Tumortherapie Aufbruchstimmung in der Krebsmedizin
Forscher kündigen eine präzisere und schonendere Krebstherapie an. Doch je individueller die Behandlung, desto aufwendiger wird auch die Entwicklung von Medikamenten.
© Bernd Wüstneck/dpa/lmv

Die Positronen-Emissions-Therapie (PET) informiert als bildgebendes Verfahren darüber, wie empfindlich ein Tumor voraussichtlich bei der Bestrahlung reagieren wird
Wer als Arzt in der Behandlung von Krebs tätig ist, ist mit schweren Krankheiten, mit viel Leid und auch immer wieder mit dem Tod konfrontiert. Für Euphorie gibt es meist wenig Grund.
Es macht also hellhörig, wenn ein Forscher wie Christof von Kalle vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg davon spricht, dass in der Krebsmedizin "echte Aufbruchsstimmung" herrsche. "Viele Dinge ändern sich derzeit, 200 Substanzen, mit denen eine zielgerichtete Behandlung möglich sein könnte, befinden sich weltweit in der Erprobung."
Beim Europäischen Krebskongress, der zurzeit in Berlin stattfindet, ist ausführlich von den neuen Methoden der molekularen Krebstherapie die Rede. Bis Donnerstag treffen sich im ICC rund 15.000 Experten aus 120 Ländern zum Austausch über neue Wege in der Diagnostik und Therapie. Michael Hallek, Direktor des Zentrums für Integrierte Onkologie an der Universität Köln, spricht von einer "neuen Ära" in der Krebsmedizin.
Schon kursieren dafür Schlagworte wie 'individualisiert' und 'personalisiert'. So ist bei Lungenkrebs häufig eine Andockstelle auf der Zelloberfläche verändert. Der Wirkstoff Cetuximab blockiert diesen Rezeptor und kann so die Krankheit bekämpfen. Das funktioniert allerdings nur bei Patienten, bei denen dieser Rezeptor besonders häufig vorkommt, einer Minderheit aller Lungenkrebs-Kranken. Wer zu dieser Minderheit gehört, können gezielte Tests zeigen. Dann schlägt das Medikament aber bei neun von zehn Patienten an.
Für die Pharmafirmen bedeute das, dass sie Abschied nehmen müssten vom Gedanken der Verkaufsschlager, sagt Hallek. Wo ein neues Medikament nur jedem zehnten Patienten mit einer bestimmten Krebserkrankung hilft, weil es nur bei ihm wie der Schlüssel zum molekularbiologischen Schloss seines Tumors passt, da werden die Märkte notgedrungen kleiner.
Der Anreiz, neue Studien zu finanzieren, möglicherweise ebenfalls. "Wir haben allerdings auch die Hoffnung, dass wir in Zukunft gezieltere Studien machen können, in die wir weniger Patienten einschließen müssen", sagt der Internist.
Allerdings müssten dann auch alle an der Krebsbehandlung beteiligten Ärzte dafür ihre Lektion in Molekularbiologie lernen. "Schließlich ist die Behandlung, die auf diesen Erkenntnissen basiert, heute schon Alltag. Die Zukunft hat schon begonnen."
- Datum 22.09.2009 - 12:29 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Allerdings ist der Glaube begrenzt, denn ähnliche Meldungen erscheinen schon seit Jahrzehnten immer wieder, ohne dass ein tatsächlicher Durchbruch bei der Behandlung gelungen wäre. Das statistische Erhöhungen der Lebenserwartung von einigen Monaten hier schon als Erfolg verkauft werden, zeigt doch, auf welch bescheidenem, um nicht zu sgen ärmlichen Niveau, sich die ganze Sache doch abspielt. Das grundlegende Problem der sog. Krebsstammzellen, die sich bisher noch fast jeglicher Behandlung entziehen, wurde dabei erst ansatzweise angegangen. Aus diesem Grunde bedeutet Krebsbehandlung in den allermeisten Fällen immer noch, dass man dem Patienten etwas mehr Zeit verschafft, um seine persönlichen Angelegenheiten zu regeln. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Von einer wirklich dauerhaften Heilung kann normalerweise keine Rede sein.
