Vorständen und Aufsichtsräten der hundert größten Banken stieg 2017 zwar leicht auf knapp neun beziehungsweise 23 Prozent. Dagegen ging er in beiden Gremien der sechzig größten Versicherungen etwas zurück. Zwar seien im Finanzsektor mehr als die Hälfte aller Beschäftigten Frauen, "die hohen Führungspositionen haben jedoch weitgehend Männer inne", lautet das DIW-Fazit.

Auf dieser Grundlage mahnte Familienministerin Katarina Barley (SPD) neue Gesetze an. Ein Frauenanteil von unter zehn Prozent in den Vorständen der großen deutschen Banken sei "nicht hinnehmbar", sagte Barley dem Handelsblatt. "Dort, wo selbstgesetzte Zielgrößen nicht wirken, brauchen wir klare Regelungen."