Wirtschaftsnobelpreis 2009 Eine lebensnahe Pionierin inmitten von Theoretikern
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Kleine Gemeinden sollten die Verteilungsregeln für Ressourcen selbst entwickeln und verändern

In den Zanjeras, Bewässerungsanlagen auf den Philippinen, leistet jeder Bauer pro Jahr im Schnitt 53 Tage Arbeitsdienst, zum Beispiel für Instandsetzungsarbeiten. Ohne Entgelt. Fast zwei Monate arbeitet er damit kostenlos für die Gemeinschaft – und muss noch dazu die Baumaterialien selbst bereitstellen.

Sie ist extrem fleißig. Wie sie diese enorme Arbeit schaffen konnte, weiß ich auch nicht

Reinhard Selten, Ökonom

Zentral sind bei allen funktionierenden, also auf Dauer stabilen Allmenden drei Grundsätze. Die Einwohner entwickeln die Verteilungsregeln selbst und können sie auch verändern. Zudem muss sichergestellt sein, dass die Beteiligten überwacht werden und es eine schnelle, aber nicht überzogene Bestrafung bei Verstößen gibt. Insgesamt acht Bauprinzipien identifiziert die Wissenschaftlerin.

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Wenn zentralstaatliche Instanzen versuchen, die Regeln zu ändern, wirkt sich das oft kontraproduktiv aus. Ebenfalls können als Entwicklungshilfe gedachte Projekte zum Bau von Bewässerungsanlagen in Dritte-Welt-Ländern schlimme Folgen nach sich ziehen.

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In Nepal zum Beispiel betrieben die Bürger Raubbau am Wald, nachdem der Zentralstaat die Kontrolle der zuvor kommunal organisierten Forstwirtschaft an sich gerissen hatte. Sie misstrauten dem Staat und versuchten, ihn auszunutzen. Als die Verstaatlichung aufgegeben wurde und die Bürger wieder selbst die Verantwortung für ihr Handeln trugen, gelang eine schnelle Wiederaufforstung. In Sri Lanka hatte ein vom Westen finanziertes Bewässerungsprojekt ähnlich verheerende Folgen.

"Kleine Einheiten werden vom Staat oft als hilflose Individuen angesehen", bemängelt Ostrom in ihrem Buch. "Dabei können sie sich hervorragend selbst organisieren. Ein Eingriff des Staates bringt oft mehr Schaden als Nutzen." Privatisiert man die Flächen und schafft einen freien Markt, neigten die Akteure dagegen oft ebenso zur Maßlosigkeit.

"Ich plädiere für keine der beiden Positionen", schreibt Ostrom "Nur selten sind Institutionen entweder rein privat oder rein öffentlich – "Markt" oder "Staat". Viele erfolgreiche Allmenderessourcen-Institutionen sind vielfältige Mischformen aus markt- und staatsähnlichen Institutionen, die sich einer Klassifizierung in sterile Dichotomie entziehen."

Aus Fallstudien anderer Wissenschaftler, eigenen Feldstudien und methodisch einfallsreichen, unkonventionellen Experimenten hat Ostrom einen beeindruckenden Datensatz zusammengetragen. Mehr als 5000 Beispiele umfasst ihr Portfolio. "Das ist eine herausragende Leistung. Sie ist extrem fleißig. Wie sie diese enorme Arbeit schaffen konnte, weiß ich auch nicht", sagt Selten anerkennend. Zwei Forschungsprojekte hat der Bonner Ökonom gemeinsam mit Ostrom durchgeführt. "Sie hat außerordentlich wichtige Prinzipien aufgedeckt. Die haben großen theoretischen, aber auch erheblichen praktischen Wert. Wer sich um solche Probleme kümmert, kommt an ihren Arbeiten nicht vorbei."

 
Leser-Kommentare
    • Csab
    • 13.10.2009 um 13:41 Uhr

    Ich habe grossen Respekt vor dieser Frau! Die Regierungen und Weltkonzernen dieser Welt sollen das grossartige Wirken und Tun dieser Pionierin zum Vorbild nehmen!!

