Archäologie Forscher bergen Schätze aus der Bronzezeit auf ICE-Baustelle
Spektakuläre Funde auf der künftigen ICE-Strecke von Erfurt nach Halle: Archäologen haben mehr als 250 Gräber aus der frühen Bronzezeit entdeckt.
© LDA Sachsen-Anhalt

Die geplante ICE-Strecke in Sachsen-Anhalt ist eine optimale Grabunsstätte für Archäologen: Mehr als 55.000 Funde aus der Bronzezeit wurden bereits gemacht. Bis Mitte 2010 dauern die Ausgrabungsarbeiten in Bad Lauchstädt, Saalekreis, noch an. Insgesamt erstreckt sich das Gebiet auf der Querfurter Platte über circa 100 Hektar
Mehr als 55.000 Funde aus der Bronzezeit haben Archäologen bei einer Grabung in Sachsen-Anhalt gefunden. Acht Teams untersuchen eine rund 100 Hektar große Fläche auf der Querfurter Platte, die zwischen den Tälern von Saale und Unstrut liegt. Vor einem Jahr begann die Arbeit der Forscher, bis heute haben die Archäologen gut drei Viertel des entdeckten Siedlungsgebiets erkundet.
"Mit der Zeit ist einiges zusammengekommen", sagt Torsten Schunke vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, der das Projekt koordiniert. "Wir fanden weit über 250 Gräber aus den verschiedensten Epochen, sowie gut erhaltene Grabbeigaben." Einige davon sind echte Besonderheiten.
Die Querfurter Platte wird seit mindestens 7500 Jahren besiedelt. Wegen der fruchtbaren Böden und zahlreichen Solequellen, aus denen Wasser mit hohem Salzgehalt sprudelte, war sie schon in der Steinzeit eine attraktive Gegend. "Salz gilt als das weiße Gold der Vorgeschichte. Wem es gelang, das Salz aus den Quellen zu gewinnen, der konnte sein Fleisch pökeln und so den Winter einer Missernte zum Trotz überstehen", erklärt Schunke.
Wegen des Neubaus der ICE-Trasse bot sich den Archäologen die einmalige Chance, auf einer Länge von 22 Kilometern einen vollständigen Schnitt durch diese Siedlungsregion, die eine der bedeutendsten Mitteldeutschlands ist, zu ziehen. "Wir sind bei einem Projekt dieser Größe von vornherein davon ausgegangen, dass wir etwas finden werden", sagt der Archäologe.
Und er sollte Recht behalten. Die mit 7300 Jahren bisher ältesten Funde gab es im Saalekreis. Es handelt sich um zahlreiche teils gut ausgestattete Gräber, die unter anderem zur linienbandkeramischen Kultur der frühen Jungsteinzeit, oder Neolithikum, gehören. "Danach gab es scheinbar eine Siedlungslücke, bis rund 2700 vor Christus neue Gräber entstanden."
Darunter auch Gräber aus der Bronzezeit, die von rund 2200 bis 1700 vor Christus andauerte. So stießen Schunke und seine Kollegen auf "Etagen-Gräber", in denen Tote und Grabbeigaben übereinander geschichtet wurden, sowie mehrmals benutzte Grabstätten.
"Das ist etwas ganz Besonderes", sagt Schunke. "In diesen Gräbern wurden bereits bestattete Gebeine zur Seite geschoben, um Platz für neue Skelette zu schaffen." Im Schnitt geschah dies drei bis vier Mal, doch bei einer Stätte zählten die Archäologen ganze neun Tote.
In den um gut 500 Jahre älteren Gräbern der Schnurkeramik Kultur und der Glockenbecher Kultur aus der Jungsteinzeit stießen Schunke und seine Kollegen auf interessante Beigaben. In den Männergräbern der Schnurkeramik Kultur fanden sie zum Beispiel geschliffene Steinäxte, wohingegen in den Gräbern der Frauen Bernsteinperlen entdeckt wurden. Hinzu kommen kupferne Haarspiralen, Muschelscheiben und Hunderte gelochte Hundezähne.
