Medizin Nutzlose Stromstöße fürs Herz

Bei Herzrhythmusstörungen setzen Ärzte oft auf regelmäßige Stromstöße. Doch eine Studie zeigt: Implantierte Defibrillatoren sind in der Zeit nach einem Infarkt nutzlos.

Nach einem Herzinfarkt ist für viele Betroffene und ihre Angehörigen die Sorge ein ständiger Begleiter. Auch wenn alles gut gegangen ist, weiß man nun, dass man ein besonderes Risiko trägt: Sind die Herzkranzgefäße verengt, dann drohen trotz der Behandlung weitere Infarkte. Das Leben könnte aber auch durch plötzlich auftretende Veränderungen des Herzrhythmus gefährdet sein.

Mehr als 80.000 Menschen sterben in Deutschland in jedem Jahr, weil ihr Herz abrupt aus dem Tritt kommt. Die meisten von ihnen haben zuvor schon einen Herzinfarkt gehabt. Wenn im Extremfall die Muskulatur der Herzkammern angesichts des Tempos der Schläge nur noch zuckt, also beim gefürchteten Kammerflimmern, kommt der Bluttransport zum Erliegen. Die einzige Rettung ist dann ein massiver Stromstoß, der den normalen Rhythmus wiederherstellt.

Anzeige

Wer an solchen bösartigen Rhythmusstörungen leidet, dem kann dauerhaft ein Defibrillator implantiert werden, der ähnlich wie ein Schrittmacher eingesetzt wird. Dafür werden ein oder zwei Elektronen über ein Blutgefäß ins Herz vorgeschoben und im Bereich der Brustmuskulatur verankert. Das Gerät überwacht kontinuierlich die Herzaktionen. Es kann plötzlich auftretende Rhythmusstörungen wie Kammerflattern oder Kammerflimmern erkennen und durch die Abgabe eines elektrischen Schocks den Herzrhythmus wieder normalisieren.

Sollte man ein solches kleines Gerät also nicht sicherheitshalber gleich jedem einpflanzen, der einen schweren Infarkt überlebt hat? Nun zeigt eine europäische Studie, deren Ergebnisse im Fachblatt New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, dass sie verneint werden muss.

Für die Untersuchung, die unter Federführung der Kardiologen Gerhard Steinbeck vom Münchner Uniklinikum Großhadern und Dietrich Andresen vom Berliner Vivantes-Klinikum am Urban lief, wurden fast 900 Patienten nach einem Herzinfarkt aufgrund ihres besonderen Risikos für Rhythmusprobleme ausgewählt.

Nach dem Zufallsprinzip bekam die Hälfte von ihnen im ersten Monat nach dem Infarkt zusätzlich zur üblichen Behandlung einen implantierbaren Defibrillator eingesetzt, die andere Hälfte nahm nur gängige Medikamente ein.

Wie schwer krank die (im Schnitt 62 Jahre alten) Teilnehmer der Studie waren, kann man daran erkennen, dass in den nächsten drei Jahren fast ein Viertel von ihnen starb. Für die Herzmediziner war jedoch die Erkenntnis wichtig, dass es in beiden Gruppen gleich viele Todesfälle gab.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service