ZEIT ONLINE: Sie sehen recht fröhlich aus, Herr Wiesner . Freuen Sie sich auf den Ruhestand?

Wiesner: Man muss das Leben positiv sehen und das Negative möglichst ausblenden.

ZEIT ONLINE: Eigentlich müssten Sie ja längst depressiv geworden sein angesichts des dramatischen Artensterbens.

Wiesner: Es stimmt, die Situation der letzten echten Naturgebiete auf dieser Erde ist dramatisch. Gegen die Abholzung der Regenwälder des Amazonas , aber auch in Borneo und Sumatra scheint kein Kraut gewachsen zu sein. Jetzt geht es um die letzten Refugien und Reserven. Japan und China streiten schon darum, wer die gewaltigen Krill-Bestände im Eismeer nutzen darf, von denen sich etwa die großen Wale ernähren.

ZEIT ONLINE: Welche Tiere wird man bald wohl nur noch im Zoo sehen können?

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Wiesner: Ach, das ist eine riesige Liste. Fangen wir an bei den Primaten. Die Schimpansen, unsere nächsten Verwandten, die Orang-Utans und Gorillas, alle sind hochgradig bedroht, weil ihre Habitate einfach verschwinden. Die Lebensräume der indischen Elefanten sind so zersiedelt, dass da auch fast nichts weitergeht. Dann natürlich die Nashörner, alle Großkatzen, die Eisbären … Wir sind einfach viel zu viele Menschen. Da bleibt für die armen Viecher kein Platz mehr auf diesem Planeten.

ZEIT ONLINE: Aber es gibt doch auch in der "Dritten Welt" große Schutzgebiete …

Wiesner: Das Wort Schutzgebiete muss man in dicke Anführungszeichen setzen. Da wird oft genauso geholzt und gewildert wie ein nicht "geschützten" Gebieten. In einem riesigen Nationalpark in China sind jüngst Bodenschätze gefunden worden. Den haben sie jetzt mit einer Straße einfach in zwei Teile zerschnitten.

ZEIT ONLINE: Was ist zu tun?

Wiesner: Die Geld-gegen-Natur-Initiative, die Ecuador ins Spiel gebracht hat, halte ich prinzipiell für eine interessante Sache: Die reichen Ländern geben Geld, damit die armen Staaten etwa ihr Öl im Boden lassen und die Natur bewahren. Allerdings ist natürlich nicht klar, wie lange eine solche Übereinkunft hält, was passiert, wenn die Regierung wechselt oder es zu einem Putsch kommt.