Wirtschaftsnobelpreis 2009 Eine lebensnahe Pionierin inmitten von Theoretikern

Elinor Ostrom ist eine Ausnahmeforscherin. Auf Inseln, in Gebirgen und in der Wüste besucht sie Gemeinden und zeigt, wie Menschen mit knappen Ressourcen auskommen können.

So richtig passt sie gar nicht in die Reihe ihrer Vorgänger, die erste Trägerin des Wirtschaftsnobelpreises: Elinor Ostrom. Nicht nur, dass die bisherigen Preisträger allesamt Männer waren – die große Mehrheit der Ausgezeichneten nutzte auch völlig andere Methoden als die 76 Jahre alte US-Amerikanerin.

Es ist ausgesprochen selten, dass dieser Nobelpreis an Wissenschaftler außerhalb der Disziplin geht

Reinhard Selten, Ökonom

Bislang dominierten die Mathematiker die Liste der geehrten Gelehrten. Wissenschaftler, die mit formalen Methoden arbeiten, mit Inferenzstatistik und ökonometrischen Verfahren. Ostrom dagegen hat einen eher soziologischen Zugang zu ihren Forschungsobjekten. Sie analysiert auf Inseln mitten im Meer, auf Almen im Gebirge, Oasen inmitten der Wüste oder in abgelegenen Wäldern, wie Menschen begrenzte Ressourcen effizient und gerecht verteilen können. Ihr Forschungsgegenstand sind kleine Gemeinschaften, die oft nur weniger als 100 Menschen zählen, aber mitunter seit mehr als tausend Jahren bestehen.

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Ostroms Themen lauten Wasserversorgung, Fischerei, Holzeinschlag, die Nutzung von Weideland oder Jagdrevieren. Streng genommen ist sie gar keine Ökonomin. An der staatlichen Indiana State University in Bloomington hat Ostrom einen Lehrstuhl für Politikwissenschaft, auch das ist bemerkenswert. Nur einmal in der Geschichte des seit 1969 verliehenen Wirtschaftsnobelpreises ging er bisher an einen Politologen, 1974 an Herbert S. Simon für seine Arbeiten über die beschränkte Rationalität menschlichen Handelns.

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Wie Simon ist Ostrom eine Grenzgängerin. Sie arbeitet an der Schnittstelle zwischen Sozial- und Wirtschaftswissenschaft. Und bereichert so beide Disziplinen. "Sie ist eine Pionierin. Elinor hat uns einen ganz neuen Blick auf die Dinge eröffnet", sagt Ökonomie-Professor Reinhard Selten, der 1994 als bislang einziger Deutscher den Wirtschafts-Nobelpreis erhielt.

Der Spieltheoretiker Selten und Ostrom kennen sich bestens. 1981 leitete der Deutsche ein Forschungsseminar über Spieltheorie am Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld. Unter den Teilnehmern: Elinor Ostrom, die von Selten auf diesen Pfad der Wissenschaft geführt wurde.

Ende der achtziger Jahre kam Ostrom erneut für ein Semester nach Bielefeld. "Als ich die Nachricht gehört habe, dass sie jetzt den Wirtschaftsnobelpreis bekommt, war ich zuerst ein wenig überrascht. Es ist ausgesprochen selten, dass dieser Preis an Wissenschaftler außerhalb der Disziplin geht", sagt ihr früherer Lehrer. "Aber er ist gerechtfertigt. Ich freue mich sehr für sie."
 

Leser-Kommentare
    • Csab
    • 13.10.2009 um 13:41 Uhr

    Ich habe grossen Respekt vor dieser Frau! Die Regierungen und Weltkonzernen dieser Welt sollen das grossartige Wirken und Tun dieser Pionierin zum Vorbild nehmen!!

  1. Jedesmal wenn in deutschen Medien ueber eine/n auslaendische/n Forscher/in berichtet wird, ist es das gleiche Problem (nicht nur in diesem Artikel, oder bei der Zeit, sondern generell):

    Keiner der Schreiberlinge macht sich die 10 Sekunden Muehe, den Namen der Universitaet nachzulesen. Elinor Ostrom arbeitet nicht and der Indiana State University (gibt es, aber ist eine andere Uni), and der University of Indiana (gibt's nicht), and der Universitaet Bloomington (gibt's auch nicht), sondern an der Indiana University Bloomington. Einfach googeln, oder richtig abschreiben von der Nobel-Website, haette gereicht um das rauszufinden.

