Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser hat sein Verhalten gegenüber US-Präsident Donald Trump verteidigt. "Ich habe ja dem amerikanischen Präsidenten zur Steuerreform für Unternehmen gratuliert und nicht für sein erstes Amtsjahr oder zu der Art, wie er auf rechtsradikale Demonstrationen reagiert", sagte Kaeser der Süddeutschen Zeitung (Bezahlschranke). Zum Glückwunsch zu Trumps Unternehmenssteuerreform stehe er.

Kaeser war kritisiert worden, weil er vergangene Woche beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos beim Dinner neben Trump saß und in die Kameras sagte, Siemens beglückwünsche Trump zu dessen Steuerreform. Die neuen Regeln ersparen dem Konzern Abgaben in Milliardenhöhe. Zudem hatte Kaeser seine Ankündigung erneuert, eine neue Generation von Gasturbinen in den USA fertigen zu wollen.

"Ich glaube, dass der Präsident mit der Senkung der Unternehmenssteuern seinem Land wirklich helfen wird", sagte Kaeser der SZ. Wenn sich Unternehmen überlegten, wo sie sich ansiedelten, spielten wirtschaftliche Rahmenbedingungen eine Rolle, auch steuerliche Aspekte. "Diese Reform wird zu Wachstum, Investitionen und damit mehr Jobs führen."

Ob der Plan, Gasturbinen in den USA entwickeln zu lassen, allein mit der Steuerreform zusammenhänge, sei dahingestellt, sagte Kaeser weiter. "Aber neben der Marktnähe, der Kompetenz der Mitarbeiter und dem Schutz des geistigen Eigentums sind auch günstige wirtschaftliche Bedingungen ein Faktor."

"America First ist nicht schlecht"

Kaeser argumentierte auch, dass es besser sei, wenn Manager die politischen Diskussionen den Politikern überlassen. "Ich habe vor einem Jahr die Einwanderungspolitik Trumps kritisiert, in einzelnen Punkten kann man das machen." Dass Politiker zunächst an ihr Land und ihre Wähler denken, sei nicht verwerflich, dazu verpflichte sie die Verfassung. "Im Übrigen ist America first nicht schlecht, solange es nicht bedeutet: America only", sagte Kaeser.

Dass Siemens die USA als Produktionsstandort für seine Gasturbinen erwägt, war bereits seit Juni bekannt. Viele Beschäftigte in den bedrohten deutschen Werken empfanden die Aussagen von Kaeser jedoch als Hohn. Einerseits zeigten die Geschäftszahlen von 2017, dass der Konzern das zweite Rekordjahr schreiben konnte. Der Gewinn von Siemens stieg um elf Prozent auf 6,2 Milliarden Euro. Andererseits hatte Siemens im November angekündigt, rund 6.900 Stellen weltweit zu streichen, davon rund die Hälfte in Deutschland.

Das Unternehmen will in der Kraftwerkssparte "schmerzliche Einschnitte vornehmen", wie es Vorstand und Aufsichtsrat nennen. Denn der Kraftwerks- und Turbinenbau laufe schlecht. "Beträchtliche Personalrestrukturierungsaufwendungen" werde es geben, so steht es im Geschäftsbericht. Geschlossen werden sollen die Werke in Görlitz und Leipzig, Kürzungen soll es in Offenbach und Berlin geben. Das Werk in Erfurt soll verkauft werden.

Ob das Vorhaben wie geplant umgesetzt wird, ist allerdings offen. Auf die Frage, ob das Werk in Görlitz doch nicht geschlossen werde, sagte Kaeser der SZ: "Wenn überhaupt, dann wäre das nicht vor 2023. Was danach ist, müssen wir sehen."