Architektur und Stadtplanung Nachhaltigkeit heißt das Zauberwort
Auf einem Kongress in Berlin diskutieren Stadtplaner und Wissenschaftler neue Konzepte für umweltfreundliche Städte – und die Frage, was Nachhaltigkeit eigentlich ist
© Peter Macdiarmid/Getty Images

Gerade Metropolen wie London sind auf Energiekonzepte angewiesen, die sich auch auf längere Sicht als umweltfreundlich erweisen. Auf dem Städteplanerkongress in Berlin werden derzeit neue Ideen vorgestellt
Über die Bedeutung des Wortes "Nachhaltigkeit" herrscht zwischen Wissenschaftlern, Politikern, Stadtplanern und Architekten wahrlich keine Einigkeit. Ob das luftdicht versiegelte Passivhaus mit seinen High-Tech-Materialien langfristig wirklich weniger Energie verbraucht und damit klimafreundlicher ist als vorhandene, ungedämmte Altbauten, wird von Experten genauso unterschiedlich betrachtet wie der Sinn von Atomenergie, Recycling oder Gentechnik.
Wonach sollen wir also streben, nach Energieeinsparung, nach neuer Energiegewinnung, nach weniger CO2-Ausstoß? Oder sollten wir uns lieber gleich auf die Eindämmung der Folgen des Klimawandels konzentrieren? Was ist ein verlässlicher Indikator für Nachhaltigkeit? Und wäre es nicht viel besser, eine schlaue Nutzung für alle Abfälle und Abgase zu finden, anstatt deren Vermeidung und Verminderung vorzutäuschen?
Die International Federation for Housing and Planning (IFHP) hat es sich seit 1913 zur Aufgabe gemacht, möglichst weit über den Tellerrand der Stadtplanung zu schauen, um sich ein Bild vom Großen und Ganzen zu machen. Eine Mission, der auch der 53. Weltkongress der IFHP folgt, der vom 6. bis zum 10. September im Berliner Kongresszentrum BCC stattfindet.
Gegründet wurde die IFHP von einem der Urväter der modernen Stadtplanung, dem Engländer Ebenezer Howard. Als kleine Nichtregierungsorganisation steht die IFHP nicht gerade im Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung. Allerdings tragen auf dem Kongress Wissenschaftler von Rang und Namen vor. Die Gründlichkeit, mit der das Verständnis von Nachhaltigkeit hinterfragt wird, trifft man nicht alle Tage unter Stadtplanern an. Über die 96 Jahre ihres Bestehens hat sich die IFHP mit vielen Aspekten der Stadtplanung und Raumordnung auseinandergesetzt, nach sozialen Schwerpunkten sind diesmal Fragen nach Klimawandel und Energieeinsparung in den Vordergrund gerückt.

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Der ehemalige Bundesumweltminiester Klaus Töpfer (CDU) sprach am Sonntag zur Kongresseröffnung im mahnenden Tonfall der Zivilisationskritiker. Er leitet das Institut für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit in Potsdam und sähe sich gerne in der Rolle eines deutschen Al Gores.
Das wichtigste Signal der IFHP und ihres 53. Weltkongresses wird schon in dem diesjährigen Motto "Urban Technologies for Urban Sustainability: Climate Change and Energy Efficiency" angedeutet. Die Zukunft der Menschheit liegt demnach in den Städten, nur in hoher Dichte lässt sich langfristig Leben. Moderne Technik ist der richtige Weg. Hier gibt sich keiner der Illusion hin, dass ein postmodernes Natürlichkeitsbedürfnis irgendwelche Probleme löst. Vorgetragen wird diese Erkenntnis jedoch mit unterschiedlichstem Gestus: Die Organisatorin Irene Wiese-von-Ofen ließ zur Begrüßung der Kongressteilnehmer ihr Bedauern über die unaufhaltsame Verstädterung der Welt verlauten.
Aus allen Erdteilen sind Stadt- Umwelt- und Verkehrsplaner nach Berlin gekommen, um sich zu informieren und auszutauschen. Fragen nach Energiegewinnung, Energieeinsparung, Verkehrsplanung und Materialverwendung stehen im Mittelpunkt, im Rahmenprogramm werden außerdem die Ergebnisse eines internationalen Studentenwettbewerbs präsentiert: Die Entwürfe für eine Nachnutzung des Geländes des Flughafen Tempelhofs zeigen, dass schickes Design und Anspruch an Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen. Allerdings zeigen sie auch, dass in Architektur und Stadtplanung an den Universitäten genau die Eindimensionalität herrscht, die die IFHP mit diesem Kongress zu bekämpfen versucht. Noch bis Mittwoch haben die Experten dort Gelegenheit, wirklich neue Ideen zu präsentieren – und der Bedeutung von "Nachhaltigkeit" ein wenig näher zu kommen.
- Datum 08.09.2009 - 17:44 Uhr
- Serie Nachhaltigkeit
- Quelle ZEIT ONLINE
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Postmoderne integriert Natur und Kultur. Leben ist überall möglich, nicht nur in den Städten, aber gerade in den Städten sind Solardächer optimal zur Energieproduktion. Um Arbeit zu sparen ist Renovierung des Altbestandes sinnvoller als ständiger Neubau. Wichtig ist sowohl was in den Häusern geschieht als auch wie die Häuser aussehen - beides gehört zusammen. Renovierung der Bausubstanz ist eine Daueraufgabe - vieles wird schon heute im Do-it-yourself-Verfahren gelöst. Frauen sind da vielleicht mehr engagiert - jedenfalls war es bei uns so. Die Finanzierung ist oft schwierig, ausserdem könnten die Arbeitszeiten kürzer sein um mehr Zeit für die Renovierung von Häusern zu haben - bei mir war das oft ein Problem.
Gruss
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