  2. Diese Frau schreibt, was einem gesunden Menschen bereits im ersten Semester VWL auffällt. Dort rechnen MAthematiker mit Modellen deren Annahmen absolut Weltfremd sind.

    Man denkt sich anfangs noch - das wird besser, das wird realistischer, das hat bestimmt einen Sinn weil man bestimmte Sachverhalte anders analysieren kann - teilweise stimmt das auch - aber ein großer Teil der Volskwirte (von den BWL Leuten ganz zu schweigen) verlässt die UNI und hält Keynes für ein kommunistisches Monster, glaubt zu wissen das Smith absoluten Marktradikalismus gepredigt hat und ist der Auffassung, dass Gewerkschaften Teufelszeug ist und der Markt grundsätzlich alles besser organisieren kann, als der Staat oder eine Gemeinschaft.

    Die gesamte VWL ist geprägt von Duckmeusern welche sich auf kleine Randbereiche konzentrieren, ohne zu wichtigen fragen Stellung beziehen zu wollen - oder Mathematikern, die von der Welt keine Ahnung haben, aber Sie in vereinfachten Modellen erklären wollen - oftmals weil es sich so schön einfach rechnen lässt.

    Unterm Strich sprechen nich wenige von autistischen Zügen in der Ökonomie - die Wirklichkeit wird verdrängt.

    Endlich hat eine Frau einen Preis gewonnen, die wichtige Fragen anhand von konkreten Beispielen untersucht hat, ohne ideologisch Voreingenommen an das Thema zu gehen oder für genehme Aussagen 50.000 euro pro vortrag von den konzernen erhält.

    Und siehe da - unsere Vorfahren waren nicht alle dumme Idioten, sondern die Allmende funktioniert......

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nanana, wo und wann haben Sie denn VWL-Vorlesungen besucht? Ich habe kürzlich mein VWL-Studium an der Universität St. Gallen abgeschlossen und kann nur sagen, dass Ihr Bild von Ökonomie nicht dem entspricht, was dort gelehrt wird. Ich weiss nicht, wie's an andern Unis aussieht, aber in St. Gallen wird einem gelehrt, VWL als ein Denkschema zu sehen. Es wird auch ein intuitiever Zugang zur VWL gefördert und nicht ein reines Denken in (und Glauben an) mathematischen Modellen. Modelle sind dann nur dazu da, einen einzelnen Aspekt näher zu untersuchen. Entsprechend bilden sie auch nur einen kleinen Abschnitt der Lebenswirklichkeit (unter bestimmten Annahmen) ab - KEIN vernünftiger VWL-Student glaubt denn auch im Ernst, dass Modelle universelle Gültigkeit haben und alles erklären.

    Ich finde es sehr begrüssenswert, dass Frau Ostrom den Preis erhält. Die Wirtschaftswissenschaften gehören zu den Sozialwissenschaften - da ist es gar nicht so abwegig jemanden auszuzeichnen, deren Forschung nach traditioneller Sichtweise eher im Bereich der Soziologie anzusiedeln ist. Die Grenzen zwischen den einzelnen Teilgebieten der Sozialwissenschaften sind ja recht fliessend. Die VWL trägt dieser Tatsache (zumindest an unserer Uni) schon länger Rechnung und hat sich mittlerweile sehr stark auch andern Teilgebieten der Sozialwissenschaften geöffnet. Mit dem Nobelpreis an Frau Ostrom wird dieser Tatsache nun endlich auch in eimem breiteren Rahmen richtig gewürdigt.