Die Namen der Kulturen sind Hilfsbegriffe, "da es sich damals um eine absolut schriftlose Zeit gehandelt hat", erklärt Schunke. "Es ist uns nicht möglich, eine ethnische Zuweisung der Kulturen zu machen, daher behelfen wir uns mit der Beschreibung ihrer Werke." So zeichnet sich die Schnurkeramik Kultur zum Beispiel dadurch aus, dass sie bei der Fertigung ihrer Keramiken mittels einer Schnur ein Rillenmuster im Ton erzeugten.
"In den Männergräbern der Glockenbecher Kultur sind wir zudem auf etwas ganz besonderes gestoßen: Einen Kupferdolch", sagt der Archäologe. Metalle seien in der ausgehenden Steinzeit äußerst selten gewesen. "Ein Gegenstand wie dieser Dolch war damals ein Prestigeobjekt."
Nun gilt es bis Mitte des kommenden Jahres "fleißig weiter zu sammeln", sagt Schunker. Zurzeit würden die Funde im zentralen Ausgrabungsstützpunkt gelagert, um dann bis zum Frühjahr 2011 katalogisiert, gereinigt und aufbereitet zu werden. "Wenn die Stücke aus dem Boden kommen, sind sie schließlich noch lange nicht archivierbar." Abschließend werden die Stücke in das Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle gebracht - "wo sie hoffentlich für immer bleiben".
- Datum 19.10.2009 - 19:57 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 16
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Ich will das nicht überbewerten, aber irgendwie hat sowas immer etwas von Grabschänderei. Da sind vor mehr als 7000 Jahren Menschen beigesetzt worden, vielleicht mit bestimmten Vorstellungen eines Jenseits, vielleicht für die Ewigkeit, aber auf jeden Fall haben sie dort lange ungestört gelegen. Dann kommen Archäologen, die der Wissenschaft und der Neugier und sicher auch der eigenen Karriere wegen diese Gräber ausheben, katalogisieren und die Ausbeute abtransportieren und verteilen und vielleicht gegen Geld irgendwo ausstellen. Was auch immer diese Menschen und ihre Angehörigen sich damals gedacht haben, *das* war es bestimmt nicht. Ist das völlig egal? Ist die Vergangenheit nur etwas, was man ausbeutet und zerlegt und erforscht?
Wo liegt eigentlich die Grenze zwischen Störung der Totenruhe und reiner Wissenschaft/Archäologie? Mir ist klar, dass man sich mit solchen Fragen vielleicht lächerlich macht, aber ich frage mich schon, ob sich Wissenschaftler (und Autoren solcher Artikel) nicht manchmal den einen oder anderen Gedanken machen und ihn auch äußern. In diesem Artikel jedenfalls nicht.
Das Bild jedenfalls läßt mich unmittelbar an einen Menschen denken, der vielleicht an etwas geglaubt hat oder auch nicht, aber dass seine splitternackten Knochen hier so für eine beiläufige Meldung in der Rubrik "Wissenschaft" um die Welt gehen, das hat er bestimmt nicht erwartet. Wie eine Gesellschaft mit Toten umgeht, ist Teil ihrer Kultur. Dieser Artikel ist Teil unserer Kultur.
Danke für den Kommentar, der gibt mir zu denken und ich würde mich freuen wenn jemand etwas konstruktives dabeisteuert. zum beispiel wie das die forscher handhaben. oder würde der artikelautor vielleicht noch etwas dazu sagen bzw recherchieren
danke
Liebe Leser,
vielen Dank für diese angeregte Diskussion. Ich habe sie zum Anlass genommen den Archäologen und Projektleiter der Ausgrabung Torsten Schunke vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt zu fragen, ob die „Totenruhe“ für ihn ein Thema sei.
