Erst zwei Jahre ist es her, da brachte der RWE-Konzern seine Ökostromtochter Innogy an die Börse. Innogy sollte – professionell vermarktet mit einer knalligen Werbekampagne – die Zukunft von RWE symbolisieren, einem Unternehmen, das vor allem auf Kohle und Atomstrom setzte.

Das Innogy-Debüt an der Börse war spektakulär: Gemessen am Emissionsvolumen war es der größte Börsengang Europas und der zweitgrößte der Welt in dem Jahr. 2,6 Milliarden Euro brachte er RWE auf einen Schlag ein. Innogy hat inzwischen einen Börsenwert von knapp 20 Milliarden Euro.

Nur 24 Monate später ist die Zukunft schon wieder vorbei. In einer am Sonntag veröffentlichen Stellungnahme gaben die beiden Energiekonzerne E.on und RWE bekannt, Innogy in einer komplexen Transaktion aufzuspalten. Es ist vor allem ein Tausch von Geschäftsaktivitäten: E.on übernimmt von Innogy das Geschäft mit Stromnetzen und dem Vertrieb von Strom. Zudem will sich RWE an E.on mit knapp 17 Prozent beteiligen.

RWE dagegen konzentriert sich auf die Stromproduktion: Es übernimmt von E.on das Geschäft mit Ökostrom und Gasspeichern, sowie die E.on-Beteiligung an den RWE-Atomkraftwerken Emsland und Gundremmingen. Auch das E.on-Geschäft mit erneuerbaren Energien sowie Gasspeichern soll an RWE gehen. Dafür will RWE insgesamt 1,5 Milliarden Euro an Eon in bar zahlen. Insgesamt soll sich der Wert der Fusion und der Aktientransaktionen auf rund 20 Milliarden Euro belaufen.

RWE wird Europas drittgrößter Ökostromproduzent

Entzerrt man diesen Deal, wird klar: Beide Unternehmen wollen sich auf gewinnbringende Segmente spezialisieren. E.on-Chef Johannes Teyssen setzt auf das Geschäft mit Stromnetzen, auf den Vertrieb und Dienstleistungen. Dafür erhält er das große Verteilnetz von RWE Innogy und etwa 16 Millionen Strom-Kunden. Eine lukrative Sparte: Das von der Bundesnetzagentur regulierte Netzgeschäft trägt derzeit rund zwei Drittel zum Innogy-Gewinn bei. Nützlich für E.on werden auch die Smart-Home-Angebote oder die 4.500 Ladepunkte für E-Autos von Innogy sein.

RWE konzentriert sich dagegen auf die Stromerzeugung. Derzeit produziert der Konzern zehnmal so viel Strom aus Braun- und Steinkohle wie aus Erneuerbaren. Ausgerechnet der Kohlekonzern RWE wird durch den Deal nun grün: Er übernimmt vom E.on-Konzern Ökostromanlagen – vor allem Windanlagen in den USA und Offshore-Windräder in der Nordsee – mit einer Kapazität von rund 4.500 Megawatt. Dazu kommen die Innogy-Kapazitäten von 8.000 Megawatt. Insgesamt sind das rund zehn Prozent des deutschen Ökostrommarktes.

Das neue RWE wäre laut Handelsblattder drittgrößte Ökostromproduzent Europas. Weil RWE zudem die Gasspeichern von E.on übernimmt, kann das Unternehmen seine schwankende Ökostromproduktion besser absichern. Die Zukunft der rund 40.000 Innogy-Mitarbeiter ist noch unklar. Es sei zunächst die volle Integration von Innogy in den E.on-Konzern vorgesehen, heißt es vage in der E.on-Stellungnahme.

Sorge vor "Megakonzern mit großer Marktmacht"

Die Ökostrombranche beobachtet den Milliardendeal mit Misstrauen: "Mit der Übernahme von Innogy durch E.on entsteht kein Ökostromkonzern", sagt Wilfried Gillrath, Geschäftsführer des Ökostromanbieters LichtBlick. "Jetzt wird auch die grüne Erzeugung von E.on und Innogy in die Hand von RWE gelegt: Damit entsteht ein Konzern, der auf die Rezepte der alten Energiewelt setzt." LichtBlick befürchtet, dass die neue RWE den Wettbewerb verzerre: "Hier entsteht ein Megakonzern mit großer Marktmacht. Das gefährdet den Wettbewerb im Strommarkt und könnte auf Dauer zu höheren Strompreisen für die Verbraucher führen", sagt Gillrath. Die Fusion müsse das Kartellamt sehr kritisch prüfen. Dessen Zusage steht bisher noch aus, ebenso das Einverständnis der wichtigen RWE-Eigentümer, der Stadtwerke und Kommunen.