200 Jahre Humboldt-Uni Die Mutter der modernen Universität
1810 öffnete die Berliner Universität ihre Tore. Ihr Gründer Wilhelm von Humboldt konzipierte sie nur widerwillig und bezweifelte den Erfolg. Ein Rückblick zum Jubiläum.

In der Mitte der Gesellschaft: Zu den Vorlesungen prominenter Professoren strömte schon bald die ganze Stadt zur Humboldt-Universität (hier das Hauptgebäude um 1850, Lithografie von Albert Henry Payne)
Die Zeit
Wie muss man sich Berlin ohne Universität vorstellen? Kann man sich Berlin ohne Universität vorstellen?
Machen wir einen Zeitsprung und landen wir, zunächst einmal, im Jahr 1806. Ein Graus! Preußen hat die Schlacht bei Jena und Auerstedt gegen die Franzosen verloren, Napoleon ist durchs Brandenburger Tor einmarschiert, die Moral ist zerrüttet, die Finanzen am Ende. Berlin ist mehr Klein- als Weltstadt und weit davon entfernt, große Geister anzuziehen.
Der Staat muss durch geistige Kräfte ersetzen, was er an physischen verloren hat
König Friedrich Wilhelm III.
Alexander von Humboldt, der große Naturforscher, seit 1804 zurück aus Amerika, ist entsetzt, als König Friedrich Wilhelm III. ihm nahelegt, nach Berlin zu ziehen statt nach Paris. Als der Kosmopolit 1805 doch in die preußische Hauptstadt kommt, wird er prompt krank. "Es ist mir hier fürchterlich eng und tot", klagt er. Die Menschen seien so oberflächlich, "noch ärger als die Pflanzenöde und der blecherne graue Himmel über Berlin." Sobald er kann, kehrt Humboldt ins weltläufige Paris zurück.
Berlin hatte zwar auch damals mehr als märkischen Sand zu bieten. Ein wissenschaftliches Leben gab es durchaus, es gab die Bergakademie, die Vorläuferin der Technischen Universität, es gab die Akademien der Künste und der Wissenschaften, die Charité, die Bauakademie – Institutionen, an denen entweder nur geforscht oder aber nur Spezialisten ausgebildet wurden.
Und: Es gab die Salons! Ab 1780 die berühmten der Henriette Herz und der Rahel Levin, aber auch viele andere, weniger bekannte, in denen sich Bürgerliche und Adlige, Wissenschaftler, Literaten und Kaufleute trafen und im geselligen Gespräch ihre Meinungen und Kenntnisse weiterentwickelten. Denn auch das ist ja Bildung – das hat der Theologe Friedrich Schleiermacher sogar philosophisch begründet.
Aber eine Universität, die gab es nicht. Als die Freiherren Hardenberg und vom Stein ihre Reformen des Staates und der Verwaltung begannen, war klar: Dazu gehörte auch eine Reform des Bildungswesens – und eine Universität in Berlin. Friedrich Wilhelm III. musste nicht lange überzeugt werden. "Das ist recht, das ist brav!", soll er ausgerufen haben. "Der Staat muss durch geistige Kräfte ersetzen, was er an physischen verloren hat."
- Datum 12.10.2009 - 13:50 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Das ist es genau. Humboldt hatte sofort erfasst, was unsere Behörden bis heute nicht begriffen haben. Man kann keine "Elite" aus dem Boden stampfen, indem man ein paar Labors errichtet. Eine Uni ist ein lebendes Gebilde, eine Lehr- und Forschungseinrichtung, die immer nur so gut sein kann wie die Lehrer und Forscher, die darin ihr Wissen verbreiten.
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