Der jetzt abgelöste Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller sagte kürzlich dem Spiegel, das Spitzenmanagement des größten europäischen Automobilherstellers müsse "weiblicher, jünger und internationaler" werden. Das trifft nun alles nicht auf Müllers Nachfolger Herbert Diess zu – auch wenn dieser einen österreichischen Pass hat. Diess ist in München geboren und nur fünf Jahre jünger als sein Vorgänger Müller, der im Juni seinen 65. Geburtstag feiert.

In der Volkswagen-Führung dürfte sich mit dem neuen Chef nichts Wesentliches ändern. Zwar betonte Diess bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in neuer Funktion am Freitag vor Journalisten, er wolle den neuen Markengruppen künftig mehr Eigenverantwortung überlassen. In den Gruppen sollen jeweils die Massenmarken VW, Seat und Škoda, die Premiummarken Audi und Ducati und die sogenannten Superpremiummarken Porsche, Bentley, Bugatti und Lamborghini zusammengeführt werden.

Doch ausgerechnet Diess steht der absatzstärksten Gruppe der Massenmarken vor und übernimmt damit im Konzern eine Doppelfunktion. Beobachter wie der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sehen das kritisch: Die Personalunion weckt bei ihnen Erinnerungen an alte Zeiten, an die früheren VW-Vorstandschefs Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch, denen der Ruf anhaftete, Alleinentscheider mit Tendenz zur Besserwisserei zu sein.

Ein Kostensenker, der von BMW kam

Ein solcher Hang wird Diess nicht nachgesagt. Es heißt, er verlange viel von seinen Mitarbeitern, manche nennen ihn einen "harten Hund". Er gilt auch als bodenständig und uneitel. Doch Zweifel bleiben, wie weit es mit den Bekenntnissen zu mehr Freiheiten für die Markengruppen her ist.

Nach dem Auffliegen des Dieselskandals und dem Abgang Winterkorns war in Wolfsburg viel von einem notwendigen Kulturwandel die Rede. Müller leitete ihn ein, in Abkehr vom alten System aus Befehl und Gehorsam, das er als wichtigen Grund für die Entwicklung der illegalen Abschalteinrichtungen in der Abgasreinigung ausgemacht hatte. Wie es damit nun unter Diess weitergeht, lässt sich kaum sagen. Das Handelsblatt zitiert – anonym – einen misstrauischen VW-Topmanager: "Müller stand für Offenheit. Diese Offenheit wird unter Diess ein Ende finden."

In den vergangenen Wochen positionierte sich Diess bereits als kommender wichtigster Mann im VW-Konzern, etwa als er zur Debatte um die Dieselfahrverbote bei Anne Will saß, und eben nicht Müller. Dass Diess dessen logischer Nachfolger sein würde, war aber schon vorher absehbar. Schließlich leitete er mit VW die wichtigste Marke des Konzerns, und er machte das aus Sicht der Eigentümer gut, denn es gelang ihm, die Gewinnmarge deutlich zu steigern. Die operative Rendite von VW lag im vergangenen Jahr bei 4,1 Prozent. Das ist doppelt so hoch wie 2014, dem Jahr, bevor Diess von BMW zu VW wechselte.

Schon bei BMW hatte sich Diess als kostenbewusster Manager erwiesen und damit für den Job bei VW empfohlen. Den Autohersteller in seiner Heimatstadt verließ Diess im Sommer 2015, nachdem sich die BMW-Eignerfamilie Quandt Ende 2014 im Kampf um den Chefposten für den damaligen Produktionsvorstand Harald Krüger entschieden hatte, und eben gegen den damaligen Entwicklungsvorstand Diess.