Tierschutz Formationsflug mit Zugvögeln

Mit Ultraleichtflugzeugen weisen Tierschützer dem Waldrapp, einer Ibis-Art, den Weg in die Winterquartiere. Nach Hause müssen die Zugvögel alleine finden

Werden Waldrappe nach Jahrhunderten auch wieder Deutschland zu sehen sein?

Werden Waldrappe nach Jahrhunderten auch wieder Deutschland zu sehen sein?

Sein Schicksal war seine Schmackhaftigkeit – obwohl der Vogel auf den ersten Blick nicht unbedingt essbar aussieht. Denn der glatzköpfige Waldrapp (Geronticus eremita) mit dem schwarzen Federkleid und dem lang gebogenen, roten Schnabel zählt wohl eher zu den Tieren, die man erst später ins Herz schließt. Wegen seines düsteren Äußeren vermutet man in ihm das Vorbild des so genannten Nachtkrapps, der als Kinderschreckfigur im süddeutschen Raum und in Österreich sein Unwesen trieb und jene Knaben und Mädchen mit sich forttrug, die nach Beginn der Nacht noch draußen unterwegs waren.

Waldrappe im Formationsflug:
Mit Hilfe der Technik sollen Waldrappe ihre alten Zugrouten wieder erlernen und die ausgerottete Art damit im Alpenvorland neu angesiedelt werden

Mit Hilfe der Technik sollen Waldrappe ihre alten Zugrouten wieder erlernen und die ausgerottete Art damit im Alpenvorland neu angesiedelt werden

Dieses Märchen wurde dem Waldrapp aber nicht zum Verhängnis, vielmehr schätzten ihn Mönche – und vielleicht auch das Volk – als Fastenspeise, wie ein altes Fresko aus dem ehemaligen Kloster Murrhardt andeutet. Einst weit von Nordafrika über den mitteleuropäischen Alpenraum, das Mittelmeergebiet und den Balkan bis hinein in den Nahen Osten verbreitet, wurde der Waldrapp bis Mitte des 17. Jahrhunderts europaweit schlicht aufgegessen, weil er die Nähe des Menschen und dessen Weiden und Felder suchte. Vielfach brütete der zu den Ibissen zählende Vogel sogar in Kolonien auf den Mauern und Ruinen von Burgen und Klöstern; heute existieren dagegen nur noch Tiere im Zoo und winzige, freilebende Bestände in Marokko und Syrien.

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Die damals verhängnisvolle Vertrautheit möchte der Österreicher Johannes Fritz mit seinem Team nun zum Vorteil des Vogels nutzen – und ihn nach über 350 Jahren wieder im Alpenvorland ansiedeln. Sein Ziel: in einem momentan europaweit einzigartigen Projekt die Tiere mit technischer Hilfe nach Italien zum Überwintern zu leiten und damit eine alte Zugroute wiederzubeleben.

Als Leiter des Projekts "Waldrapp" und Pilot schwingt sich der Biologe deshalb regelmäßig mit einem Ultraleichtflugzeug in die Lüfte, um den schwarzen Ibis von Österreich und Bayern an die Küste der Toskana zu bringen: "Seit 2004 geleiten wir Tiere systematisch mit Fluggeräten in den Süden." Auch jetzt sind er und seine Kollegen wieder mit elf Waldrappen unterwegs – in der Luft unterstützt vom frischgebackenen Paragleiter-Weltmeister Walter Holzmüller. 

Leser-Kommentare
    • wmebh
    • 16.09.2009 um 11:03 Uhr

    Die Mönche haben diesen Vogel auf dem Gewissen.Deshalb sollte man dafür sorgen,daß es nicht so viele Mönche gibt.

  1. "So ist doch dem Täufer vom Herren die Kraft verliehen, durch die Taufe aus einem Heiden einen guten Christen zu machen. Wie sollte dann ein Mensch, der ein dem Herrn gefälliges Leben führt, das IHM gewidmet ist, nicht die Kraft des Herrn nutzen? Und so frage ich Dich, Pate Bruder Pistor, wie soll der Täufling heißen?" "Fisch, Bruder Ignaz." "Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes: Hase ich taufe Dich Fisch!" Bruder Pistor enteilte in die Küche, denn es war Freitag.
    Kuni

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