Energieversorgung der Zukunft Nicht kleckern, sondern klotzen
Auf einem Kongress in Berlin wollen internationale Städteplaner mit Großprojekten die Energieprobleme der Zukunft lösen. Sie fordern den Verzicht auf fossile Brennstoffe.
© Gunnar Klack

Stundenten der Uni Darmstadt entwickelten dieses Plusenergiehaus: Es erzeigt mit seinen Solarzellen mehr Strom, als seine Bewohner verbrauchen
In ferner Zukunft wird Elektrizität in großen, zentralen Anlagen gewonnen. Solarparks in Wüsten, Erdwärmepumpen und Gezeitenkraftwerke werden von multinationalen Organisationen errichtet, die billigen Strom weltweit gleichmäßig verteilen. Hierin sind sich die Energieexperten einig, die in den vergangenen Tagen auf dem 53. Weltkongress der International Federation for Housing and Planning (IFHP)in Berlin sprachen. Der Weg dorthin gibt weit mehr Rätsel auf, als die Zielformulierung.
Welche Art der Energiegewinnung nachhaltig ist, hängt zunächst einmal vom Planungszeitraum ab – 20 oder 200 Jahre. Das Projekt Desertec mag wie ein Vorbote der globalen Energieversorgung aussehen, doch noch bedarf es einer politisch sicheren Lösung, um es zu realisieren. Universelle Großprojekte neigen dazu, durch jahrzehntelange Verhandlungen bis zur Nutzlosigkeit heruntergekocht zu werden. Außerdem bringt jedes Großprojekt eine garstige Hypothek mit sich. Hatten in der Vergangenheit nicht ausgerechnet die verheißungsvollsten Weltverbesserungsideen die schlimmsten Folgen?
Die Kritik ist berechtig, wie Franz Josef Radermacher von der Global Marshall Plan Initiative auf dem IFHP-Kongress in Berlin erklärte: Als "Boomerang Effect" bezeichnete er die unvorhergesehen Folgen, die menschliches Eingreifen in instabile Systeme bedeuten können. So hätten Füchse, die nach Australien gebracht wurden, dem australischen Ökosystem viel mehr geschadet als die zuvor eingeschleppten Kaninchen. Verschlammte Flussläufe hinter Staudämmen und Vogelsterben dank Insektiziden führen laut Radermacher nur die lange Liste der Verschlimmbesserungen an, mit der Menschen die von ihnen verursachten Probleme beheben wollten.
Selbst wenn wir CO2-Produktion und Klimawandel für einen Moment ausblenden, bleibt das Ende der Erdölreserven abzusehen. Die Redner auf dem IFHP-Kongress sprachen sich deshalb für Lösungsansätze aus, die bereits heute völlig ohne fossile Brennstoffe auskommen. Das Abstecken von Zwischenzielen subventioniere auch weniger hilfreiche Provisorien. Energieexperte John Miles sprach sich deutlich gegen kleine, regionale Energieprojekte aus. Er ist einer der Vorsitzenden des größten Ingenieurbüros der Welt, Arup Consulting Enigineers, und übersieht dort die weltweite Strategie des Unternehmens in Energiefragen.
Kritisch äußerte sich Miles auch gegenüber einem gasbetriebenen Heizkraftwerk, das in West-London errichtet werden soll. Dank Kraft-Wärmekopplung sollen zehntausende Haushalte CO2-arm Strom und Fernwärme erhalten, es entstehen kurzfristig viele neue Arbeitsplätze. Doch Miles sieht das Ziel darin, bis 2080 überhaupt keine fossilen Brennstoffe mehr zu verbrauchen und befürchtet, dass sparsame neue Anlagen eine wirklich umweltfreundliche Energiegewinnung nur aufhalten.
