Datenaffäre - Razzia bei Cambridge Analytica Die britische Datenschutzbehörde ICO hat die Räume von Cambridge Analytica durchsucht. Die Firma soll Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern auf unlautere Weise verwendet haben, um den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump zu unterstützen. © Foto: Yui Mok/PA Wire/dpa

In London haben britische Ermittler in der Nacht zu Samstag die Büros der Beratungsfirma Cambridge Analytica durchsucht. Die Vorwürfe gegen die Firma wiegen schwer: Nicht nur soll das Unternehmen unrechtmäßig Daten erworben haben und mithilfe dessen Millionen US-Wählerinnen und -wähler im Wahlkampf beeinflusst haben. Nach Angaben des britischen Guardian ermitteln die Behörden auch in der Frage, ob Cambridge Analytica bei der Volksabstimmung über den Brexit eine Rolle gespielt haben könnte. Im Juni 2016 hat eine knappe Mehrheit der Briten für einen Austritt aus der EU gestimmt.

Eine ehemalige Mitarbeiterin von Cambridge Analytica sagte dem Guardian, die Firma habe mit der Kampagne zum EU-Austritt, Leave.EU, zusammengearbeitet, das aber später abgestritten. Einer der Mitgründer der Kampagne, Richard Tice, sagte der BBC, die Firma habe ihre Dienste zwar angeboten, man habe sie aber nicht engagiert.

Vergangenes Wochenende ist bekannt geworden, dass sich die Datenanalyse-Firma von einem App-Entwickler unberechtigt Zugang zu Informationen von rund 50 Millionen Facebook-Nutzerinnen und -nutzern besorgt haben soll. Um welche Daten und um wie viele es sich handelt, das will nun die britische Datenschutzbehörde ICO untersuchen. Britischen Medienberichten zufolge verschafften sich in der Nacht zu Samstag 18 IOC-Mitarbeiter Zutritt zu der Londoner Zentrale des Beratungsunternehmens. Man werde nun Beweise sichern, auswerten und bewerten, bevor Schlüsse gezogen würden, hieß es in einer Mitteilung.

Cambridge Analytica ist bereits von Facebook ausgesperrt worden. Das Unternehmen habe unrechtmäßig erhaltene Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht, erklärte das Netzwerk zur Begründung. Facebook wusste zwar seit 2015 davon, gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass die Daten gelöscht worden seien. Die Nutzer wurden nicht informiert, was Facebook inzwischen als Fehler bezeichnet und nachholen will.

Gründer und Chef Mark Zuckerberg sagte, die Softwareschnittstellen, die einer Umfrage-App einen so breiten Zugriff auf Nutzerdaten überhaupt möglich machten, seien bereits 2014 dichtgemacht worden seien. Die US-Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission (FTC) leitete nach Informationen der Washington Post eine Untersuchung gegen Facebook ein. Die Bundesregierung hat die europäische Facebook-Spitze für diesen Montag zum Gespräch gebeten. 

Tesla und SpaceX löschen Facebook-Seiten

Das Image des Netzwerks hat unter dem Skandal schwer gelitten: In der Nacht zum Samstag gingen die Facebook-Seiten des Elektroautoherstellers Tesla und der Raumfahrtfirma SpaceX vom Netz, wohl auf Veranlassung des Chefs der beiden Unternehmen, Elon Musk. Bereits zuvor kündigte Mozilla, der Entwickler des Web-Browsers Firefox, an, keine Werbung mehr auf Facebook zu platzieren, bis es Datenschutzeinstellungen verbessere. Der Anbieter vernetzter Lautsprecher Sonos stoppt für eine Woche die Onlinewerbung nicht nur bei Facebook, sondern auch bei der Fotoplattform Instagram, Google und Twitter.

Facebook versuche nun, hinter den Kulissen Werbeagenturen zu beruhigen und ihnen zu versichern, dass die Daten ihrer Kunden sicher seien, berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf informierte Personen. Das Onlinenetzwerk mit mehr als zwei Milliarden Nutzern verdient einen Großteil seines Geldes mit Werbeanzeigen.

Auf Twitter kursiert seit Tagen das Hashtag #deletefacebook ("lösche Facebook"). Es wurde auch von WhatsApp-Mitgründer Brian Acton aufgegriffen, der seine Messaging-App einst für rund 22 Milliarden Dollar an Facebook verkauft hat und bis vor Kurzem dort auch beschäftigt war.