Mehr als 55.000 Funde aus der Bronzezeit haben Archäologen bei einer Grabung in Sachsen-Anhalt gefunden. Acht Teams untersuchen eine rund 100 Hektar große Fläche auf der Querfurter Platte, die zwischen den Tälern von Saale und Unstrut liegt. Vor einem Jahr begann die Arbeit der Forscher, bis heute haben die Archäologen gut drei Viertel des entdeckten Siedlungsgebiets erkundet.

"Mit der Zeit ist einiges zusammengekommen", sagt Torsten Schunke vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt , der das Projekt koordiniert. "Wir fanden weit über 250 Gräber aus den verschiedensten Epochen, sowie gut erhaltene Grabbeigaben." Einige davon sind echte Besonderheiten.

Die Querfurter Platte wird seit mindestens 7500 Jahren besiedelt. Wegen der fruchtbaren Böden und zahlreichen Solequellen, aus denen Wasser mit hohem Salzgehalt sprudelte, war sie schon in der Steinzeit eine attraktive Gegend. "Salz gilt als das weiße Gold der Vorgeschichte. Wem es gelang, das Salz aus den Quellen zu gewinnen, der konnte sein Fleisch pökeln und so den Winter einer Missernte zum Trotz überstehen", erklärt Schunke.


Wegen des Neubaus der ICE-Trasse bot sich den Archäologen die einmalige Chance, auf einer Länge von 22 Kilometern einen vollständigen Schnitt durch diese Siedlungsregion, die eine der bedeutendsten Mitteldeutschlands ist, zu ziehen. "Wir sind bei einem Projekt dieser Größe von vornherein davon ausgegangen, dass wir etwas finden werden", sagt der Archäologe.

Und er sollte Recht behalten. Die mit 7300 Jahren bisher ältesten Funde gab es im Saalekreis. Es handelt sich um zahlreiche teils gut ausgestattete Gräber, die unter anderem zur linienbandkeramischen Kultur der frühen Jungsteinzeit, oder Neolithikum, gehören. "Danach gab es scheinbar eine Siedlungslücke, bis rund 2700 vor Christus neue Gräber entstanden."

Darunter auch Gräber aus der Bronzezeit, die von rund 2200 bis 1700 vor Christus andauerte. So stießen Schunke und seine Kollegen auf "Etagen-Gräber", in denen Tote und Grabbeigaben übereinander geschichtet wurden, sowie mehrmals benutzte Grabstätten.

"Das ist etwas ganz Besonderes", sagt Schunke. "In diesen Gräbern wurden bereits bestattete Gebeine zur Seite geschoben, um Platz für neue Skelette zu schaffen." Im Schnitt geschah dies drei bis vier Mal, doch bei einer Stätte zählten die Archäologen ganze neun Tote.

In den um gut 500 Jahre älteren Gräbern der Schnurkeramik Kultur und der Glockenbecher Kultur aus der Jungsteinzeit stießen Schunke und seine Kollegen auf interessante Beigaben. In den Männergräbern der Schnurkeramik Kultur fanden sie zum Beispiel geschliffene Steinäxte, wohingegen in den Gräbern der Frauen Bernsteinperlen entdeckt wurden. Hinzu kommen kupferne Haarspiralen, Muschelscheiben und Hunderte gelochte Hundezähne.

Die Namen der Kulturen sind Hilfsbegriffe, "da es sich damals um eine absolut schriftlose Zeit gehandelt hat", erklärt Schunke. "Es ist uns nicht möglich, eine ethnische Zuweisung der Kulturen zu machen, daher behelfen wir uns mit der Beschreibung ihrer Werke." So zeichnet sich die Schnurkeramik Kultur zum Beispiel dadurch aus, dass sie bei der Fertigung ihrer Keramiken mittels einer Schnur ein Rillenmuster im Ton erzeugten.

"In den Männergräbern der Glockenbecher Kultur sind wir zudem auf etwas ganz besonderes gestoßen: Einen Kupferdolch", sagt der Archäologe. Metalle seien in der ausgehenden Steinzeit äußerst selten gewesen. "Ein Gegenstand wie dieser Dolch war damals ein Prestigeobjekt."

Nun gilt es bis Mitte des kommenden Jahres "fleißig weiter zu sammeln", sagt Schunker. Zurzeit würden die Funde im zentralen Ausgrabungsstützpunkt gelagert, um dann bis zum Frühjahr 2011 katalogisiert, gereinigt und aufbereitet zu werden. "Wenn die Stücke aus dem Boden kommen, sind sie schließlich noch lange nicht archivierbar." Abschließend werden die Stücke in das Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle gebracht - "wo sie hoffentlich für immer bleiben".