  1. Jedesmal wenn in deutschen Medien ueber eine/n auslaendische/n Forscher/in berichtet wird, ist es das gleiche Problem (nicht nur in diesem Artikel, oder bei der Zeit, sondern generell):

    Keiner der Schreiberlinge macht sich die 10 Sekunden Muehe, den Namen der Universitaet nachzulesen. Elinor Ostrom arbeitet nicht and der Indiana State University (gibt es, aber ist eine andere Uni), and der University of Indiana (gibt's nicht), and der Universitaet Bloomington (gibt's auch nicht), sondern an der Indiana University Bloomington. Einfach googeln, oder richtig abschreiben von der Nobel-Website, haette gereicht um das rauszufinden.

  2. Diese Frau schreibt, was einem gesunden Menschen bereits im ersten Semester VWL auffällt. Dort rechnen MAthematiker mit Modellen deren Annahmen absolut Weltfremd sind.

    Man denkt sich anfangs noch - das wird besser, das wird realistischer, das hat bestimmt einen Sinn weil man bestimmte Sachverhalte anders analysieren kann - teilweise stimmt das auch - aber ein großer Teil der Volskwirte (von den BWL Leuten ganz zu schweigen) verlässt die UNI und hält Keynes für ein kommunistisches Monster, glaubt zu wissen das Smith absoluten Marktradikalismus gepredigt hat und ist der Auffassung, dass Gewerkschaften Teufelszeug ist und der Markt grundsätzlich alles besser organisieren kann, als der Staat oder eine Gemeinschaft.

    Die gesamte VWL ist geprägt von Duckmeusern welche sich auf kleine Randbereiche konzentrieren, ohne zu wichtigen fragen Stellung beziehen zu wollen - oder Mathematikern, die von der Welt keine Ahnung haben, aber Sie in vereinfachten Modellen erklären wollen - oftmals weil es sich so schön einfach rechnen lässt.

    Unterm Strich sprechen nich wenige von autistischen Zügen in der Ökonomie - die Wirklichkeit wird verdrängt.

    Endlich hat eine Frau einen Preis gewonnen, die wichtige Fragen anhand von konkreten Beispielen untersucht hat, ohne ideologisch Voreingenommen an das Thema zu gehen oder für genehme Aussagen 50.000 euro pro vortrag von den konzernen erhält.

    Und siehe da - unsere Vorfahren waren nicht alle dumme Idioten, sondern die Allmende funktioniert......

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nanana, wo und wann haben Sie denn VWL-Vorlesungen besucht? Ich habe kürzlich mein VWL-Studium an der Universität St. Gallen abgeschlossen und kann nur sagen, dass Ihr Bild von Ökonomie nicht dem entspricht, was dort gelehrt wird. Ich weiss nicht, wie's an andern Unis aussieht, aber in St. Gallen wird einem gelehrt, VWL als ein Denkschema zu sehen. Es wird auch ein intuitiever Zugang zur VWL gefördert und nicht ein reines Denken in (und Glauben an) mathematischen Modellen. Modelle sind dann nur dazu da, einen einzelnen Aspekt näher zu untersuchen. Entsprechend bilden sie auch nur einen kleinen Abschnitt der Lebenswirklichkeit (unter bestimmten Annahmen) ab - KEIN vernünftiger VWL-Student glaubt denn auch im Ernst, dass Modelle universelle Gültigkeit haben und alles erklären.

    Ich finde es sehr begrüssenswert, dass Frau Ostrom den Preis erhält. Die Wirtschaftswissenschaften gehören zu den Sozialwissenschaften - da ist es gar nicht so abwegig jemanden auszuzeichnen, deren Forschung nach traditioneller Sichtweise eher im Bereich der Soziologie anzusiedeln ist. Die Grenzen zwischen den einzelnen Teilgebieten der Sozialwissenschaften sind ja recht fliessend. Die VWL trägt dieser Tatsache (zumindest an unserer Uni) schon länger Rechnung und hat sich mittlerweile sehr stark auch andern Teilgebieten der Sozialwissenschaften geöffnet. Mit dem Nobelpreis an Frau Ostrom wird dieser Tatsache nun endlich auch in eimem breiteren Rahmen richtig gewürdigt.