Hier sein Standpunkt:
„Die Frage, ob wir die Ruhe der Toten stören, oder ob sie uns gar überhaupt interessiert, wird uns häufig gestellt und ich möchte sie gerne beantworten. Kurz gesagt: Wir sind immer um den Denkmalschutz bemüht und versuchen bei Ausgrabungen eigentlich die Gräber und Funde im Boden zu belassen. In diesem speziellen Fall ist es jedoch so, dass wir dort graben und Funde ausheben, wo in Zukunft eine ICE Strecke verlaufen wird. Das heißt, wir graben allein jene Stücke aus, die sonst von Baggern, Planierraupen und sonstigem Gerät zerstört und verteilt würden. Es ist, wenn Sie so wollen, eine besondere Form des Denkmalschutzes, bei der es vor allem darum geht, den Zusammenhalt des Individuums und damit das Andenken und die Erinnerung an die vergangenen Kulturen zu wahren.“
Viele Grüße aus der Wissenschaftsredaktion,
Alina Schadwinkel
Liebe Leser,
vielen Dank für diese angeregte Diskussion. Ich habe sie zum Anlass genommen den Archäologen und Projektleiter der Ausgrabung Torsten Schunke vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt zu fragen, ob die „Totenruhe“ für ihn ein Thema sei.
Hier sein Standpunkt:
„Die Frage, ob wir die Ruhe der Toten stören, oder ob sie uns gar überhaupt interessiert, wird uns häufig gestellt und ich möchte sie gerne beantworten. Kurz gesagt: Wir sind immer um den Denkmalschutz bemüht und versuchen bei Ausgrabungen eigentlich die Gräber und Funde im Boden zu belassen. In diesem speziellen Fall ist es jedoch so, dass wir dort graben und Funde ausheben, wo in Zukunft eine ICE Strecke verlaufen wird. Das heißt, wir graben allein jene Stücke aus, die sonst von Baggern, Planierraupen und sonstigem Gerät zerstört und verteilt würden. Es ist, wenn Sie so wollen, eine besondere Form des Denkmalschutzes, bei der es vor allem darum geht, den Zusammenhalt des Individuums und damit das Andenken und die Erinnerung an die vergangenen Kulturen zu wahren.“
Viele Grüße aus der Wissenschaftsredaktion,
Alina Schadwinkel
Genau diesen Gedanken hatte ich beim Lesen auch!
Setzen sich die Archäologen überhaupt mit der Frage nach der Grenze zwischen Totenruhe und reiner Wissenschaft/Archäologie auseinander?
Gibt es so etwas wie Ethik überhaupt in der Archäologie?
Ich denke, dass das ein ziemlich wichtiger Punkt ist, der gerade in diesem Artikel/Bereich untergeht.
1. Wenn Forscher einen Nutzen aus einer der wenigen Quellen (neben Abfallgruben) ziehen, welcher der Anthropologie und den Kulturwissenschaften unermesslichen Nutzen bringt statt die Bahn das Ganze schlicht zerstören zu lassen, denn das würde passieren wenn sich die bösen Wissenschaftler nicht einmischen würde, ist das für mich keine Grabschändung und kein ethisches Vergehen.
Ethik ist wie so vieles auch ein nicht universelles Ding (außer für Christen vielleicht) und wenn man nun Knochen von jemandem ausbuddelt der vor 2000 Jahren gestorben ist und dessen Kultur vor Jahrhunderten untergegangen bzw zur Unkenntlichkeit verändert wurde dann greift auch keine Vorgeschichtliche Ethik, über die wir übrigens nichts wüssten wenn wir nicht Tote Menschen aus vergangenen Tagen unter die Lupe nehmen würden.
Die Annahme, dass man damals so gedacht hat wie jetzt ist ebenso naiv.
Und wie würdet ihr die Ethik handhaben wenn man jemanden exhumieren müsste um ein Verbrechen aufzuklären? Greift da eine Güterabwägung?
Der Nutzen den wir aus Geschichte ziehen wiegt auf was wir alten Knochen antun, solange es keinen gibt der der Gesellschaft angehörte und plötzlich Verwandte von sich hinter der Vitrine ansehen müsste.
Die Forscher machen das ja nicht aus Spaß...naja, ein bisschen vielleicht auch aus Spaß
1. Wenn Forscher einen Nutzen aus einer der wenigen Quellen (neben Abfallgruben) ziehen, welcher der Anthropologie und den Kulturwissenschaften unermesslichen Nutzen bringt statt die Bahn das Ganze schlicht zerstören zu lassen, denn das würde passieren wenn sich die bösen Wissenschaftler nicht einmischen würde, ist das für mich keine Grabschändung und kein ethisches Vergehen.
