Nach ähnlichen Initiativen in den USA und Großbritannien lud nun auch das EU-Parlament Facebook-Chef Mark Zuckerberg ein, um sich zu erklären. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani schrieb auf Twitter, das Parlament habe Zuckerberg "eingeladen". Facebook müsse "vor den Vertretern von 500 Millionen Europäern klarstellen, dass persönliche Daten nicht dazu benutzt werden, um Demokratie zu manipulieren".

Die New York Times und der Observer hatten berichtet, dass das britische Unternehmen Cambridge Analytica mittels einer App in den Besitz von Daten von mehr als 50 Millionen Nutzern gelangt sei. Mithilfe einer aus diesen Daten entwickelten Software wurden auf dem Netzwerk politische Anzeigen geschaltet, die auf einzelne Nutzer zugeschnitten wurden. Die individuelle Ansprache von Wählern über die sozialen Netzwerke war als ein Schlüssel für Trumps Wahlsieg 2016 angesehen worden.

Cambridge Analytica bestritt energisch, bei Facebook gesammelte Daten für die Trump-Kampagne verwendet zu haben. Laut US-Medienberichten leitete die US-Handelsaufsicht FTC Ermittlungen gegen Facebook ein. In New York und Massachusetts teilten die Staatsanwaltschaften mit, schriftlich Aufklärung von Facebook eingefordert zu haben.

London - Datenaffäre setzt Facebook unter Druck Die britische Firma Cambridge Analytica soll 2016 Daten von 50 Millionen Nutzern gesammelt haben – für das Wahlkampfteam von Donald Trump. Der Facebook-Sicherheitschef soll das Unternehmen zum August verlassen, berichtet die New York Times. © Foto: Dado Ruvic / Reuters TV

Auch vor britischen Unterhausausschuss geladen

In Großbritannien teilte die Datenschutzbeauftragte Elizabeth Denham mit, einen Durchsuchungsbefehl gegen Cambridge Analytica erwirken zu wollen. Das Unternehmen habe sich auf Anfragen nach Einsicht in seine Daten "unkooperativ" gezeigt. Der Vorsitzende des britischen Unterhausausschusses für Digitales und Medien, Damian Collins, teilte seinerseits mit, dass auch er Zuckerberg in einem Schreiben aufgefordert habe, vor dem Gremium zu erscheinen.

Der Grünen-Netzexperte Konstantin von Notz forderte die deutsche Bundesregierung zum Handeln auf. Er erwarte, "dass sie ihre bisherige Politik gegenüber Facebook, gerade im Bereich des Datenschutzes, endlich überdenkt", sagte von Notz der Neuen Osnabrücker Zeitung. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg verlangte in der Bild-Zeitung härtere Sanktionen gegen Facebook. Es sei problematisch, dass Facebook sich regelmäßig über geltendes Recht hinwegsetze.

Sonst "müsse der Kongress einschreiten"

Der republikanische US-Senator John Kennedy und seine Kollegin Amy Klobuchar von den Demokraten verlangten bereits, dass Zuckerberg ebenso wie die Chefs von Google und Twitter vor der Kongresskammer aussagen sollte.

Mark Zuckerberg solle vor dem Justizausschuss versichern, dass sein Unternehmen sich federführend um Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Privatsphäre von Nutzern kümmern wolle, forderte auch Senatorin Dianne Feinstein, die ranghöchste Demokratin in dem Senatsgremium.

Sollte Facebook dazu nicht in der Lage sein, müsse der Kongress einschreiten, sagte Feinstein. Den Datenskandal um Facebook bezeichnete sie zudem als "Gefahrensignal". Auch ihr Senatskollege Mark Warner, ranghöchster Demokrat im Geheimdienstausschuss, sprach sich für eine Vorladung Zuckerbergs aus.

Investoren in die Irre geführt

Derweil haben US-Investoren eine erste Klage gegen den Internetkonzern eingereicht. Die Aktionäre machten am Dienstag bei einem Bundesgericht in San Francisco geltend, dass die Konzernführung sie über die Fähigkeiten in die Irre geführt habe, die Daten der Nutzer zu schützen. Der Zeitung Los Angeles Times zufolge wird Facebook zudem vorgeworfen, die eigenen Datenschutzvorschriften verletzt zu haben.

Facebook hat auf den Datenskandal mit Bedauern reagiert. Firmenchef Mark Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernstes der Lage bewusst, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Mitteilung von Facebook. "Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden", heißt es weiter. Facebook werde alles tun, um seine Richtlinien durchzusetzen und die Informationen der Nutzer zu schützen.