    Nanana, wo und wann haben Sie denn VWL-Vorlesungen besucht? Ich habe kürzlich mein VWL-Studium an der Universität St. Gallen abgeschlossen und kann nur sagen, dass Ihr Bild von Ökonomie nicht dem entspricht, was dort gelehrt wird. Ich weiss nicht, wie's an andern Unis aussieht, aber in St. Gallen wird einem gelehrt, VWL als ein Denkschema zu sehen. Es wird auch ein intuitiever Zugang zur VWL gefördert und nicht ein reines Denken in (und Glauben an) mathematischen Modellen. Modelle sind dann nur dazu da, einen einzelnen Aspekt näher zu untersuchen. Entsprechend bilden sie auch nur einen kleinen Abschnitt der Lebenswirklichkeit (unter bestimmten Annahmen) ab - KEIN vernünftiger VWL-Student glaubt denn auch im Ernst, dass Modelle universelle Gültigkeit haben und alles erklären.

    Ich finde es sehr begrüssenswert, dass Frau Ostrom den Preis erhält. Die Wirtschaftswissenschaften gehören zu den Sozialwissenschaften - da ist es gar nicht so abwegig jemanden auszuzeichnen, deren Forschung nach traditioneller Sichtweise eher im Bereich der Soziologie anzusiedeln ist. Die Grenzen zwischen den einzelnen Teilgebieten der Sozialwissenschaften sind ja recht fliessend. Die VWL trägt dieser Tatsache (zumindest an unserer Uni) schon länger Rechnung und hat sich mittlerweile sehr stark auch andern Teilgebieten der Sozialwissenschaften geöffnet. Mit dem Nobelpreis an Frau Ostrom wird dieser Tatsache nun endlich auch in eimem breiteren Rahmen richtig gewürdigt.

  3. Nanana, wo und wann haben Sie denn VWL-Vorlesungen besucht? Ich habe kürzlich mein VWL-Studium an der Universität St. Gallen abgeschlossen und kann nur sagen, dass Ihr Bild von Ökonomie nicht dem entspricht, was dort gelehrt wird. Ich weiss nicht, wie's an andern Unis aussieht, aber in St. Gallen wird einem gelehrt, VWL als ein Denkschema zu sehen. Es wird auch ein intuitiever Zugang zur VWL gefördert und nicht ein reines Denken in (und Glauben an) mathematischen Modellen. Modelle sind dann nur dazu da, einen einzelnen Aspekt näher zu untersuchen. Entsprechend bilden sie auch nur einen kleinen Abschnitt der Lebenswirklichkeit (unter bestimmten Annahmen) ab - KEIN vernünftiger VWL-Student glaubt denn auch im Ernst, dass Modelle universelle Gültigkeit haben und alles erklären.

    Ich finde es sehr begrüssenswert, dass Frau Ostrom den Preis erhält. Die Wirtschaftswissenschaften gehören zu den Sozialwissenschaften - da ist es gar nicht so abwegig jemanden auszuzeichnen, deren Forschung nach traditioneller Sichtweise eher im Bereich der Soziologie anzusiedeln ist. Die Grenzen zwischen den einzelnen Teilgebieten der Sozialwissenschaften sind ja recht fliessend. Die VWL trägt dieser Tatsache (zumindest an unserer Uni) schon länger Rechnung und hat sich mittlerweile sehr stark auch andern Teilgebieten der Sozialwissenschaften geöffnet. Mit dem Nobelpreis an Frau Ostrom wird dieser Tatsache nun endlich auch in eimem breiteren Rahmen richtig gewürdigt.

  4. Endlich mal jemand der nicht ständig anderen nach dem Mund redet. Der Grenzen ignoriert und im Land zwischen den abgesteckten Territorien nach Lösungen sucht.

    Letztlich ist ihr Ansatz wissenschaftlicher als so mancher der heutzutage so genannt wird. Eine Theorie aufstellen, sich ansehen wie es in der täglichen Praxis funktioniert - nicht funktionieren sollte! - und dann die Theorie entsprechend anpasst - nicht die funktionierende Praxis an die unausgereifte Theorie!

    Hoffentlich nehmen sich Politiker ihre Erkenntnisse auch zum Vorbild, anstatt weiter ausgetrampelte Pfade zu verfolgen die sich spätestens in den letzten Jahren als Selbstbetrug erwiesen haben (Trickle-down-Theorie, völlige Privatisierung von Volkseigentum,...).

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