Ethik ist wie so vieles auch ein nicht universelles Ding (außer für Christen vielleicht) und wenn man nun Knochen von jemandem ausbuddelt der vor 2000 Jahren gestorben ist und dessen Kultur vor Jahrhunderten untergegangen bzw zur Unkenntlichkeit verändert wurde dann greift auch keine Vorgeschichtliche Ethik, über die wir übrigens nichts wüssten wenn wir nicht Tote Menschen aus vergangenen Tagen unter die Lupe nehmen würden.
Die Annahme, dass man damals so gedacht hat wie jetzt ist ebenso naiv.
Und wie würdet ihr die Ethik handhaben wenn man jemanden exhumieren müsste um ein Verbrechen aufzuklären? Greift da eine Güterabwägung?
Der Nutzen den wir aus Geschichte ziehen wiegt auf was wir alten Knochen antun, solange es keinen gibt der der Gesellschaft angehörte und plötzlich Verwandte von sich hinter der Vitrine ansehen müsste.
Die Forscher machen das ja nicht aus Spaß...naja, ein bisschen vielleicht auch aus Spaß
Liebe Vorredner,
ich freue mich aufrichtig über die Empathie und Anteilnahme, die Sie mit den Verschieden der Vorzeit haben. Der Respekt für die Anderen, aus anderen Zeiten und andere Kontinenten ist wichtig und gut.
Auch wenn in diesem Fall die Vorstellungen des Verblichenen leider nicht mehr nachvollziehbar sind, so können wir doch bei Pharaonen recht sicher sein, daß sie gesteigerten Wert auf eine ungestörte letzte Ruhe gelegt haben. Vermutlich wurde selten in der Geschichte so viel Aufhebens darum gemacht diesen Zustand herzustellen und ebnso darum, ihn im frühen 20. Jahrhundert, dreitausend Jahre nach der Bestattung wieder aufzuheben.
In einigen dieser Fälle, im Fall Carters, der das Grab Tutanchamuns wiederentdeckt hat sicherlich, mag Ruhmsucht eine Rolle spielen, doch in den allermeisten Fällen wird genau der Punkt zentral sein, den Sie, uhuznaa, anführen: Die Wunsch unsere (die der Menschen) Kultur zu verstehen.
Daß Geschichte und deren Verständnis dafür entscheidend sind, dürfte unstrittig sein. Dennoch: Das Dilemma, das Sie ansprechen ist offenkundig: Wann verfallen die Wünsche der Toten und wann treten Sie hinter die Bedürfnisse der Lebenden zurück.
Vielleicht könnte man sich dieser Frage nähern, indem man Beispiele über Be- und Mißachtung der Wünsche von Toten beleuchtet. Aus Platzmangel hier nur Stichworte: -Testamente, -Organspende, -Exhumierungen um Verbrechen aufzuklären, -Wahl des Bestattungsortes, Vierteilen nach dem Tod als Strafe.
Gruß,
Sphinxfutter
1. Wenn Forscher einen Nutzen aus einer der wenigen Quellen (neben Abfallgruben) ziehen, welcher der Anthropologie und den Kulturwissenschaften unermesslichen Nutzen bringt statt die Bahn das Ganze schlicht zerstören zu lassen, denn das würde passieren wenn sich die bösen Wissenschaftler nicht einmischen würde, ist das für mich keine Grabschändung und kein ethisches Vergehen.
Ethik ist wie so vieles auch ein nicht universelles Ding (außer für Christen vielleicht) und wenn man nun Knochen von jemandem ausbuddelt der vor 2000 Jahren gestorben ist und dessen Kultur vor Jahrhunderten untergegangen bzw zur Unkenntlichkeit verändert wurde dann greift auch keine Vorgeschichtliche Ethik, über die wir übrigens nichts wüssten wenn wir nicht Tote Menschen aus vergangenen Tagen unter die Lupe nehmen würden.
