Dropbox war gerade zwei Jahre alt, da bestellte Apple-Chef Steve Jobs den jungen Gründer in sein Büro in Cupertino ein. Jobs hatte die Aktivitäten von Drew Houston bis dahin aus der Ferne verfolgt und war offenbar nervös genug geworden, um dem damals 26-Jährigen eine neunstellige Summe für seine Firma zu bieten. Als der CEO dankend ablehnte, drohte Jobs ihm, Dropbox schlicht zu überrennen. Was Houston mit seiner Firma anbiete, so der Apple-Chef auf gewohnt harsche Weise, sei "ein Feature, kein Produkt". 2011 machte Apple ernst und startete mit iCloud sein eigenes Speicherangebot. Doch Dropbox gibt es auch sieben Jahre später noch – und die Firma scheint heute selbstbewusster zu sein denn je.

An diesem Freitag will sich das einstige Start-up aus San Francisco an die Börse wagen, trotz der mäßigen Bilanz der jüngsten Börsengänge ähnlicher Techfirmen wie Snap und Blue Apron, die seit ihren Debüts am Aktienmarkt unter Druck stehen. Bisher wird Dropbox mit etwa zehn Milliarden Dollar bewertet und gehört damit selbst im Silicon Valley zu einer seltenen Spezies weniger Unternehmen, die eine einfache Idee zu einer Multimilliarden-Bewertung ausgebaut haben. An der Börse erhofft sich die Firma jetzt frisches Kapital in Höhe von 500 Millionen Dollar.

Drew Houston und Arash Ferdowsi, die sich am renommierten Massachusetts Institute of Technology kennenlernten, gründeten Dropbox 2007 und die Entstehung liest sich wie das Märchen.

Als Kind Computerspiele getestet

Schon als Kind testete Houston Computerspiele auf Sicherheitslücken, um sich etwas dazuzuverdienen, das Programmieren brachte er sich selbst bei. Als Teenager arbeitete er für ein Robotics-Start-up und schrieb Code für das Betriebssystem Linux. Im College las er auf dem Dach seiner Bruderschaft Bücher über Firmengründung und Marketing. Dort oben habe er seinen Master in BWL gemacht, scherzte Houston in einer Rede vor der Abschlussklasse 2013. Nach dem ersten Jahr an der Uni nahm sich Houston eine Auszeit, um gemeinsam mit einem früheren Lehrer eine Firma zu gründen, die Schüler auf das Abschlussexamen vorbereitet. Das Projekt scheiterte und Houston ging zurück an die Uni.

Dort kam es zum Schlüsselmomemt. Auf dem Weg zur Uni merkte Houston eines Tages zu spät, dass er einen USB-Stick mit wichtigen Dokumenten zu Hause hatte liegen lassen. Der Student bastelte eine einfache Seite, auf die er seine Daten hochladen konnte. Was zunächst nur das eigene Problem lösen sollte, stellte sich bald als Werkzeug heraus, das auch anderen helfen könnte. Houston und Ferdowsi träumten bald davon, digitale Informationen wie Dokumente oder Fotos auf jedem Gerät, das mit dem Internet verbunden ist, verfügbar zu machen. Sie nannten ihre Firma Evenflow, nach einem Song der Band Pearl Jam, und erhielten Startkapital von Y Combinator, dem Inkubator, der als Königsmacher im Silicon Valley gilt.

Heute heißt Evenflow Dropbox, hat seinen Hauptsitz im Hafen von San Francisco und 500 Millionen Nutzer weltweit, vor vier Jahren waren es noch 100 Millionen. Auch der Umsatz entwickelt sich bislang zweistellig, 2015 lag er bei 400 Millionen Dollar, im vergangenen Jahr stieg er erstmals über eine Milliarde. Noch immer bietet die Firma ihre Basisversion gratis an, aber wer mehr Speicherplatz braucht, der muss zahlen. Den Großteil des Umsatzes macht Dropbox heute mit dem Geschäft für Unternehmen.

Nutzer als Verkäufer

Der Erfolg von Dropbox beruhe auf Mund zu Mund Propaganda, sagt Matthew Kennedy von Renaissance Capital, einer Firma, die sich auf die Analyse von Börsengängen spezialisiert hat. Nutzer teilten die Dateien, die sie auf Dropbox speicherten, mit Freunden oder Kollegen, die sich dafür ihrerseits einen Account zulegen mussten. "Unsere Nutzer", sagen die Dropbox-Gründer selbst, "sind unsere besten Verkaufstalente".

Dropbox habe vor allen anderen den Wert eines Onlinespeicherplatzes mit einfacher Benutzeroberfläche erkannt, sagt Kennedy. "Sie haben sich eine Multimilliarden-Dollar-Nische geschaffen", sagt der Technologieexperte. Und selbst als mehr und mehr Firmen in dieselbe Nische drängten, habe Dropbox sie "über Jahre ausmanövriert". Es gebe einen Grund, warum Blackberry nicht das iPhone erfunden habe, schrieben die beiden Gründer gerade in einem Brief, in dem sie um Investoren werben. Für frische Ideen brauche es eben frische Namen.