    Nanana, wo und wann haben Sie denn VWL-Vorlesungen besucht? Ich habe kürzlich mein VWL-Studium an der Universität St. Gallen abgeschlossen und kann nur sagen, dass Ihr Bild von Ökonomie nicht dem entspricht, was dort gelehrt wird. Ich weiss nicht, wie's an andern Unis aussieht, aber in St. Gallen wird einem gelehrt, VWL als ein Denkschema zu sehen. Es wird auch ein intuitiever Zugang zur VWL gefördert und nicht ein reines Denken in (und Glauben an) mathematischen Modellen. Modelle sind dann nur dazu da, einen einzelnen Aspekt näher zu untersuchen. Entsprechend bilden sie auch nur einen kleinen Abschnitt der Lebenswirklichkeit (unter bestimmten Annahmen) ab - KEIN vernünftiger VWL-Student glaubt denn auch im Ernst, dass Modelle universelle Gültigkeit haben und alles erklären.

    Ich finde es sehr begrüssenswert, dass Frau Ostrom den Preis erhält. Die Wirtschaftswissenschaften gehören zu den Sozialwissenschaften - da ist es gar nicht so abwegig jemanden auszuzeichnen, deren Forschung nach traditioneller Sichtweise eher im Bereich der Soziologie anzusiedeln ist. Die Grenzen zwischen den einzelnen Teilgebieten der Sozialwissenschaften sind ja recht fliessend. Die VWL trägt dieser Tatsache (zumindest an unserer Uni) schon länger Rechnung und hat sich mittlerweile sehr stark auch andern Teilgebieten der Sozialwissenschaften geöffnet. Mit dem Nobelpreis an Frau Ostrom wird dieser Tatsache nun endlich auch in eimem breiteren Rahmen richtig gewürdigt.

  3. Nanana, wo und wann haben Sie denn VWL-Vorlesungen besucht? Ich habe kürzlich mein VWL-Studium an der Universität St. Gallen abgeschlossen und kann nur sagen, dass Ihr Bild von Ökonomie nicht dem entspricht, was dort gelehrt wird. Ich weiss nicht, wie's an andern Unis aussieht, aber in St. Gallen wird einem gelehrt, VWL als ein Denkschema zu sehen. Es wird auch ein intuitiever Zugang zur VWL gefördert und nicht ein reines Denken in (und Glauben an) mathematischen Modellen. Modelle sind dann nur dazu da, einen einzelnen Aspekt näher zu untersuchen. Entsprechend bilden sie auch nur einen kleinen Abschnitt der Lebenswirklichkeit (unter bestimmten Annahmen) ab - KEIN vernünftiger VWL-Student glaubt denn auch im Ernst, dass Modelle universelle Gültigkeit haben und alles erklären.

    Ich finde es sehr begrüssenswert, dass Frau Ostrom den Preis erhält. Die Wirtschaftswissenschaften gehören zu den Sozialwissenschaften - da ist es gar nicht so abwegig jemanden auszuzeichnen, deren Forschung nach traditioneller Sichtweise eher im Bereich der Soziologie anzusiedeln ist. Die Grenzen zwischen den einzelnen Teilgebieten der Sozialwissenschaften sind ja recht fliessend. Die VWL trägt dieser Tatsache (zumindest an unserer Uni) schon länger Rechnung und hat sich mittlerweile sehr stark auch andern Teilgebieten der Sozialwissenschaften geöffnet. Mit dem Nobelpreis an Frau Ostrom wird dieser Tatsache nun endlich auch in eimem breiteren Rahmen richtig gewürdigt.

  4. Endlich mal jemand der nicht ständig anderen nach dem Mund redet. Der Grenzen ignoriert und im Land zwischen den abgesteckten Territorien nach Lösungen sucht.

    Letztlich ist ihr Ansatz wissenschaftlicher als so mancher der heutzutage so genannt wird. Eine Theorie aufstellen, sich ansehen wie es in der täglichen Praxis funktioniert - nicht funktionieren sollte! - und dann die Theorie entsprechend anpasst - nicht die funktionierende Praxis an die unausgereifte Theorie!

    Hoffentlich nehmen sich Politiker ihre Erkenntnisse auch zum Vorbild, anstatt weiter ausgetrampelte Pfade zu verfolgen die sich spätestens in den letzten Jahren als Selbstbetrug erwiesen haben (Trickle-down-Theorie, völlige Privatisierung von Volkseigentum,...).

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