Die Annahme, dass man damals so gedacht hat wie jetzt ist ebenso naiv.
Und wie würdet ihr die Ethik handhaben wenn man jemanden exhumieren müsste um ein Verbrechen aufzuklären? Greift da eine Güterabwägung?
Der Nutzen den wir aus Geschichte ziehen wiegt auf was wir alten Knochen antun, solange es keinen gibt der der Gesellschaft angehörte und plötzlich Verwandte von sich hinter der Vitrine ansehen müsste.
Die Forscher machen das ja nicht aus Spaß...naja, ein bisschen vielleicht auch aus Spaß
Es gibt zwei prinzipielle Auffassungen zur den Gebeinen:
1. Die religiöse Auffassung identifiziert den Toten nicht mit seinem Körper. Die Gebeine sind vergleichbar mit Resten eines Fahrzeugs, aus dem der Fahrer ausgestiegen ist. (Deswegen verbrennen manche Kulturen mit dieser Auffassung ihre Toten.)
2. Die wissenschaftlich-materialistische Auffassung hält die Gebeine für Reste eines biologischen Roboters, der aber irreparabel kaputt ist. (Deswegen verbrennen auch manche mit dieser Auffassung ihre Toten.)
Beide Auffassungen erlauben es uns, eine ICE-Strecke zu bauen und die dabei gefundenen Gebeine mit dem Respekt, die man einem einst hochkomplexen Bewusstseinswesen und seiner Geschichte entgegenbringen sollte, zu behandeln. Und wenn man etwa eine DNA-Analyse machen wollte, um unsere Verwandtschaft mit ihnen zu klären, kann das nicht auch mit Respekt (vor der Schöpfung oder vor der Evolution) gemacht werden?
Es kann ohnehin sein, dass Wissenschaft und Religion sich bald wieder die Hand geben. Vielleicht gibt es ja eine Dimension, die senkrecht auf der Raumzeit steht und die etwas mit Bewusstsein und Ewigkeit zu tun hat?
Als Archäologiestudent kann ich E.T. nur Zustimmen.
Ich finde es recht befremdlich das einige meiner Vorredner, Archäologen praktisch mit Grabräubern gleichsetzen.
Wenn sie sich auch nur ansatzweise mit diesem hochinteressanten Fach auseinander gesetzt hätten, wäre ihnen schnell klar, wie weit sie mit dieser Auffassung von der Realität entfernt sind.
Als Archäologe versucht man mithilfe von materiellen Hinterlassenschaften - zu denen auch menschliche Gebeine gehören- menschliches Leben vergangener Zeiten zu rekonstruieren. Jeder Tote der freigelegt wird ist also Repräsentant seiner Kultur. Es geht darum Erkenntnisse zu Sammeln, welche im Endeffekt jedem Menschen zu gute kommen. Es geht mit Nichten darum, aus einem Toten kapital zu schlagen.
Ich kann mir nicht vorstellen wie man einem Verstorbenen im Nachhinein mehr Respekt zollen kann. Zumal man ihn dadurch davor bewahrt, durch eine Baggerschaufel aus seinem Grab gerissen zu werden und irgendwo in die Landschaft geschüttet zu werden.
Die Archäologie hat sich umfassend mit den ethischen Problemen ihrer Tätigkeit auseinander gesetzt. Somit sind die Kollegen aus Halle sich Dieser mit großer Wahrscheinlichkeit, weit bewusster als sie es sind.
ich habe schon als Kind tiefen Respekt gegenüber "unseren" Vorfahren
empfunden ... ausgelöst durch archeologische Berichte. Ich jedenfalls
ehre die Lebensleistung der Ahnen u. realisiere immer die Verhältnisse,
in denen sie ihre Kinder so gebildet haben, dass diese darauf auf-
bauen konnten. Je älter u. lebenserfahrener ich werde ... desto tiefer
wird der Respekt. fxrichter möchte ich mit folgendem ergänzen : in
einigen Glaubenswelten geht der Verstorbene mit der Flamme in die
jeweilige jenseitige Welt. Ohne Verbrennung bliebe er ausgeschlossen.
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