Medizin Krebs von der Mutter
Es passiert sehr selten, aber es passiert: Forscher haben erstmals bewiesen, dass Krebs von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden kann.
© Mauricio Lima/AFP/Getty Images

Die Untersuchung der Krebszellen von Mutter und Kind hat gezeigt, dass die Zellen den gleichen Ursprung besaßen
Entdeckt wurde die Übertragung bei einer 28-jährigen Japanerin. Die Frau hatte ganz normal ihr Kind entbunden. Zum Zeitpunkt der Geburt wusste niemand von ihrer Krebs-Erkrankung. 36 Tage nach der Niederkunft kam es zu schweren Blutungen aus der Scheide. Eine Leukämie (Blutkrebs) in fortgeschrittenem Stadium wurde festgestellt, an der die Frau starb.
Elf Monate nach der Geburt schwoll bei dem Baby, einem Mädchen, die rechte Wange an. Daraufhin wurde ein Tumor im Kieferknochen diagnostiziert, der bereits in die Lungen gestreut hatte. Das Mädchen wurde behandelt, der Krebs bildete sich zurück.
Bei einem Vergleich der Krebszellen zwischen Mutter und Kind stellten britische und japanische Forscher fest, dass diese den gleichen Ursprung hatten. Die Krebszellen besaßen jeweils ein identisches Krebsgen mit Namen BCR-ABL1, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt PNAS. Das Kind hatte dieses Gen nicht von der Mutter geerbt, es musste also aus Tumorzellen stammen.
Bislang sind nur wenige Fälle einer mutmaßlichen Übertragung von Krebs von der Mutter auf das Kind bekannt geworden, der japanische ist der 17. Das spricht dafür, dass das kindliche Immunsystem so gut wie immer eingedrungene Krebszellen von der Mutter zerstört.
Die Richtigkeit dieser Hypothese belegt ausgerechnet die tragische Fallgeschichte aus Japan. Denn den Krebszellen im Baby mangelt es an einem bestimmten Segment der Erbinformation, der so etwas wie die Passierscheininformationen der Zelle enthält.
Dieser von Immunforschern HLA-Komplex genannte Erbgutabschnitt enthält die Bauanleitung für Proteine, die auf der Zelloberfläche der patrouillierenden "Körperpolizei" präsentiert werden. Weil die Krebszellen sie verloren hatten, konnten sie von der Körperabwehr des Kindes nicht als gefährlicher Eindringling erkannt werden. Der Krebs hatte sich gleichsam unsichtbar gemacht.
- Datum 21.10.2009 - 17:15 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Dies ist ein deutlicher Beweis dafür, dass es sogenannte Krebsfamilien gibt. Also Familien, in denen Krebs gehäuft auftritt. Umso wichtiger ist es bei solchen Familien, auf eine gesunde Lebensweise zu achten. Leider gibt es noch keine Medikamente, die bei solchen erhöhten "Anfälligkeiten" zur Vorsorge eingenommen werden können.
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