Der Verkauf der von Harvey und Bob Weinstein gegründeten Weinstein Company ist gescheitert. Das berichteten das Wall Street Journal und die New York Post. Nachdem bekannt geworden war, dass der Bundesstaat New York Klage gegen den Produzenten und seine Firma eingereicht hatte, habe eine Investorengruppe unter der Führung der Unternehmerin Maria Contreras-Sweet ihr Kaufangebot von fast 500 Millionen Dollar für die Filmstudios zurückgezogen.

Die New York Post berichtete, dass nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft nach einer Übernahme der Firma nicht mehr sichergestellt sei, dass die Opfer Weinsteins auch nach einem Verkauf entschädigt würden. Aus diesem Grund sei die Klage gegen Weinstein am Sonntag noch vor Abschluss des Kaufdeals erhoben worden. Zudem forderte die Staatsanwaltschaft die Einsetzung eines Beobachters im Verwaltungsrat der Weinstein Company.

Die 62-jährige Contreras-Sweet hatte nach Informationen der New York Post während der Kaufverhandlungen zugesagt, den Gewinn der nächsten fünf Filme für Entschädigungszahlungen an Opfer bereitzustellen, und versprochen, einen mehrheitlich mit Frauen besetzten Verwaltungsrat einzusetzen. Wegen der Differenzen zu den Forderungen der Staatsanwaltschaft soll die Unternehmerin ihr Angebot zurückgenommen haben. Eine Anwältin für Frauenrechte, die mehrere Opfer Weinsteins vor Gericht vertritt, hatte sich für einen Abschluss des Deals ausgesprochen.

In der 38-seitigen Anklage werden den Brüdern Weinstein und der Firma die Verletzung von Bürgerrechten, Menschenrechten und des Arbeitsrechts vorgeworfen, wie der oberste Staatsanwalt New Yorks, Eric Schneiderman, mitteilte. Auch weitere Vorwürfe gegen Weinsteins "bösartige und ausbeuterische Misshandlung" von Mitarbeitern seien darin zu finden.

Dem Verwaltungsrat und der Geschäftsführung der Weinstein Company werde vorgeworfen, Mitarbeiter nicht durch angemessene Maßnahmen vor "unablässiger sexueller Belästigung, Einschüchterung und Diskriminierung" geschützt und Harvey Weinsteins Verhalten geahndet zu haben. Weil Angestellte dadurch gefährdet worden seien, habe die Filmproduktionsgesellschaft nach Angaben der Staatsanwaltschaft vermutlich wiederholt gegen Gesetze des Staates New York verstoßen.

Weinstein war im Oktober von seiner Produktionsfirma entlassen worden. Zahlreiche Frauen, darunter Schauspielerinnen wie Salma Hayek, Ashley Judd, Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie, Rose McGowan und Mira Sorvino haben Weinstein öffentlich sexueller Übergriffe und Einschüchterungen beschuldigt. Seit Beginn des Skandals haben inzwischen mehr als einhundert Frauen Vorwürfe gegen Weinstein erhoben. Der Produzent räumt Fehlverhalten ein, wies aber Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex wiederholt zurück.