Aber selbst wenn die im Artikel geschilderten hoffnungsvollen Ansätze sich tatsächlich eines Tages realisieren sollten, so ist dies doch immer noch keine gute Nachricht für die meisten Menschen.
In der 2-Klassen Medizin, die bei uns längst Alltag ist, werden sich Vermögende (das sind nicht wenige aber längst nicht alle) immer bessere, zielgenauere und damit auch wirksame Behandlungen leisten können. Für den normalen Kassenpatienten bleibt es dagegen bei der lieblosen Massenabfertigung mittels wirkungsschwacher Medikamente, die dann auch entsprechende Nebenwirkungen zur Folge haben.
...sind überhaupt die Erkenntnisse über Krebsgene und deren individuelle Varianten verfügbar. Auch wenn es seit Jahrzehnten keine dramatischen Fortschritte bei der Krebsbehandlung gibt, die Fortschritte beim molekularen Verständnis von Krebs sind in der Tat dramatisch. So können erst sein der Veröffentlichung des Humangenoms (2000) individuelle Unterschiede bei gesunden und Krebspatienten systematisch aufgespürt werden und erst seit ein paar Jahren machen neue DNA-Sequenzierungsmethoden systematische Vergleiche möglich. Zusammen mit der Aufschlüsselung der molekularen Strukturen vieler Proteine dürfte dies in den nächsten 10 oder 20 Jahren durchaus zu etlichen Durchbrüchen führen, da erst dann wirklich individuelle "personalisierte" Therapien möglich werden.
Wer Zugang zu diesen Therapien haben wird und sie bezahlen kann ist freilich eine andere Frage.
...sind überhaupt die Erkenntnisse über Krebsgene und deren individuelle Varianten verfügbar. Auch wenn es seit Jahrzehnten keine dramatischen Fortschritte bei der Krebsbehandlung gibt, die Fortschritte beim molekularen Verständnis von Krebs sind in der Tat dramatisch. So können erst sein der Veröffentlichung des Humangenoms (2000) individuelle Unterschiede bei gesunden und Krebspatienten systematisch aufgespürt werden und erst seit ein paar Jahren machen neue DNA-Sequenzierungsmethoden systematische Vergleiche möglich. Zusammen mit der Aufschlüsselung der molekularen Strukturen vieler Proteine dürfte dies in den nächsten 10 oder 20 Jahren durchaus zu etlichen Durchbrüchen führen, da erst dann wirklich individuelle "personalisierte" Therapien möglich werden.
Wer Zugang zu diesen Therapien haben wird und sie bezahlen kann ist freilich eine andere Frage.
...sind überhaupt die Erkenntnisse über Krebsgene und deren individuelle Varianten verfügbar. Auch wenn es seit Jahrzehnten keine dramatischen Fortschritte bei der Krebsbehandlung gibt, die Fortschritte beim molekularen Verständnis von Krebs sind in der Tat dramatisch. So können erst sein der Veröffentlichung des Humangenoms (2000) individuelle Unterschiede bei gesunden und Krebspatienten systematisch aufgespürt werden und erst seit ein paar Jahren machen neue DNA-Sequenzierungsmethoden systematische Vergleiche möglich. Zusammen mit der Aufschlüsselung der molekularen Strukturen vieler Proteine dürfte dies in den nächsten 10 oder 20 Jahren durchaus zu etlichen Durchbrüchen führen, da erst dann wirklich individuelle "personalisierte" Therapien möglich werden.
Wer Zugang zu diesen Therapien haben wird und sie bezahlen kann ist freilich eine andere Frage.
Die Russische Weltraumagentur ROSCOSMOS (Gegenstück zur NASA) experimentiert mit "Deuterium-reduziertem Wasser", um ihre Astronauten bzw. Kosmonauten vor (durch Weltraumstrahlung induzierten) Krebs zu schützen. Nachzulesen unter "http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14959623".
Jedenfalls ist das meiner Meinung nach ein interessanter Ansatz, der eventuell mal als Anti-Krebs-Medikament enden könnte?
Schließlich haben wir ja auch die Telfonpfanne der Raumfahrt zu verdanken...
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