Den Verdacht gibt es seit Jahren: Wohnen in der Nähe eines Atomkraftwerks kann besonders für Kinder gesundheitsschädlich sein. Ihr erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken, bestätigt jetzt eine von den Grünen in Auftrag gegebene Studie des Arztes und Epidemiologen Eberhard Greiser. Der Forscher will einen direkten Zusammenhang belegen können. Bislang scheiterten derlei Untersuchungen stets an der Vorgehensweise der Studienleiter.

Greiser hatte Leukämie-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in der Umgebung von 80 Kernkraftwerken in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und den USA untersucht. Laut der Ärzteorganisation IPPNW ist das am Freitag vorgestellte Gutachten damit das bisher umfassendste seiner Art.

Die Gefahr betreffe demnach nicht nur Säuglinge und Kleinkinder, sondern auch Jugendliche vor allem bis 14 Jahre. Bei 3742 Kindern unter 15 Jahren stellte Greiser im Untersuchungsgebiet Leukämie fest. Allein 2096 waren im Kleinkindalter bis vier Jahre.

Im Umkreis von 20 bis 50 Kilometern um Atommeiler sei das Risiko bei Kindern unter fünf Jahren um 19 Prozent erhöht und unter 15 Jahren um 13 Prozent, schilderte Greiser.

Die Aussagen sind bei den bis zu 14-Jährigen laut Greiser am sichersten, weil für diese Altersgruppe die Zahl der einbezogenen Atommeiler der fünf Länder am größten ist.

Bündnis 90/Die Grünen und atomkritische Ärzte forderten, endlich den Strahlenschutz für Bürger zu verbessern. Der Staat hatte dies bisher immer abgelehnt, obwohl schon Ende 2007 eine Aufsehen erregende Studie des Kinderkrebsregisters in Mainz für Kinder unter fünf Jahren veröffentlicht worden war.

Allerdings erntete die Untersuchung harsche Kritik. Nicht weil sie statistisch falsch war, sondern weil sie unzulässige Schlussfolgerungen heraufbeschwor. Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Risiko, an Blutkrebs zu erkranken, und der Nähe zu einem Kernkraftwerk konnte sie nicht beweisen.