Pränatalmedizin Embryos ins Herz blicken

Jeder fünfte Tod kurz nach der Geburt ist auf Herzfehler zurückzuführen. Dabei ließe sich die Fehlbildung mittels Ultraschall schon bei Ungeborenen entdecken.

Fünf bis acht von 1000 Kindern werden heute mit einem Herzfehler geboren

Fünf bis acht von 1000 Kindern werden heute mit einem Herzfehler geboren

Es ist ein Wissen, das belastet. Das zugleich aber auch Leben retten kann, wie Studien belegen: Wenn sich bei Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft zeigt, dass das Ungeborene wahrscheinlich mit einem schweren Herzfehler auf die Welt kommen wird, dann kann man nämlich planen. Die Eltern können auf die Situation vorbereitet werden, die auf sie zukommt, die Entbindung kann in einem spezialisierten Zentrum mit kinderkardiologischer Intensivbetreuung stattfinden, wo das Neugeborene notfalls ganz schnell operiert werden kann.

In einigen Fällen kann man sogar schon vor der Geburt eingreifen: Mittels eines Ballonkatheters wurden inzwischen schon bei Feten im Mutterleib verengte Herzklappen geweitet. Dass Kinder mit schweren Herzfehlern mit größerer Wahrscheinlichkeit überleben, wenn das Problem schon vor ihrer Geburt bekannt ist, haben inzwischen mehrere Studien bewiesen.

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Hier liegt ein großer Unterschied zu anderen vorgeburtlichen Diagnosen, die keine solchen Vorbereitungen ermöglichen, die von den Eltern eher schicksalhaft erlebt werden - und bei denen häufiger ein Abbruch der Schwangerschaft die Folge ist.

Fünf bis acht von 1000 Kindern werden heute mit einem Herzfehler geboren. Jeder fünfte Todesfall in der unmittelbaren Zeit nach der Geburt hat darin seine Ursache. Vier von fünf dieser schweren Herzfehler könnte man nach Ansicht der Pränatalmedizinerin Annegret Geipel von der Uni Bonn rund um die 20. Schwangerschaftswoche erkennen.

In Ländern wie Frankreich nähert man sich diesem Ziel allmählich an. In Deutschland werden jedoch die Chancen des zweiten Routine-Ultraschalls, der allen Frauen nach den Mutterschaftsrichtlinien zusteht, nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), zu deren Vorstand Geipel gehört, derzeit nicht ausreichend genutzt.

Während bei der ersten Untersuchung, etwa in der zehnten Schwangerschaftswoche, vor allem nach besonderen Risiken wie Mehrlings- oder Eileiter-Schwangerschaft gefahndet wird und in der dritten vor allem Lage und Wachstum des Kindes beurteilt werden, geht es im zweiten Schwangerschaftsdrittel auch um eventuelle Fehlbildungen des Kindes, unter anderem um die besonders schwer zu entdeckenden am Herzen.

"Doch die Ärzte sollen bei der üblichen Untersuchung nur auf allgemeine Auffälligkeiten wie Form und Aktion des Herzens achten", kritisiert Geipel. Auf diese Weise würden von nicht spezialisierten Teams allenfalls 15 Prozent der Probleme erkannt. Folglich würden auch zu wenige Schwangere von ihrem Frauenarzt zur Abklärung geschickt. "Die hierzu in den Mutterschaftsrichtlinien definierten Mindestanforderungen entsprechen nicht mehr den heutigen Möglichkeiten, Erfordernissen und Erwartungen an ein Basis-Screening im zweiten Trimenon", heißt es dazu in einem Papier der DEGUM.

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