Lokale Solarenergie und Biomasse-Verbrennung helfen seiner Ansicht nach ebenfalls wenig. Um den Energiebedarf Europas damit zu decken, müsse man Pflanzen auf einer Fläche anbauen, die größer ist als ganz Europa. Und Windkraftanlagen würden sich auf kommunaler Ebene nicht rentieren.
Noch ein weiteres Vorzeigeprojekt lokaler Energieunabhängigkeit zerschmetterte Miles vor den Kongressteilnehmern: Die Wohnsiedlung des Projekts Beddington Zero Energy Development (Bed Zed). Sie wurde mit so vielen Solarzellen ausgestattet, dass sie Elektrizität ins Stromnetz zurückspeisen kann. Dass so ein Bauvorhaben viel Geld kostet, und nur Modellcharakter haben kann, versteht sich von selbst. Dass BedZed Bewohnern wie Bauherren seit 2002 hohe finanzielle Verluste beschert, erstaunte jedoch selbs Miles, dessen Firma die Siedlung mitgeplant hatte.
Diese Erfahrungen bringen Miles zu seinem Plädoyer für das internationale Großprojekt, aller Vorbelastungen zum trotz. Nur mit gigantischen Solaranlagen in Äquatornähe, mit Erdwärmenutzung und Gezeitenkraftwerken wäre eine Energieversorgung auch in mehr als 100 Jahren möglich. Wenn dieses Problem gelöst ist, könne auch eine Weltbevölkerung von mehr als zehn Milliarden Menschen komfortabel auf der Erde leben. Grenzenlose kostengünstige Energie wäre der Schlüssel zur Meerwasserentsalzung und damit zur Nahrungsmittelproduktion.
- Datum 14.09.2009 - 08:45 Uhr
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- Serie Energie
- Quelle ZEIT ONLINE
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die "lokale Energieversorgung" ... "auf dem Kongress" ... "mit Skepsis" sehen?
Oder wen erhoffen sie sich als ihre künftigen Geldgeber?
Gibt es darüber Informationen?
Ein Gelaber dieser Art ist nur schwer auszuhalten. Man muß zu solchen Kongressen nicht hingehen, eigentlich solche Artikel auch nicht lesen. Schade nur, daß Ergüsse dieser Art erstmal den Adel des Zeitgeistes einheimsen, und dieses Millieu offensichtlich auch gut finanziert ist. Man ist ja grün, und es geht um nichts weniger als die Rettung der Welt. Da hat man das auch verdient.
Daß die irdische Existenz schwierig werden wird, diese Erfahrung machten bereits Adam und Eva bei der Vertreibung aus dem Paradies.
Mit der Erkenntnis der Endlichkeit fossiler Kohlenwasserstoffe, und vielleicht auch der begrenzten Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre für Kohlendioxid, scheinen wir wieder an einem ähnlichen Punkt angekommen zu sein. Unsere Nachkommen (sofern welche zu haben uns vergönnt sein sollte) werden mit den gegebenen Situationen schon irgendwie umgehen.
Ob diese selbstgerechten akademischen Millieus, deren wesentliche Fähigkeit im Verbraten von Steuermitteln und Werbeetats besteht, da irgendwas Brauchbares beisteuern, wage ich zu bezweifeln.
Daß Stauseen verschlammen können, und daß Photovoltaik teuer ist, davon hab ich auch schonmal was gehört - auch ohne auf Kosten des Steuerzahlers bei solchen Veranstaltungen gewesen zu sein.
Wenn auch die Energiekonzerne und die Planer von Großkraftwerken es nicht gerne sehen, aber die Zukunft der Energieversorgung ist dezentral. Es ist für regionale Energieversorger billiger den Strom aus Windkraft zu erzeugen als ihn teuer bei Großerzeugern einzukaufen. Für jeden Hausbesitzer weltweit ist es in 5 Jahren billiger den Strom aus Fotovoltaik selbst zu erzeugen, als in einzukaufen. Der Umbruch auf dem Energiemarkt ist nicht aufzuhalten.
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