E-Mails, Digitalfotos im Internet, Videos auf dem Handy – all das gibt es nur, weil wir Daten rasant durch Glasfasern schicken und Bilder digital auf Chips speichern. Möglich wurde dies zu einem großen Teil durch die Forschung dreier Physiker , die in diesem Jahr dafür den Nobelpreis erhalten.

Für ihre Arbeiten im Bereich der Glasfaseroptik und der Telekommunikation erhalten die beiden US-Wissenschaftler George Elwood Smith und Willard Sterling Boyle von den Bell Laboratories in Murray Hill im US-Bundesstaat New Jersey die Hälfte der Auszeichnung.

Sie teilen sich den Preis mit dem gebürtigen Chinesen Charles Kuen Kao von der Universität Honkong

Das Internet gäbe es ohne Kao nicht, man könnte nicht in alle Welt günstig telefonieren, geschweige denn Bilder um den ganzen Globus senden
Godehard Walf, Ingenieur für Nachrichtentechnik

Kao hatte bereits 1966 als erster Lichtsignale über weite Strecken in einem Kabel aus Glas übertragen. "Die Kabel, die es zuvor gab, konnten Licht wenn überhaupt 20 Meter weit leiten. Kao identifizierte das Problem und machte die industrielle Herstellung von Glasfaserkabeln möglich", sagte der Sprecher des Nobelpreis-Komitees auf der Pressekonferenz in der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm.

Damit lieferte der heute 75-jährige Kao die Grundlagen für die moderne Datenübertragung. "Wenn Kao nicht entdeckt hätte, dass man Glasfasern zur Übertragung von Licht und damit von Daten nutzen kann, gäbe es die heutige Telekommunikation nicht", sagte Godehard Walf vom Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik in Berlin ZEIT ONLINE . "Das Internet gäbe es nicht, man könnte nicht in alle Welt günstig telefonieren, geschweige denn Bilder um den ganzen Globus senden."

Alle Hintergründe zu den diesjährig Geehrten auf ZEIT ONLINE (bitte klicken Sie auf das Bild) © Chris Jackson/Getty Images

Die US-Forscher Smith und Boyle erhalten den Preis für die Erfindung des lichtempfindlichen CCD-Chips (Charge-Coupled-Device), der heute in jeder Digitalkamera eingebaut ist. Erstmals gelang es den beiden 1969 einen CCD-Sensor erfolgreich zu entwickeln. Ihre Technologie revolutionierte die Fotografie als solche, denn dank der Chips lassen sich Bilder heute digital speichern und müssen nicht mehr auf einen Fotofilm übertragen werden. Denn macht jemand eine Aufnahme mit einer Digitalkamera wird das Bild auf einen Sensor-Chip projiziert, der aus vielen winzigen Licht-Dioden besteht. "Diese wandeln die Lichtpunkte, die wir als Pixel kennen, dann in digitale Signale um", erklärt Walf.

Die digitale Fototechnik hat nicht nur unseren Alltag verändert. Dank ihr gelang uns auch der Blick in die Tiefen des Universums, denn ohne CCD-Sensoren wären die Aufnahmen des berühmten Weltraumteleskops Hubble unmöglich. Selbst in der Medizin kommt die Technologie zum Einsatz: Nur so konnte die Schlüsselloch-Chirurgie entwickelt werden, bei der Ärzte mit Hilfe einer Mini-Kamera und winzigen Instrumenten operieren. Große Schnitte in den Körper des Patienten sind dadurch überflüssig geworden.

Durch die Erfindungen der drei Preisträger habe sich unser Leben "grundlegend verändert", sagte der Sprecher des Nobelpreis-Komitees. "Ohne sie wären wir nicht die Informationsgesellschaft, die wir heute sind."