Führende Mitglieder der Arbeitnehmervertretung Zentrum Automobil – die beim Autobauer Daimler in Stuttgart Untertürkheim im Betriebsrat sitzen – stehen unter dem Verdacht, Sympathien für den Nationalsozialismus zu hegen. Das berichten das ARD-Magazin Report Mainz und der Stern. Vor einigen Tagen hatten bereits die Stuttgarter Nachrichten berichtet, dass der Verein seinen Einfluss bei der kommenden Betriebsratswahl weiter ausbauen wolle.

Für den Verdacht, dass in dem Verein mehrere Mitglieder mit rechtsextremer Vergangenheit sitzen und bis heute mit dem Nationalsozialismus sympathisieren, legen die Journalisten zahlreiche Indizien vor. Nach Angaben von Report Mainz und Stern soll beispielsweise der bisherige Vorsitzende der Organisation Zentrum Automobil, Andreas Brandmeier, per Mail ein Foto verschickt haben, das ein Hakenkreuz zeigt und die Inschrift: "Der deutsche Gruß heißt Heil Hitler."

Brandmeier habe Fragen zu der E-Mail gegenüber Report Mainz und Stern unbeantwortet gelassen. Der Gründer der Gewerkschaft, Oliver Hilburger, nannte die E-Mail demnach "definitiv und eindeutig eine Fälschung". Der Empfänger der E-Mail habe dagegen seinen Vorwurf gegen Brandmeier aufrecht erhalten. Er legte eine schriftliche Versicherung vor und gab auch den gesamten E-Mail-Verkehr preis. Bei dem Empfänger der E-Mail handelt es sich dem Bericht zufolge um eine Person, die beim Zentrum Automobil ausgestiegen ist.  

Brandmeier kandidiert demnach derzeit erneut als Betriebsrat bei Daimler in Untertürkheim. Schon vor einigen Tagen hatten die Stuttgarter Nachrichten berichtet, dass bei der Daimler-Belegschaft Unruhe herrsche, weil Zentrum Automobil bei den kommenden Betriebsratswahlen seinen Einfluss ausbauen wolle. Deren führende Mitglieder bewegten sich schon länger am rechten Rand. Auch Politiker in Baden-Württemberg seien deshalb alarmiert.

Kontakte zu NSU-Unterstützern?

So schreibt die Zeitung über Hilburger, dieser habe früher in der Neonazi-Band Noie Werte Gitarre gespielt. Die Band gilt als wichtiger Wegbereiter für das ultrarassistische Blood-and Honour-Netzwerk in Deutschland.

Angesprochen auf seine Vergangenheit, antwortete Hilburger Report Mainz und Stern: "Die 20 Jahre sind sicher nicht abgeschlossen in einem Feld, und auf einmal ist man was anderes. Das sicherlich nicht." Weiter sagte er: "Ich kann Ihre Titulierung 'Nazilieder' hören, da haben wir sicherlich eine andere Auffassung."   

Die Stuttgarter Nachrichten berichten zudem über Sascha Woll aus der rechten "Alternativgewerkschaft", der ebenfalls für einen Listenplatz kandidiert. Dessen Frau habe im vergangenen Jahr vor dem NSU-Untersuchungsausschuss ausgesagt, ihr Mann sei in den Neunzigerjahren Mitglied der Stuttgarter Skinhead-Truppe Kreuzritter für Deutschland gewesen.

In Untertürkheim werden "patriotische" Betriebsräte geschult

Über den Schatzmeister von Zentrum Automobil, den 56-jährigen Hans Jaus, schreiben wiederum die Stuttgarter Nachrichten, er sei 1991 zum Bundesschatzmeister der mittlerweile verbotenen Neonazi-Organisation Wiking-Jugend ernannt worden. Heute schule Jaus unter anderem "patriotische" Betriebsräte und habe gute Chancen, selbst in den neuen Betriebsrat in Untertürkheim gewählt zu werden. Er stehe auf Platz drei der Bewerberliste.

Zentrum Automobil, die sich selbst als "alternative Arbeitnehmervertretung" in der Automobilindustrie bezeichnet, hatte laut Report Mainz bei den letzten Betriebsratswahlen zehn Prozent der Stimmen erhalten und stellt derzeit vier Betriebsräte im Daimler-Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim. Bei der Betriebsratswahl im März trete die Kleingewerkschaft mit 187 Kandidaten an. Sie ist demnach überdies bereits bei BMW in Leipzig und Opel in Rüsselsheim vertreten und unterhält eigenen Angaben zufolge Kontakte zu Kollegen bei Audi.


In einer früheren Fassung des Textes war eine Zeugin falsch zugeordnet. Wir haben das geändert.