Schluckimpfung unentbehrlich Kampf gegen Kinderlähmung

Kaum eine Impfung war so wirkungsvoll wie die gegen Polio – vor allem in den Industrieländern. Weltweit gesehen fehlen jedoch noch die letzten Meter zum Ziel.

In zahlreichen Ländern weltweit, wie hier in Afghanistan, müssen die Kinder den Polio-Impfstoff noch immer schlucken

In zahlreichen Ländern weltweit, wie hier in Afghanistan, müssen die Kinder den Polio-Impfstoff noch immer schlucken

Selbst große Errungenschaften werden schnell selbstverständlich. Der Sieg über Krankheiten ist da ein gutes Beispiel. "Die Bedeutung großer Mediziner kann man gut daran messen, wie vollständig sie uns vergessen lassen, was wir ihnen verdanken", war nach dem Tod des Arztes Jonas Salk (1914–1995) im US-Magazin "Time" zu lesen. Salk ist einer, dem die Welt viel verdankt: Er hat maßgeblichen Anteil daran, dass die Kinderlähmung in fast allen Ländern der Erde ausgerottet werden konnte.

Ganz vergessen ist der Mann, der einen Impfstoff gegen das Polio-Virus entwickelte, im Übrigen nicht: Jedes Jahr wird an seinem Geburtstag, dem 28. Oktober, der Weltpoliotag begangen. Denn auch die Krankheit selbst kann noch nicht ganz vergessen werden.

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Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam

Werbeslogan von 1962

Zwar wurden die meisten Regionen der Erde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im letzten Jahrzehnt als poliofrei erklärt. Doch in vier Ländern, in Nigeria, Indien und im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan, kann noch keine Entwarnung gegeben werden. Weltweit erkrankten im Jahr 2008 noch etwa 1800 Menschen neu, die meisten von ihnen sind kleine Kinder unter fünf Jahren.

Dabei haben 166 Mitgliedstaaten der WHO sich in einer ehrgeizigen Resolution im Jahr 1988 das Ziel gesetzt, den Erreger der Poliomyelitis (wörtlich: Entzündung der grauen Rückenmarkssubstanz) ganz von unserem Planeten zu verbannen. Machbar erscheint das, weil die Polioviren zu ihrer Vermehrung auf Menschen angewiesen sind. Und die können durch Impfungen vor der Krankheit geschützt werden.

Man geht heute davon aus, dass 90 bis 95 Prozent der Menschen, die sich durch Aufnahme des Erregers in den Mund angesteckt haben, keine Symptome zeigen, dennoch das Virus aber mit dem Stuhl weiter übertragen können. Trotz fehlender Krankheitszeichen entwickeln diese Infizierten einen Immunschutz, der "stille Feiung" genannt wird. Im schlimmsten Fall befällt der Erreger aber Zellen des Rückenmarks, die Muskelbewegungen steuern.

Veranstaltungen in Berlin

Am Samstag, dem 24.10. informieren rund 400 Rotarier aus 22 Berliner Rotary-Clubs an verschiedenen Orten der Stadt über Kinderlähmung, unter anderem am Potsdamer Platz und vor dem KaDeWe.

Schon am Donnerstag, dem 22.10. hat der oscarnominierte Dokumentarfilm "The Final Inch" in der Astor Film Lounge Berlin Premiere (Kurfürstendamm 225, Einlass 19 Uhr). Der Film von Regisseurin Irene Taylor Brodsky zeigt die Arbeit von Anti-Polio-Impfhelfern in Indien.

Mehr Informationen unter: www.rotary.org

Diese Vorderhornzellen werden zerstört oder zumindest schwer geschädigt, es kommt zu den gefürchteten Lähmungen. Einer von 200 Infizierten hat unter solchen Lähmungen zu leiden, im Extremfall ist sogar die Atemmuskulatur betroffen. In besonders schweren Fällen kamen Erkrankte zur Unterstützung der Atmung früher in die "Eiserne Lunge", ein Gerät, das die Atmung mechanisch unterstützte.

Krücken, Beinschienen und Rollstuhl sind unentbehrliche Hilfsmittel. Viele kennen die Fotos des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt (1882–1945), der 1921 als Erwachsener an Polio erkrankte und seitdem auf den Rollstuhl angewiesen war.

Nach dem zweiten Weltkrieg kam es in Westeuropa und den USA zu echten Epidemien. Allein im Jahr 1952 waren in Deutschland fast 10 000 Menschen neu erkrankt. Dann kamen die Impfstoffe: 1955 zunächst der von Salk entwickelte, für den tote Viren eingesetzt werden und der gespritzt werden muss.

Ein paar Jahre später entwickelte Salks Kollege Albert Sabin (1906–1993) einen Impfstoff aus abgeschwächten, lebenden Viren. Er wurde 1960 in der DDR, 1962 in der Bundesrepublik eingeführt und konnte ganz einfach auf einem Stückchen Zucker eingenommen werden. "Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam", so der einprägsame Werbeslogan.

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